The Streets: «A Grand Don't Come For Free»
Text: Jürgen Brandstifter
Datum: 18.05.2004 Aufrufe: 1466 Verschickt: 0
«A Grand Don’t Come For Free» nennt sich das zweite Album von The Streets, das dieser Tage erschienen ist. Darauf beschreibt Mike Skinner erneut äusserst authentisch den Alltag eines englischen Vorstädters. Und er macht das ziemlich clever.
Mike Skinner kann nicht singen und kann nicht rappen. Deshalb hat er für sein Projekt "The Streets" kurzerhand eine ganz eigenwillige Form des Sprechgesangs entwickelt. Sein erstes Album «Original Pirate Material», ein Bastard aus Garage und Hip-Hop, hat diesen bereits weit über die Insel hinaus bekannt gemacht. Das Album hat "The Streets" (man lasse sich vom Namen nicht täuschen, es handelt sich hierbei um ein Ein-Mann-Projekt) alleine im eigenen Schlafzimmer produziert und irgendwie klang es auch so. Dafür schaffte Skinner ein plakatives Porträt eines typischen englischen Jugendlichen, dessen Interesse sich aufs Kiffen, Playstations und Frauen beschränkt.
Und genau da knüpft auch das zweite Album an: Es enthält elf (erfundene) Episoden aus Skinners eigenem Alltag, die sich bei genauerem Hinhören geschickt zu einem Ganzen zusammenfügen. Der Titel «A Grand Don’t Come For Free» bildet dabei die thematische Klammer, die die gesamte Handlung umschliesst: Im Opener «It Was Supposed To Be So Easy» verliert er unter anderem die titelgebenden 1000£, was im Verlauf des Albums immer wieder zum Thema wird. Im letzten Track «Empty Cans» darf der Zuhörer dann wählen, wie die Geschichte ausgehen soll. Skinner bietet nämlich zwei Auflösungen an: Entweder er verprügelt den Fernsehtechniker und wird dabei um seine 1000£ bestohlen, oder er lässt sich seinen Fernseher von einem Freund reparieren und findet dabei das Geld wieder. Der Leser sieht: ein echtes Dilemma wie es sie in Skinners Alltag zuhauf gibt.
Dazwischen verbinden sich die einzelnen Tracks lose zu einem Handlungsstrang, in dem Skinner seinen Gewohnheiten nachgeht und eine Freundin findet und wieder verliert. Einer der Höhepunkte darin ist der Track «Blinded By The Lights», eine Lobeshymne auf Ectasy, dessen Handlung kurz zusammengefasst etwa so verläuft: schlechte Party -> Ectasy -> tolle Party. Der andere Höhepunkt ist sicherlich die Single «Fit But You Know It» mit ihrem lockeren Gitarrenriff.
Musikalisch mutet auch dieses Album, wie bereits sein Vorgänger, stellenweise geradezu dilettantisch an: Die Songs sind äusserts einfach gestrickt und sehr repetitiv. Die minimalistischen Garage-Sounds wirken natürlich nicht mehr so frisch wie auf dem Debut, aber durch einige Pop-Anleihen ist das ganze immer noch interessant. Was aber den Reiz des Albums ausmacht, ist vielmehr Skinners Sprache. Er sprechsingt recht clever mit einem herrlichen englischen Akzent. Ein sehr unterhaltsames Album also, alles in allem. Wer sich ein Bild davon machen will, kann das
hier tun.
The fucked up world of mikeeestreets