Wenn Monopolisten sich das Jawort geben
Text: Otto Sugus
Datum: 22.06.2003 Aufrufe: 1598 Verschickt: 1
In trauter Zweisamkeit zerstören die grossen Zwei nun freudig kreative Ideen, innovative Entwicklungen und individuelle Errungenschaften, nachdem sie sich jahrelang selber versuchten mit lustigen Tricks unter der Kartell-Gürtellinie den Garaus zu machen.
Man kennt die tragikomische Geschichte von Netscape. Das Pionierunternehmen das in grauer Vorzeit, als klein Bill noch in seine billigen Pampers schiss und sich die Börsianer noch die Münder mit Worten wie E-commerce oder Dot-Com-Business schaumig laberten, den gesamten Webbrowsermarkt in der Hand hatte. Her Gates war damals so töricht wie ein Tor (engl. gate) und versäumte es dem Internet genügend Anerkennung und Wachstumspotential zuzuzollen. Und so kam es wie es kommen musste: der dem
Think Big-Kredo verfallene Zwerg - zuweilen im Standbymodus - im Kopf vom Chef der inzwischen weltweit um sich greifenden Krankheit MS (nicht zu verwechseln mit Multipler Sklerose!), versetzte dem Hypothalamus seines Wirts einen sanften Klaps und schon liess dieser seine Helfershelfer ausschwärmen, um Netscape mit allen Mitteln zur Strecke zu bringen. Binnen zweier Jahre hatte der
Zwischennetzerkunder(IE) die Marktführerschaft übernommen, und das unter Verwendung von Methoden, die Netscape an den Rand des Ruins brachten und MS in einem langen, quälenden Kartellprozess vor Gericht.
Nachdem das Gericht versuchte den einfältigen, trägen Giganten MS in viele kleine Microsöftelchen zu verwandeln, gelobte Bill Gates Läuterung und künftig ewig freundliches Wohlverhalten, kam mit einem Tadel davon und macht seitdem fröhlich weiter - im neuen, freundlicheren Stil, versteht sich und der sieht wie folgt aus
Der letzte noch gerichtsanhängige Streit endete vor wenigen Tagen in einem Vergleich:
AOL , seit 1998 Besitzer von Netscape und ein weiters Beispiel für Hyper-Magno-Fusio-Management, einigte sich mit Microsoft in allen noch strittigen Punkten, kassierte 750 Millionen Dollar dafür und setzte - als kleine Gegenleistung - eine Unterschrift unter einen Vertrag, der mittelfristig einigen Microsoft-Konkurrenten das Leben erschweren und vielleicht gar den goldenen Schuss geben wird. Im Visier stehen unter anderem Namen wie Netscape (!) und Real & Co, die nun durch die blühende Monokultur dieser zwei gewordenen Kumpels, langsam aber sicher zur Schnecke gemacht werden.
Wer kann den tollwütigen Stier MS und den ihn reitenden Cowboy Billy jetzt noch stoppen?
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