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Lisbola - Wort zum Sonntag
Zora Off - Heldin von Heute
Zora Off – Heldin von heute
Text: Pino Loricato Datum: 30.10.2006 Aufrufe: 2785 Verschickt: 0

In der abendlichen Gratiszeitung «heute» gibt es auf der letzten Seite eine Kolumne, die auch im Internet erscheint und ziemlich populär geworden ist. Zora Off. Manche lieben sie, manche hassen sie, lesen tun sie jedoch alle. Warum das so ist, was für eine Strategie dahinter steckt und wer Zora Off wirklich ist, hat Lismal für Sie herausgefunden.

Irgendetwas stimmt nicht
Man möchte meinen, Zora Off sei die Kolumne einer jungen Frau, die von ihren alltäglichen Erlebnissen als Hedonistin berichtet. Die traurige Wahrheit ist aber, dass dahinter ein älterer Herr steckt, der die Maske einer jungen, lebenslustigen Dame vorhält. Viele Leser haben es schon geahnt, aber wir haben das bei unseren Ermittlungen über Satellitenfunk herausgefunden.

Möglicher Ausbau: der Zora-Comic
Die Kolumne von Zora Off hat ein immer grösseres Publikum. Das Feierabend-Publikum wächst mit jedem Sonnenuntergang. Da die Leser alle ziemlich scharf auf Zora Offs Kolumne sind, sollte man ihr mehr Platz für Text zur Verfügung stellen, mit mehr Illustrationen, ja eh, ausbauen zu einem Comic.

Lügen haben haarige Beine
Gerade kürzlich war im «heute» ein Chat-Protokoll veröffentlicht, in dem Zora Off die Fragen ihrer Leser beantwortete. Da war auch ein Bild von ihr drin, ohne Gesicht. Klar. Die Nachricht von der ganzen Inszenierung war eindeutig: «Mich gibts.» Und genau das ist eine dieser notwendigen Lügen mit denen wir in diesem Kulturkreis aufgewachsen sind. «Aber sicher, mein Kind, sicher gibt es den Samichlaus, wer hat denn gesagt, dass es den Samichlaus nicht gibt? Da, schau, da kommt er ja grad, zusammen mit dem Schmutzli. Iss noch einen Tirggel und lass dir sagen: den Samichlaus gibt es wirklich.» Obwohl die Kinder gerade noch skeptisch waren und des Samichlaus’ Stimme als die des Hauswarts identifiziert hatten, glauben sie wieder an ihn und sagen ihm ein Gedicht auf. Wenn sie erwachsen werden, schreiben sie Kommentare zu Zoras Blog.

Die «heute»-Lesenden glauben nun wieder an Zora Off, eine Putze* (Putzfrau) die zuerst die Büro-Räumlichkeiten von «heute» gereinigt haben soll und dann vom Chef spontan als «Zeitungsbloggerin» angestellt worden sein soll. Diese Legende ist äusserst romantisch. Stellen Sie sich das einmal vor! Schon fast so schön wie die Story von «Pretty Woman, der Geschäftsmann und die Hure.» «ICH BEZAHLE SIE, DAS REICHT ALS ARGUMENT.» sagt der Chef im Chat-Protokoll, als ein Kritiker diesen nach der Meinung zu ihren Texten fragt. — Verstehen Sie jetzt? Da steckt ein älterer Herr dahinter. Eindeutig.

Strategie
Eine weibliche Kolumnistin zwischen 25 und 30 Jahren, die sich Gegenstände vor das eigene Gesicht hält, um in der Öffentlichkeit unerkannt zu bleiben, kennen wir bereits. Diese Anonymität ist vernünftig und durchaus nachvollziehbar, da sie vor Erotomanen schützt. Andrerseits weckt es die Neugier bei allen Lesern die dahinter kommen wollen, wer diese Frau wirklich ist und wie sie aussieht. Die Grafik, welche sie darstellen soll, zeigt ein lachendes Weib mit lebendigem Haar und vollen Lippen. Das ist ein attraktives Aushängeschild welches viel Raum für Phantasien lässt. Damit wickelt man die Leserschaft des Feierabends schön um den Finger. Das nützt vor allem der Abendzeitung, welche die Auflagen steigern kann.

Fazit
Je länger Zora Off ein Mysterium bleibt, desto süchtiger macht die Kolumne, und man zieht sich jeden Abend ein «heute» rein um Zora Off zu lesen, voller Neugierde und Hoffnung, man komme irgendwie weiter. Was aber nicht der Fall ist. Es passiert nichts, die Kolumne an sich ist ein flaues Fickifickigeplapper, eine Altherrenfantasie, ja eine schmuddelige Pornolektüre, die sich ein schwitzender alter Sack jeden Tag herunterwichst. Und wir müssen das dann lesen.

Immerhin ist Zora Off nicht schädlich, wie damals Christoph Mörgelis Hass-Kolumne im Metropol (Gratiszeitung, Januar 2000 * – Februar 2002 †, gefallen im Konkurrenzkampf gegen 20Minuten). Die Gratis-Abendzeitung «heute» aus dem Hause Ringier wird so schnell nicht sterben, dort arbeiten nämlich viele schlaue Leute. Denn der Inhalt ist simpel, es hat viele Bilder, viel Blabla, ja, es ist ein bisschen wie Fernsehen.


Link zur Online Kolumne des Zeitungsblogs:
http://www.heute-online.ch/blogs/zora/

*Der Autor von Zora Off sagt «Putze» anstatt Putzfrau, «Pillermann» anstatt Schwanz, «schnaggseln» anstatt vögeln und kommt aus Bayern.

Machen Sie wieder einmal mit bei einer Lismal-Umfrage, viel Spass damit!




Sehen Sie, es steckt ein Mann dahinter. Donnerstag, 26. Oktober 2006, «heute», Seite 22.  Das Chat-Protokoll. - Das Bild ist inszeniert, die abgebildete Frau kann weder schreiben noch putzen. Ermittlungen über Satellitenfunk ist so eine Redensart, um nicht zu sagen, dass wir von Lismal in jedem grossen Medienunternehmen mindestens einen Kollaborateur drin haben.
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