Armee der Zukunft
Text: Pino Loricato
Datum: 24.05.2007 Aufrufe: 7859 Verschickt: 0
Manche wollen die Armee abschaffen, manche wollen sie reduzieren, wieder andere wollen sie in eine Berufsarmee verwandeln, bei der sich Armee-Freaks einschreiben und Karriere machen. Man kann es nennen wie man will: Berufsarmee, Profi-Armee, Hauptsache keine Miliz- oder Volksarmee. Was würde das für die Schweiz bedeuten?
Damit eine Armee rentiert, muss sie doch eingesetzt werden, in die weite Welt hinausfliegen und viel Öl nach Hause bringen. Das ist dann ein anderes Thema. Sicher ist, dass eine Armee, die ihre Soldaten nicht einfach schaufelweise aus dem Volk geliefert bekommt, um ihre Soldaten werben muss. Ein Beispiel, wie die Zukunft auch für uns aussehen könnte, liefert uns die Armee von Singapur.
Singapur: It's in you Mit dem Motto "It's in you" will sie junge Männer mit hübschen Postkarten ansprechen und meint damit, dass man die militärische Leidenschaft ein Kämpfer und Krieger zu sein, schon im Blut hat. Das ist vor allem dann der Fall, wenn man im
Mannschaftssport eine Kanone ist oder im
Computerspielen ein Strategie-Hirsch.
Beim Mannschaftssport sieht man einen kräftigen, aggressiven, jungen Mann, der ein Rugby-Ei packt und damit losstürmen will. Ihm wachsen mehrere Panzer aus dem Arm. Der Computerspieler hat es schon schwerer, ihm wachsen die Panzer zu den Brüsten und zum Bauch heraus, die Flak aus den Schultern und Soldaten rennen über seine Tastatur.
Schweiz: Kameradschaft und Disziplin In der Schweiz werden in Broschüren der Armee gerne Fachspezialisten gezeigt, die langweilige resp. interessante Arbeiten erledigen. Daneben immer lachende Gesichter mit Aussagen: "Am Anfang war der Dienst schwer, dann habe ich mich daran gewöhnt und jetzt mache ich das gerne." Dabei mindestens eine lachende Frau die sagt: "Anfangs war mir etwas mulmig mit all den Männern, doch ich werde akzeptiert und schätze die Kameradschaft und die tägliche Herausforderung." Sehen Sie, die Schweizer Armee macht keine Werbung, sie pflegt ein Image.
Die Polizei sucht Kollegen Was uns hierzulande bisher an Werbung für bewaffnete, uniformierte Einheiten bekannt ist, sind die Werbekampagnen der Zürcher Polizei. Da werden junge Männer und Frauen auf Plakaten vorgestellt, die Velofahren, Tennis spielen, Inline Skaten und Polizist sein können. Lachend, fit, gesund. Was für ein Traumberuf! Ihr Freund und Helfer ist lieb, gutaussehend, vorbildlich, ein reiner, schöner Mensch. Und Sie können da auch mitmachen, ein guter Mensch sein, verantwortungsvoll und so. Allerdings nur mit Matur oder abgeschlossener Berufslehre.
Die Aargauer Polizei hingegen kleisterte einfach ein
Plakat in die Welt, wo drauf stand: «Nichts für Warmduscher» plus Telefonnummer und Kontaktadresse. Im Kanton Aargau Polizist zu sein muss auch eine wesentlich härtere Angelegenheit sein als in Zürich. Die können nicht mit einem lächelnden Gesicht werben, da alle schon zahnlos und vernarbt sind und Augenklappen tragen wie Piraten. -Vielleicht.
Zukunft: Werbung für die Schweizer Armee? Falls es hier jemals soweit kommt, dass die Schweizer Armee um ihre Soldaten werben muss, würden auf den Postkarten vielleicht Jungs abgebildet, die miteinander am Tisch sitzen und
Risiko spielen, während ihnen FA/18-Hornets zu den Ohren raus fliegen und Piranhas und Leos aus den Händen rollen, anstatt Würfel. Darunter stünde dann der Satz: "Es steckt in dir! C'est dedans toi! E dentro di te!"
Oder aber man gleiche hier die Werbung jener der Armee aus Singapur an, dann muss doch dem Schweizer Jungmann ein Schweizer Panzer irgendwo rauswachsen. Da der Bund heute wie morgen davon ausgeht, dass "es" in jedem von uns steckt, und es reicht, männlich, volljährig und gesund zu sein, liegt des Rätsels Lösung auf der Hand. Schweizer + Panzer =
Schwanzer. Alternativen Es gibt aber auch andere Mittel, um junge Leute in die Kaserne zu locken. Mit Prämierungen! In jeder Kaserne gewinnt der beste Soldat einen Sportwagen. An der Aushebung bekommen die drei besten Gewinner des Sportabzeichens ein Ski-Weekend in St.Moritz für zwei Personen. Für jeden marschierten Kilometer erhält der Soldat eine Flugmeile von der Swiss. Und für jeden Schuss, der ins Ziel geht, kriegt man Cumulus-Punkte. Für alle, denen das nicht genug ist, gibt es die Möglichkeit, ihren Sold täglich bei der kaserneneigenen Samenbank aufzustocken, was wiederum ein ganz konkreter Dienst am Vaterschaftsland wäre, allerdings nur zwischen neun und halb sechs, weil nachher macht der Toni mit dem grossen Kessel Feierabend.
Anm. d. Red.: Für die Kostüme und die Lokalitäten bedanken wir uns herzlich beim Kostümverleih und den Betreibern des Lismal Underground Theatre.