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Sabina Guzzanti (l.) bringt VIVA ZAPATERO! ins Kino. Das Bild rechts ist im Kino als Postkarte erhältlich.
Filmtipp: Viva Zapatero!
Text: Pino Loricato Datum: 17.12.2005 Aufrufe: 1364 Verschickt: 0

Seit Berlusconi Italien wieder in ein Imperium verwandelt hat, steht es schlecht um die Meinungsfreiheit in der italienischen Medienwelt. Lesen Sie unsere Filmkritik und warum es wichtig ist, diesen Film zu kennen. Sabina Guzzanti heisst die Satirikerin, deren Sendung RaiOt wegen regimekritischen Inhalten zensuriert wurde und jetzt einen Dokumentarfilm im Stile Michael Moores ins Kino bringt.

Geschichte, Handlung
Der Film strotzt nur so von Kritik an der Regierung Berlusconis, da er eine mächtige Zensur auf alle TV-Kanäle Italiens ausübt. Sabina Guzzanti hatte sich in ihrer Sendung RaiOt als Silvio Berlusconi verkleidet und parodierte ihn. Darauf drohte seine Partei mit einer Diffamierungsklage, die vor Gericht als haltlos galt, da sie nichts unwahres erzählt hatte, sondern ziemlich genau das nachplapperte, was er so predigt. Aus Angst setzte RAI 3 die Sendung trotzdem ab, weil sich der Sender einen Prozess mit Silvio Berlusconi nie hätte leisten können. Guzzanti reichts, sie zieht mit Kameramann und Mikrophon a la Michael Moore in die Strassen und betreibt Hyänenjournalismus, wie man diesen Stil in Italien nennt.

Nun, Italiens Politiker schulden der Guzzanti eine Antwort, weichen jedoch ihren Fragen aus. Bei der Frage, was Satire denn sei, überraschen uns Italiens Politiker mit ziemlich eigenen Vorstellungen davon. - Glaubt man ihren Antworten, scheint der Sinn der Satire primär dem Amusement zu dienen und soll auf keinen Fall Gemüter erhitzen, Fragen stellen, Diskussionen eröffnen oder zum Denken anregen. Das ist schade und gefährlich. Der Film bietet also eine spannende Auseinandersetzung mit den Problemen der Satire in Italien und vergleicht sie mit der Satire in England, Frankreich und anderen Ländern.

Kritik
Es gibt Momente in denen man diabolisch über die Dummheit der Politiker lachen kann, aber auch Momente da man traurig wird, zum Beispiel als tausende in ein Theater wollen um Sabina Guzzanti zu sehen. Es gibt also auch emotional mitreissende Bilder.

Der Film ist sehr interessant, spannend, unterhaltsam. Aber aufgepasst, er ist auch sehr subjektiv, die Tatsachen die Sabina Guzzanti betreffen sind bitter und sie tut uns leid.

Was gefehlt hat sind mehr Beispiele aus ihrer satirischen Arbeit. Leider waren da immer nur kurze, abgehackte Schnipsel zu sehen. Oder einen Vergleich mit "Striscia la Notizia" der täglichen Satiresendung auf dem Canale 5, wo Berlusconi auch hin und wieder bloss gestellt wird (wenn auch nur sanft) fehlt. Und die alljährliche Polit- und Medienweltsatire-Show der Gruppe "il bagaglino" wird auch nicht erwähnt, so dass der Zuschauer aus der Schweiz denken mag, dass in Italien ausser Nachrichten, Werbung, kulinarischen Sendungen, Jon de Mol-Formate und Shows mit vielen Showgirls überhaupt nichts anderes läuft.

Es gibt in Italien diese Sendungen, die sich offiziell zur Satire bekennen, die sie (la Guzzanti) hätte untersuchen und auf ihre Harmlosigkeit hin hätte kritisieren können, was sie aber leider unterlassen hat. Es geht ihr eben primär um das Thema "Meinungsfreiheit und Politik".

Die Rolle der Frau im italienischen Showbusiness
Ein weiterer Grund, weshalb RaiOt sofort abgestellt wurde könnte sein, dass weibliche Satirikerinnen und Komikerinnen im italienischen Showbusiness hartnäckig um ihre Akzeptanz kämpfen müssen, da Komiker und Satiriker typische Männerrollen sind. Sabina Guzzanti wurde vielleicht als eher unbekannte Komikerin mit ihrer scharfen politischen Satire ziemlich schnell zur Zielscheibe. Eine Komikerin, die Akzeptanz erlangt hatte, die mit einem Trio begann und später auch eigene Sketches zeigte, war Anna Marchesini, die war ziemlich witzig aber nicht politisch.

In italienischen TV-Shows sind Frauen primär Showgirls, deren Aufgabe es ist Choreographien zu tanzen, da zu stehen und zu lächeln, selbstverständlich leichtbekleidet. Das ist der Traumberuf der meisten italienischen Mädchen. Manche von ihnen werden später vielleicht mal Moderatorin. Die Moderatorinnen lächeln und scharwänzeln um den Moderator herum. Hie und da rufen sie prominente Gäste aus oder sagen die Werbepause an. Ein weiteres erstrebenswertes Ziel ist der Kalender. Ältere Semester, die gefragter sind, geben hie und da wieder einen Kalender heraus und spielen in Filmen wichtigere Rollen.

Sind sie einmal so weit, geniessen sie hohes Ansehen, Berühmtheit und erlangen Reichtum. Der Weg dahin ist hart und zum Teil makaber. Mädchen, die nicht bereit sind mit den Produzenten zu schlafen, kriegen keinen Vertrag, scheiden aus dem Casting aus. Das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Für Komikerinnen gilt das nicht. Die kommen meistens von Theaterbühnen, dafür kämpfen sie halt eben um Akzeptanz.

Aktuelle Berlusconi-kritische Sendungen
Adriano Celentano versetzte die Rechtsregierung einmal mehr in Rage, als er im Oktober und November 2005 in seiner politischen Sendung "RockPolitik" mit Gästen wie Roberto Benigni auf RAI 1 Berlusconi scharf kritisierte. Einen Celentano und einen Benigni kann man aber nicht so leicht von der Bildfläche verschwinden lassen. Dieses Eisen ist heiss.

Zensurstreit: Ist die Satire schlecht oder ertragen wir sie nicht?
Auch in der Schweiz hat es kürzlich einen Fall von Zensur gegeben, den Fall Patrick Frey. Das ist zwar eine andere Geschichte, aber diese neue Unfähigkeit mit Hofnarren umzugehen, dieses neue Spiessertum ist ein globaler Trend vor dem man sich hüten muss.

Die Gründe welche heutzutage genannt werden, um Satire oder einfachster Unfug zu zensurieren, sind so deutlich und klar wie brüchiges Eis:

  • 1. Es könnte jemandes Gefühle verletzen.
  • 2. Es ist nicht lustig.
  • 3. Es ist schlecht gemacht/produziert.
  • 4. Es ist zu politisch.

Wir entgegnen diesen Floskeln:

  • 1. Satire verletzt das karikierte, parodierte oder ganz einfach lächerlich gemachte Subjekt plus alle seine Fans, Anhänger. Immer, je nach Dicke des Fells.
  • 2. Wenn Satire nicht lustig ist, ist man vielleicht selber verletzt. Oder aber man versteht sie nicht, weil sie subtil ist und vom Publikum eine Allgemeinbildung voraussetzt, die man nicht hat. Oder aber die Satire ist wirklich nicht lustig, sondern bitter, tragisch. Satiriker sind nicht zwingend Komiker, deren Job es ja ist ihr Publikum zum Lachen zu bringen.
  • 3. Wenn Satire schlecht gemacht/produziert ist (billige Kostüme, hässliches Bühnenbild, schlechte Beleuchtung) tja dann passt die Showeinlage gar nicht erst in die Sendung eines professionellen TV-Senders und wird gekippt, so einfach ist das. Da fehlt dem Künstler offenbar die professionelle, technische Unterstützung.
  • 4. "Satiriker sollen aufhören Politik zu machen um Wähler zu beeinflussen? Dann sollen die Politiker aufhören Witze zu machen um ihren Wählern sympathischer zu erscheinen." Zitat aus dem Film "Viva Zapatero!"

Damit wollen wir jetzt nicht sagen, dass es keine Künstler gibt deren Unterhaltungsbeiträge schlecht wären. Die gibt es bestimmt. Chris von Rohr und Roman Kilchspergers Late-Night-Show "Black & Blond", hat die schon jemand geschaut? Was wollen uns die beiden eigentlich erzählen?

Prognose und Empfehlung
Vielleicht wird Berlusconi in den nächsten Jahren ein Gesetz erarbeiten, das politische Inhalte in Italiens Kinos verbietet. Das ist allerdings nur möglich, falls er wieder gewählt wird.

Der Film ist all denen zu empfehlen, die sich für die Debatte um Meinungsfreiheit und die Frage "Was ist Satire?" interessieren, aber auch denen sei der Film empfohlen, die das Gefühl haben, Berlusconi sei ein total geiler Typ weil seine Ära der Macht der italienische Rekord ist seit Ende des zweiten Weltkrieges.

Der Film läuft zurzeit im Arthouse Movie 2.

Links
Offizielle Site des Films
http://www.luckyred.it/minisiti/zapatero/zapatero.html

Link zum Arthouse Movie 1+2
http://www.arthouse.ch/kinos/movie/

Links zu Adriano Celentanos politischen TV-Show:
http://www.rockpolitik.it/home.html
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,381416,00.html
http://www.kleinreport.ch/meld.phtml?id=31184

Link zu "Striscia la Notizia"
http://www.gazette.de/Archiv/Gazette-Maerz2002/Saltini.html
Videogallery

Website über Anna Marchesini
http://www-utenti.dsc.unibo.it/~favilli/ig/index.html

Link zu Sconsy
http://www.wlaciccia.it/famosi/barbera.php

Link zum Index berühmter italienischen Showgirls (z.T. mit Kalenderbilder)
http://www.bellezzevip.com/showgirls_italiane/

Was ist der Unterschied zwischen microfonine letterine und veline ?


Die Moderatorinnen der kommenden Satire-Show haben langjährige Show-Erfahrung und selbstverständlich auch schon einen Kalender produziert. Aida Yespica und Pamela Prati bringen die nötigen Qualitäten mit, wie man hier sehen kann. Anna Marchesini, eine italienische Komikerin. Das links ist der echte. Rechts ist Sabina Guzzanti. Auffällig an ihrer Maske sind die offensichtilch implantierten Kopfhaare. Der Hintergrund seiner Partei ist meistens hellblau. Die Satirikergruppe Il bagaglino: Leo Gullotta (politisch aktiv), Pippo Franco und Oreste Lionello. Im kleinen Bild alle drei nochmals mit Showgirls.
Ezio Greggio und Enzo Iacchetti mit Showgirls. Zusammen mit dem Gabibbo, einem roten Männlein, machen sie die Sendung "Striscia la Notizia" jeden Wochentag um 2030 Uhr auf Canale 5. Wenn Ezio und Enzo in den Ferien sind, kommen andere Komiker, unter anderem Herr Laurenti, ein sehr guter Stimmenimitator und Sconsy. Michelle Hunziker war auch eine Saison lang in dieser Sendung tätig. Celentano macht RockPolitik.
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