Schlau werden mit Lismal: Dumme Völker
Text: Nemo
Datum: 14.12.2003 Aufrufe: 1609 Verschickt: 1
Um dem kalten Winter zu entrinnen, lädt sie Lismal auf einen historischen Ausflug in den Pazifik ein: Auf die Osterinsel.
Diese wurde einst vom dummen Volk nach langer Schiffahrt entdeckt. Die Seen waren fischreich und die Wälder grün. Das dumme Volk beschloss, dort zu siedeln. Und es war glücklich und vermehrte sich.
Und die Nachkommen des dummen Volkes wollten gar nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Und irgendwann vergassen sie sogar, dass es jemals eine Heimat gegeben hatte. Nun glaubte das dumme Volk, es wäre allein auf der Welt und es gäbe bloss seine kleine Insel.
Doch auch wenn die Inselbewohner in dieser Hinsicht etwas vergesslich waren, so kann man ihnen eine gewisse Intelligenz nicht absprechen: Sie verfügten über eine Keilschrift, konnten Schiffe bauen und sogar astronomische Berechnungen durchführen.
Und da sie sonst auf der Insel wenig zu tun hatten, kamen die Einwohner eines Tages auf die Idee, lustige Statuen in Stein zu meisseln und aufzustellen. «Vollbeschäftigung» nannte man das wohl damals. Und man glaubte, dass die Statuen der Insel Segen spendeten.
Taten sie leider nicht. Denn um jedes der 50 Tonnen Ungetüme zu transportieren, holzten die Insulaner Unmengen von Urwald ab, um so Holzschienen zu legen. Und je schlechter es ihnen ging, desto mehr Statuen bauten sie, um die Götter gnädig zu stimmen.
Die Steinstatuen liessen sich vom Arbeitseifer des dummen Volkes jedoch herzlich wenig beeindrucken. Da es dem dummen Volk nun immer schlechter erging, baute es immer grössere Statuen. Die grössten - an die dreissig Meter hoch - liegen noch heute unvollendet im Steinbruch des dummen Volkes.
So beschleunigte das dumme Volk seinen Niedergang sogar noch selber. Doch immerhin hatte das dumme Volk nun etwas zu tun. So konnte es sich durch die kolossale Arbeit, Statuen zu meisseln, von den sonstigen Problemen ablenken.
Trotzdem fehlte irgendwann das Holz, um Schiffe zu bauen und Fische zu fangen. Irgendwann merkte das dumme Volk dann doch, dass ihm die Statuen nichts nützten. Also zertrümmerte es zunächst die Statuen, und danach seine Herrscher.
Als auch dies nicht gegen den Hunger half, verspeisten sich die Insulaner zu Beginn des 16. Jahrhunderts gegenseitig.
Die Glücklichen, die gesättigt und gestärkt überlebten, wurden wenig später von den Spaniern, welche nun das dumme Volk entdeckten, versklavt.
Zum Totlachen, nicht? Es gibt übrigens ein weiteres dummes Volk, das lebt auf einer kleinen blauen Kugel. Auch dieses Volk ist glücklich und zufrieden. Denn es baut gemeinsam an einer grossen, unsichtbaren Statue. Es ist zwar nur eine. Aber auch sie besitzt Wunderkräfte: Denn sie kann unendlich wachsen - und dies, obwohl sie auf einer endlichen Kugel steht! Ausserdem bringt diese Statue dem dummen Volk unendlichen Wohlstand.
«Wirtschaftswachstum» nennt dieses dumme Volk seine Statue.
Lismal wünscht einen wunderschönen Advent und viel Spass beim Geschenkkauf! Links zum Artikel