Resident Evil: Apocalypse
Text: Jürgen Brandstifter
Datum: 11.10.2004 Aufrufe: 1536 Verschickt: 0
Gleich vorweg: Die Fortsetzung von Resident Evil ist ein ganz furchtbar debiler Film geworden. Bei einem solchen Dummbolzen von einem Film machen wir uns natürlich gar nicht erst die Mühe, objektiv zu berichten. Stattdessen wollen wir anhand dieses Werkes lernen, worauf man bei der Produktion eines Hollywood-Films unbedingt achten sollte.
Wir erinnern uns kurz an den ersten Teil der Computerspiel-Verfilmung: Böse Zombies, schöne Frauen und grosskalibrige Waffen. So weit, so gut. Natürlich war das, wie jeder andere Zombiefilm auch, weder besonders originell noch ausserordentlich clever. Aber da drücken wir schon auch mal ein paar Augen zu, so sind wir ja nun auch wieder nicht.
Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Der zweite Teil ist ein gänzlich humor- und hirnfreies Actionungetüm, bei dem an allen Ecken und Enden das Testosteron raustropft. Die Handlung ist ebenso wirr wie schnell erzählt: Eine böse Firma besitzt eine eigene Stadt und baut dort Biowaffen. Oder So. Sie lässt ein Virus entweichen, das Menschen zu Zombies macht und stellt die Stadt unter Quarantäne, worauf alle sterben. Anschliessend viele Kämpfe, unmoralische Experimente an Menschen, Monster, Übermenschen, Ratatata und Päng, es macht so vieles keinen Sinn.
Aber das ist alles nicht weiter schlimm, der Zuschauer muss ja auch nicht immer alles verstehen. Schliesslich kennt man in Hollywood die zwei wichtigsten Regeln des menschlichen Funktionierens:
1. Der Zuschauer ist doof Deshalb erklärt man dann die wenigen Wendungen, die für das grundsätzliche Verstehen des Filmes unverzichtbar sind, mehrmals und gaaanz langsam. Damit der Zuschauer sich nicht allzu dumm fühlt, streut man hie und da ein paar Winke mit grossen Zaunpfählen aus. Man zeigt z.B. ein Monster und dann ein paar Mal in Grossaufnahme eine spitze Metallstange. Der Zuschauer ist dann zufrieden und stolz, weil er ja schon vorher gewusst hat, was kommt ("Ichhabsjagleichgewusst"). Dass der Zuschauer aber vielleicht nicht ganz alles versteht, ist nicht weiter schlimm, weil der Plot dann auch nicht mehr unbedingt aufgehen muss. Ein paar vage Anhaltspunkte zum Schluss (Verschwörung auf höchster Ebene! Hoho, Gesellschaftskritik!) reichen dann völlig aus, um dem Publikum das Gefühl zu geben, das gehe schon irgendwie auf.
2. Der Zuschauer langweilt sich furchtbar schnell Deshalb muss man ihm auch was bieten. Ununterbrochen. Darum sollte in jeder Szene etwas gesprengt/verprügelt/erschossen/verstümmelt werden. Wenn gerade nichts gesprengt/verprügelt/erschossen/verstümmelt wird, kann man auch einfach mal etwas mit der Kamera wackeln, das ist dann auch billiger. Zusätzlich sollte alle 15 Minuten ein neues (computeranimiertes!) Monster auftauchen. Das hat Pep.
Kommen wir nun zu den verschiedenen Arten von Menschen, die es im Film so gibt. Zuerst die
Frau. Da hat sich natürlich ganz viel getan in den letzten Jahren. Heute kann eine Frau zum Beispiel auch mal die Heldin des Filmes sein und Zombies verkloppen. Das macht die Frau dann natürlich vorzugsweise in Minirock und Netzhemd. Weil das so praktisch ist. Die weibliche Hauptdarstellerin muss sich dieser übermässigen Bekleidung aber früher oder später sowieso entledigen. Ein gewiefter Drehbuchautor findet dafür immer einen mehr ("Deep Blue Sea"¹) oder weniger ("Resident Evil: Apocalypse"²) cleveren Grund.
Überhaupt stellt die Frau einen wichtigen Faktor bei der Gewinnung des (männlichen) Zuschauers dar ("Ficken!"), während der
Mann den Zuschauer eher durch klassisch Werte für sich gewinnt (Gewalt/Gadgets/gute Sprüche). Männer mit Muskeln sind meist vertrauenswürdig, blonde Teutonen sind die Ausgeburt des Bösen und töten Kinder zum Spass (Töten zum Spass ist schon OK. Aber doch nicht Kinder!).
Wie bei der Frau wurde auch die Rolle des
Afroamerikaners stark modernisiert. Wenn beispielsweise Samuel L. Jackson, Morgan Freeman oder Denzel Washington zur Verfügung steht, kann der Held durchaus auch mal schwarz sein. Das ist hier nicht der Fall, deshalb ist der Schwarze in "Resident Evil" eher doof, hat aber das Herz am rechten Fleck. Aber heutzutage darf der Neger -äh- Afroamerikaner auch gerne mal seine Baumwollplantage verlassen und einen anderen niederen Beruf -z.B. Zuhälter, Küchenhilfe oder Kleinkrimineller- übernehmen. Schwarze sagen Sachen wie "Motherfucker", das ist dann lustig.
Schliesslich bleiben noch die
Kinder. Die sind niedlich und weinerlich und haben eine fiepsige Stimme.
Sollte man sich diesen Film also ansehen? Eher nicht. Es empfiehlt sich vielmehr, sich stattdessen ein Brett auf den Kopf zu schlagen. Der Effekt ist derselbe, aber zweiteres ist günstiger und Sie haben es schneller hinter sich.
¹ Frau muss Tauchanzug ausziehen, damit sie darauf stehen und sich dadurch vor einem Stromschlag schützen kann. Sehr clever!
² Frau wird ausgezogen, damit sie anschliessend nackig ist und der Zuschauer ihre Brüste sieht. Nicht ganz so clever.