Windmühlen-Staat
Text: palman
Datum: 25.02.2007 Aufrufe: 2321 Verschickt: 1
Es geht hier nicht um Energieprobleme. Auch wenn diese durch die Leerläufe unseres Staatsbetriebes locker gelöst werden könnten. Mittlerweile muss es etwa sieben Jahre her sein, dass ich Einsprache gegen die Forderung für Militärpflichtersatz erhoben habe.
Meiner bescheidenen Meinung nach, besteht kein Anspruch auf eine Ersatzleistung meinerseits, wenn ich gar nicht verpflichtet werde, meine Leistung im Militär zu erfüllen. Aufgrund meiner Diabeteserkrankung gelte ich von vornherein als untauglich. Dieser Entscheid gründe darin, dass es für das Militär zu umständlich wäre, spezielle Diätkost für Zuckerkranke zu kochen. Eine veraltete Meinung, denn mit den heutigen Behandlungsmethoden isst ein Diabetiker fast alles. Auf in Zuckersirup getränkte Schokopralinen sollte jedoch schon verzichtet werden.
Im vergangenen Jahr erhielt ich überraschend Post vom Amt für Bevölkerungsverarsche und Armee. Wir schreiben das Jahr 2006 und man teilte mir mit, dass mein Einspruch aus dem Jahr 2000 abgelehnt wurde. Ich konnte mich nicht mal mehr an meinen schriftlichen Einspruch erinnern! Wahrscheinlich wurden die Beamten die vergangen sechs Jahre eingehend geschult, damit sie in der Lage waren, mit wenigen Klicks einen solchen Standardbrief am PC ausdrucken. Speditives Arbeiten ist auch auf bundesamtlicher Ebene sehr wichtig. Darum hatte ich wohl auch nur 45 Tage Zeit um die vergangenen Jahre nachzuzahlen.
Amtliche Verwirrungstaktik Meinem Unmut machte ich mit einem Mail an Bundesrat Sämi Schmid Luft. Ich wies darauf hin, dass ich als offenbar minderwertiges Mitglied unserer Gesellschaft durchaus in der Lage wäre, pro Jahr 3 Wochen WK in einer Beiz zu verbringen. Schliesslich war ich gut genug für den Zivilschutz, der mich nie aufbot und biete nun seit einigen Jahren in der Feuerwehr meinen Dienst an der Öffentlichkeit. Umgehend erhielt ich eine Antwort. Mein Mail wurde ans Finanzdepartement weitergeleitet, da das Militär nichts mit Militärpflichtersatz am Hut hat. Klar, hätte ich wissen müssen. Dort wiederum wurde mein Anliegen eingehend geprüft und ich erhielt eine Entschuldigung für die sechs Jahre dauernde Bearbeitungszeit sowie eine Empfehlung, meinen Einspruch doch weiter zu ziehen. Mein Arzt müsse mich nur zum Krüppel schreiben, dann beständen gute Chancen auf Erfolg. Lügen, um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen, gehört nicht nur in der Politik zum Alltag.
Schwarzer Peter für Fortgeschrittene Kurz darauf erreichten mich zwei weitere Pflichtersatzrechnungen. Mein Glaube an Gerech-tigkeit erlosch endgültig und ich beugte mich dem bundesamtlichen Ratschlag. Mein Arzt erfüllte seine Pflicht und nach einigen Monaten wurde ein Entscheid gefällt. Einspruch abgelehnt! Ich nutzte meine Möglichkeit, erneut Einspruch zu erheben und erfuhr innert weniger Tage, dass das Amt für Bevölkerungsabzocke und Armee keinen Einfluss auf meine Situation nehmen kann, da nur die Weisungen des Militärs befolgt werden. Da ich vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport allerdings schon wusste, dass dort ebenfalls niemand verantwortlich ist, erhob ich also erneut Einspruch und teilte mit, dass mich folglich die ganze Sache auch nicht betreffe. Wiederum dauerte es nur ein paar Tage und ich hatte schon wieder Post im Haus. Nach sieben Jahren stellten die netten Herren nun aber fest, dass dies gar nicht in ihre Zuständigkeit falle. Man leite das ganze an die Steuerbeamten weiter. Doch Achtung, das sind Profis! Die spielen Schwarzer Peter nur gegen bares. Spielverderber!
Man sieht, der Steuerzahler ist nichts wert und der Staat geniesst seine Unantastbarkeit. Wenigstens wurde mit dem letzten Brief mein Spartip befolgt. Ein Brief muss ja nicht immer Eingeschrieben sein. Normale Post tut’s auch und kostet 4 Franken weniger. Nun gut, hätte ich einen Goldesel im Nacken, wie Vater Staat, würde ich meinen Einspruch natürlich erneut weiterziehen aber unser einer muss ja fürs Geld arbeiten.
Gezeichnet
Ein müder Don Palman Quijote