VBZ - Trojanisches Pferd?
Text: Pino Loricato
Datum: 17.01.2006 Aufrufe: 2161 Verschickt: 3
Schon seit einiger Zeit wirbt die VBZ im Tram wieder einmal für sich selbst. Heute analysieren wir das Plakat mit dem trojanischen Pferd und hinterfragen den Zusammenhang mit dem Slogan. Die VBZ-Werber leben in diesem Beispiel nämlich einen Sauglattismus aus, der die griechische Sage total verklärt. Umsteigen lohnt sich.
Das Plakat Auf schwarzem Hintergrund steht ein goldenes trojanisches Pferd mit einsteigenden griechischen Soldaten. Darunter hängt der Zürich-blaue Balken mit weisser Schrift: „Es war schon immer etwas schlauer, in grossen Vehikeln zur Arbeit zu fahren.“ Unten rechts das Logo VBZ Zürilinie und der Spruch:
Umsteigen lohnt sich.
Kritik zum Slogan Nehmen wir mal an, dieser Satz steht für sich allein. Was kommt uns da in den Sinn? Richtig, das ist der perfekte Spruch für Leute, die mit dem Offroader zur Arbeit fahren. Natürlich ist es nicht schlau, weil der Offroader die Umwelt belastet und es schwerer hat, einen Parkplatz zu finden.
Kritik zur Grafik Das Bild ist eigentlich ganz gut gezeichnet. Von dem trojanischen Pferd existieren diverse Darstellungen, diese hier ist ziemlich gelungen, sehr hübsch, sie könnte von McDonalds sein für die „Herkules-Wochen“ oder so. Jedenfalls wurde der Stil von
griechischen Keramiken imitiert. Die griechischen Soldaten sind alle gut gebaut, bewaffnet und steigen in den Bauch des Pferdes ein. Warum tun die das?
Geschichte Für die, welche den Film Troy mit Brad Pitt nicht gesehen haben, nochmals die Zusammenfassung dieser Sage: Die Griechen belagerten Troja und führten Krieg gegen diese Stadt wegen einer Frau, Helena, zehn Jahre lang. Brachte alles nichts. Doch Brat Pitt und Odysseus bauten ein hölzernes Pferd, stiegen mit ein paar Sandalen-Helden da rein und fuhren damit vor das trojanische Stadttor. Die Trojaner glaubten an ein Geschenk der Götter und zogen das
Riesending in ihre Stadt hinein. Sie glaubten an das Ende des Krieges und feierten die ganze Nacht. Am nächsten Morgen, als alle Trojaner verkatert im Bett und auf den Strassen herumlagen, stiegen die Griechen aus dem hölzernen Pferd aus, öffneten die Stadttore und liessen die ganze griechische Sandalen-Armee rein. Troja wurde verwüstet und aus den Zivilisten wurde Souvlaki gemacht.
Das Tram als trojanisches Pferd? Jetzt wo wir uns diese nette Geschichte nochmals vor Augen geführt haben, stimmt der Vergleich noch? Am frühen Morgen gleicht das Tram einem Sklavenschiff, und am Feierabend im Stossverkehr einer Flüchtlingsfähre. Auch fuhren die Griechen nicht mit hölzernen Pferden zur Arbeit. Was aber könnte man mit einem trojanischen Pferd denn heute noch vergleichen? Ein ganz gewöhnlicher Regionalzug voll gespickt mit FC Basel-Fans, der an Altstetten problemlos vorbeifährt trifft es schon eher.
Fazit Der Vergleich der VBZ mit dem trojanischen Pferd hinkt, ist bucklig und hat grüne Pickel. Das Tram ist klein, dafür gibt es viele davon. Und zusammen gedrängt mit anderen griechischen Soldaten, pardon, älteren Leuten, müffelnden Pennern, schreienden Kindern und hustenden Grippe-erkrankten sich vorwärts zu bewegen hat nichts von einer kriegerischen Romantik. Man fühlt sich dabei weder schlau noch siegreich, man hofft, möglichst unbesabbert und gesund zu Hause anzukommen. Als nächstes werden sich die VBZ wahrscheinlich mit
Hannibals Elefanten vergleichen.