The Hulk
Text: Nemo
Datum: 29.07.2003 Aufrufe: 1459 Verschickt: 1
Was passiert, wenn sich der Regisseur Ang Lee (
«Crouching Tiger, Hidden Dragon») daran macht, einen Comic zu verfilmen? Dafür ein gewaltiges Budget zur Verfügung gestellt bekommt? Und dabei noch die Absicht hat, sein Werk mit psychologischen Aspekten zu unterlegen?
Es entsteht ein Film, der zwar unterhaltsam ist, aber dennoch nicht ganz zu überzeugen vermag.
Kleine Lektion in Biochemie Die Geschichte ist einfach, wird aber trotzdem unglaublich kompliziert aufgezogen:
Der Vater (
Nick Nolte) war schrulliger Wissenschaftler auf einer Militärbasis, und verursacht absichtlich einen Strahlenunfall. Vererbt seine mutierten Gene seinem Sohn Bruce (
Eric Bana). Flüchtet dann jedoch, als sein Geheimlabor in der Wüste in die Luft fliegt, und taucht unter. Der Sohn wird ebenfalls Biowissenschaftler, experimentiert auch mit grünen Nanomeds, Gammastrahlung und explodierenden Fröschen. Naher Apfelstammfall halt.
Jedenfalls führen diese widrigen Umstände dazu, dass sich der ruhige und überlegte Wissenschaftler Bruce fortan bei Wutanfällen in ein grosses, grünes Monster verwandelt, welches seiner Aggression freien Lauf lässt, und animalische Trümmerorgien veranstaltet.
Und hier entfaltet der Film auch seine stärksten Momente: Etwa wenn der Hulk ein Labor bis auf die Grundmauern niederreisst, oder Panzer und Helikopter beliebig durch die Luft schleudert. Beim Zuschauen dieser fanatischen, beinahe kindischen Zerstörungswut kommt unverhohlene Freude auf.
Übrigens ist dies einer der wenigen Filme, bei dem die beschädigten Fahrzeuge und Helikopter nicht explodieren, sondern einfach zerbeult liegenbleiben - eine ungewöhnliche Erfahrung im Actionkino.
Faszinierend auch die Optik: Getreu seinem Comic - Vorbild schneidet Ang Lee manchmal mehrere kleine Bilder in ein grosses Hauptbild. Dieses
split screening ist zunächst gewöhnungsbedürftig, hat aber den Effekt, dass der Zuschauer eine Handlung aus mehreren Perspektiven mitverfolgen kann. Überhaupt zählt die Bildsprache zu den Stärken des Films (wenn sie auch deutlich konventioneller ausfällt, als dies beispielsweise noch in
"Crouching Tiger, Hidden Dragon" der Fall gewesen ist).
Kleine Lektion in Psychologie Daneben versucht Lee auch noch, die psychologische Komponente eines Vater - Sohn Konfliktes in den Film einzubauen. Dieses Unterfangen missglückt, da der Vater als abgrundtief bösartiger Wissenschaftler gezeigt wird. Das lässt wenig Raum für subtile psychologische Momente.
Eine weitere Schwäche des Films ist seine Beliebigkeit. So kämpft der Hulk während etwa zehn Minuten mit ebenfalls mutierten, riesigen Hunden. Etwas öd mutet dieser Kampf daher an, da beide Gegner ohnehin kaum sterben können, es entsteht ein langatmiges Gerammel.
Etwas zu krampfhaft versucht der Regisseur, die Mutation zum Hulk zu erklären. Alle herbeigezogenenen unterdrückten Traumata, Namomeds und Gammastrahlen erklären die Verwandlung eines Menschen zu einem drei Meter hohen, grünen Monster nun mal nicht schlüssig. Aber dies erwartet ja auch niemand, wozu also die ganze Mühe?
Fazit: Hulk ist sicherlich ein untypischer Actionfilm, zu sehr konzentriert sich der Regisseur auf die psychologischen und dramatischen Aspekte. Die Bilder sind durchaus sehenswert, die Geschichte an sich finde ich nicht sonderlich originell.
Der Film fällt in die Kategorie
«Gute Unterhaltung» - nicht mehr und auch nicht weniger.