TV-Ratespiele, Brüste und Bargeld
Text: Pino Loricato
Datum: 16.02.2007 Aufrufe: 2668 Verschickt: 1
Jüngst zappten wir durchs mitternächtliche Fernsehprogramm und staunten nicht schlecht, als wir auf dem DSF ein simples TV-Ratespiel entdeckten, das von einer Frau moderiert wird mit grossen, entblössten Brüsten. Warum denn das? Das ist neu. Wer wohl die Leute sind, die dort anrufen? Wir versuchen diese Frage zu beantworten.
Die herkömmlichen Ratespiele beruhen auf demselben Prinzip: Einfaches Rätsel, hübsche Moderatorin, keine Anrufer. So meint der dumme Zuschauer, er sei allein der Gewinner und wählt die Nummer, bleibt dann aber in der Leitung hängen und zahlt pro Minute einen hübschen Batzen für nichts (Lismal berichtete: Mitmachfernsehen vom Feinsten, Autor: Lingus Khan)
Neuerungen im Business Da aber in der TV-Abzockerbranche der Rätselspiele, Klingeltonverkäufer und Telefonsexwerbungen der Konkurrenzkampf immer härter wird, müssen sich die Rätselfreunde etwas Neues einfallen lassen. Oder einfach zwei stilistische Neuerungen bringen: Grosse Brüste und viel Bargeld zur
Schau stellen. Das reicht, das wirkt.
Gedanken zum Spiel Standardmässig muntert uns Busenwunder Yvonne dazu auf, anzurufen und mitzumachen. Sie bettelt und fleht, es sei ja soviel Geld, 10’500€ hey, warum denn niemand anrufe. Worauf wir denn bloss warteten? Hm. Gesucht wird eine Automarke mit dem Buchstaben «A». Als erstes kommt einem «Audi» in den Sinn. Auf ihrer weissen, mit 500€-Noten bestückten Tafel steht mit schwarzem Filzstift «Lada» geschrieben, die russische Automarke. Der Anfangsbuchstabe ist aber «L». Weiter unten in einem blauen Balken steht die Hilfe. «Tipp: M...» was heisst, dass der Anfangsbuchstabe ein «M» sein soll. Der Buchstabe «A» soll lediglich im Namen vorkommen. Also ist «Mazda» oder «Maserati» das gesuchte Wort. Das Busenwunder rudert mit den
Armen und fleht um Anrufe. Natürlich kommt mal irgendeiner durch, (wahrscheinlich der Regisseur selbst) der ganz schnell etwas Unverständliches, Falsches sagt. Schade, meint sie und das Spiel geht weiter mit 11’000. Wir haben uns genug amüsiert und schalten um.
Fragen und Reflexionen Diese Abzocker-Spiele gibt es schon seit Jahren und immer noch müssen wohl Millionen darauf hereinfallen, damit es sich lohnt derartigen Mist am Fernseher laufen zu lassen. Wie kann man diese arme und dumme Zielgruppe heilen, dagegen immun machen? Wer sind eigentlich diese Anrufer? Wir wiederholen das Konzept: Grosse Brüste und viel Bargeld. Das trifft den Geschmack ungebildeter, schlecht verdienender oder arbeitslosen Männern, die von grossen Titten und schnellem Reichtum träumen.
Oder sind es doch vielleicht dieselben Jugendlichen, die schon Klingelton-Abonnemente lösen, Funny Games und Funny Movies für je 3 Franken aufs Handy laden und sich beim MusicStar-SMS-Voting verschulden? Würde es vielleicht helfen, wenn man in der Schule eigens dafür ein Fach einrichten würde, das ihnen etwas Schlauheit unterrichtet, sie auf das Leben vorbereitet, da der heutige Alltag so voll ist mit legaler Abzockerei? Kann man Schlauheit überhaupt unterrichten? Man müsste es können, da die Eltern diesbezüglich ausgedient haben. Schliesslich sind es die Alten, die mit den überholten Werten wie Ehrlichkeit und Gehorsam grossgezogen wurden, die am wenigsten mit der aktuellen Situation klar kommen.
Es sind vor allem Erwachsene, die überteuerte Lederjacken und gefälschte Perserteppiche von dubiosen Hausierern abkaufen. Es sind Erwachsene, die einem afrikanischen Magier ihre Tausendernoten anvertrauen, damit er sie durch ein magisches Ritual multipliziert... und damit abhaut. Es sind Erwachsene, die irgendwelche Zeugen Jehovas oder Cablecom-Berater in ihr Haus einlassen und deren Verträge unterschreiben, die jahrelang in der Lotterie verlieren und abends das Busenwunder auf dem DSF anrufen um ein paar Euro los zu werden, ohne auch nur eine einzige Chance zu bekommen.
Schlusswort In dieser Sache ist Aufklärung bitter nötig. War es früher Mut, den man brauchte, um sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, so ist es heute vielmehr der Wille, es zu tun. Jedoch wollen die meisten Menschen pausenlos Unterhaltung, Geld, Sex, Rauschzustand. Sie kriechen auf allen Vieren und buddeln nach ihren Begierden, schnüffeln danach und nuckeln daran, wenn sie etwas finden, das auch nur ein bisschen nach dem riecht, was sie suchen. Sie fressen einen Haufen Dreck, der eigens für sie hergestellt wird, jeden Tag.
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