The Strokes «Room On Fire»
Text: Jürgen Brandstifter
Datum: 24.10.2003 Aufrufe: 1532 Verschickt: 15
Seit ihrem Debut«Is This It?»werden die New Yorker von der Musikpresse als Retter des Rock'n'Rolls gelobt und sind in England zu Superstars avanciert. Jetzt ist ihr zweites Album, «Room On Fire», erschienen. Und das klingt nach wie vor schwer nach Rock'n'Roll der ganz alten Schule.
Bei uns sind die Strokes noch weitgehend unbekannt. Das, obwohl die Band im vergangenen Jahr mit ihrem Debutalbum einen echten Hype ausgelösst hat und eine ganze Reihe sogenannter "The-Bands" nach sich gezogen hat: «The White Stripes», «The Vines», «The Hives», und wie sie alle heissen, machen Rock der alten Schule: dreckig, roh und ohne Schnick-Schnack.
"Room On Fire" klingt natürlich weitgehend gleich wie «Is This It?». Aber schliesslich darf man von einer Retro-Band nicht unbedingt viele Inovationen erwarten. Stattdessen spielen die Strokes während gerade mal einer halben Stunde simplen Garagen-Rock. Das Mikrophon ist stets etwas übersteuert, es scheppert und rumpelt.
Die Strokes wiederstehen das ganze Album über der Versuchung, ihren Sound technisch aufzumotzen, die Gitarren auf Überbreite aufzublasen, oder das Album sonstwie überzuproduzieren. Und das gibt der CD den Charme einer LP, die man soeben in Papis Plattenkiste gefunden hat.
Natürlich sind die Strokes weit davon entfernt, virtuose Musiker zu sein. Stattdessen schrummeln sie eingängige Riffs und melodiöse Basslines. Darüber nölt Sänger Julian Casablancas seine Texte, emotional irgendwo zwischen gelangweilt und angepisst ausharrend. Zwar findet man mal dezente Reggae-Einflüsse («Between Love And Hate») und Heavy-Riffs («The End Has No End»), ansonsten sucht man aber vergeblich nach einem Stilwechsel.
Und das ist durchaus positiv zu verstehen. Denn das Album strahlt mehr Wärme und vor allem Leichtigkeit aus, als das man es nach einer von Erwartungsdruck und Selbstzweifeln geprägten Aufnahme-Session erwarten würde. «Room On Fire» ist sicherlich kein Meilenstein, aber ein äusserst charmanter Lichtblick in einer Welt, wo vor allem Nu-Metal-Bands die Vorstellung dessen, was Rock sein soll, prägen.
«Room On Fire» kann bei BBC Radio 1 gehört werden. offizielle Homepage