Starbucks
Text: Hubert Weiss
Datum: 06.03.2005 Aufrufe: 1977 Verschickt: 0
Jeder kennt das Kaffeehaus mit dem sympathischen Hippie-Touch. Der Name Starbucks wurde von einer Figur aus dem Roman Moby Dick übernommen. So wie der Wal in der Geschichte, taucht oft unerwartet eine neue Starbucks Filiale auf. Harpunieren ist in diesem Fall kontraproduktiv. Nach einer Phase des Aufstandes erfolgt meistens die Assimilierung.
Die Geschichte Geschichten sind schön. Noch schöner sind Erfolgsgeschichten. Die Chronik der Entstehung liest sich etwa gleich, wie die von Burger King (diejenige, die auf dem Tablettpapier aufgedruckt ist und man jeweils nur bis zur Hälfte lesen kann, weil das tropfende Fett des Burgers den Rest bis zur Unkenntlichkeit entstellt). Kurz zusammengefasst bedeutet dies: kleine Filiale, allgemeine Vision, visionärer Manager (Howard Schultz), Konzeptklau in Milan usw. Die genaue Geschichte können Sie im Buch
«Pour Your Heart Into It» nachlesen und nicht hier.
Starbucks Starbucks ist natürlich politisch korrekt. Keine enteigneten Kühe oder gemästeten Eingeborenen, wie bei Fastfoodketten üblich, sondern glückliche Kaffeebauern und Studenten bilden das Rückgrat. Sogar in
Afghanistan existiert eine Filiale, allerdings arbeiten dort zu meiner Verwunderung keine
Koranstudenten (Taliban). Nebenbei hilft Starbucks auch der Umwelt und der Menschheit im Allgemeinen. Auszug aus der Webseite: «Einfach in den bequemen Sesseln entspannen oder dort die Mittagspause verbringen, sich nachmittags bei Starbucks mit Freunden treffen, E-Mails checken, in einer Zeitung blättern oder das Geschehen im Coffee House beobachten und der leisen Jazz-Musik im Hintergrund lauschen.»
Ich schätze also, dass man anschliessend an eine Irakkriegsdemo oder wieder an die Kanti zurückgeht um sich mit der wiedergewonnenen Lebensenergie den Problemen der Welt zu stellen. Nicht so recht in das saubere Image passt allerdings dieser
DVD. Der Starbucks Stereotyp ist also ein involviertes Individuum unserer Gesellschaft, Sprachrohr der Marginalisierten mit infantilen sexuellen Fantasien. Bevor dieser Text aber endgültig wie ein Erzeugnis von Klaus J. Stöhlker klingt, widmen wir uns dem...
Kaffeeanbau Ein Grossteil des Kaffees wird in
Südamerika produziert. Unverwechselbare Sorten, wie die rote FARC oder die braune AUC Bohne, liefern die Grundlage für den kreativen Kaffeegenuss. Der Kaffeeanbau wird oftmals mit der lokalen Regierung koordiniert. Sorgfältig werden die Bohnen
verpackt und sortiert - schon in diesem frühen Stadium entscheidet sich, für welches Produkt eine Bohne verwendet wird. Damit Sie nicht lange auf Ihren Frappuchino warten müssen, erfolgen die Lieferungen in
Schnellbooten. Wie viele Filialen sind zuviel? Ironischerweise ist Kannibalismus das Erfolgsrezept von Starbucks. Öffnet eine neue Filiale neben einer bestehenden, so sinkt der Umsatz kurzzeitig in der alten. Nach etwa einem Jahr erholt er sich wieder. Das ist immer noch besser als wenn sie Umsatz an einen Konkurrenten abgeben müssten und längerfristig wird immer mehr konsumiert. Eines Tages sind wir dann alle assimiliert.
Die Konsumenten Die Konsumenten in der ganzen Welt können dank Starbucks sterile Kaffeekultur auf höchstem Niveau erleben. Erste Studien schlagen aber Alarm. Anscheinend soll der übermässige Kaffeekonsum
Oligophrenie fördern. Dieser
Abhängige äussert Bedenken, dass er bei der aktuellen Öffnungsrate von Starbucks Filialen nicht mithalten könne. Diese und andere Ereignisse führten dazu, dass in Zürich beschlossen wurde, die kontrollierte Kaffeeabgabe an Schwerstsüchtige weiterzuführen.
Links:
Seite mit kreativen Ideen für einen lustigen Nachmittag in einer Starbucksfiliale
Starbucks-Klon, wird wohl bald über Zürich herfallen
Interessanter Artikel der Washington Post