Politik ist Kinderkram
Text: Jürgen Brandstifter
Datum: 03.07.2003 Aufrufe: 2458 Verschickt: 1
Künftig sollen auch Kleinkinder bei wichtigen politischen Themen mitbestimmen - das schlägt zumindest die Kinderlobby vor. Und deckt dabei einen unhaltbaren Missstand auf: Bei politischen Entscheidungen wurde ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung bisher übergangen. Was halten Babies von Atomstrom? Wie denken Kindergärtner über den EU-Beitritt? Lismal geht diesen brennenden Fragen nach.
Die
Kinderlobby Schweiz mit Sitz in Lenzburg (ist das ganze ein weiterer Trick der Aargauer, um endgültig die Herrschaft über Zürich zu erringen?), schlägt das „Stimmrechtsalter Null“ vor. Mit der Hilfe ihrer Eltern sollen auch Kleinkinder ihrer politischen Überzeugung Ausdruck geben und mit versabberten Patschhändchen ihre schokoladeverschmierte Stimme in die Urne werfen.
Bisher stösst der Vorschlag jedoch noch auf wenig Resonanz: einzig die SVP bekundet bisher ihr Interesse und hat bereits jetzt ihr Parteiprogramm auf Kleinkinder zugeschnitten. Lernfaule Kindergärtner und Primarschüler sollen helfen, den Bildungsabbau weiter voranzutreiben. «Wenn wir die Schulen abschaffen, bleibt mehr Geld für Süssigkeiten» lautet das neue Parteimotto, das an der Vollversammlung von vergangener Woche bei Limonade und Kuchen verkündet wurde.
Unterdessen plant die SP Unmengen von Kindern zu zeugen, die dann eine neue Basis für die Partei bilden sollen. Die Eltern der Schar, die sich allesamt an der Parteispitze befinden, füllen für ihren Nachwuchs die Stimmzettel gleich selbst aus. «Nach den Wahlen verkaufen wir die Kinder dann weiter» sagte ein nicht genannt werden wollender Politiker.
Geplant ist ausserdem eine Anpassung der Zauberformel. Statt nur nach Partei und Kanton soll künftig auch nach Alter gewählt werden. Schon in der kommenden Amtsperiode soll das erste «Quotenkind», ein vierjähriger FDP – Politiker aus Graubünden, in den Bundesrat gewählt werden. Seppli, das neue Aushängeschild der Witschaftspartei, äussert bereits Ambitionen für den Posten des Aussenministers: «Dann tu ich überall hin umeflügen», brabbelt der sympathische Bundesratsanwärter.
Und während sich die anderen Parteien bereits gegen den Vorschlag rüsten, mobilisieren auch die Befürworter ihre Kräfte. Ein enormer Demonstrationszug krabbelte gestern vom Hauptbahnhof via McDonalds-Playland zum Franz Carl Weber. «Gept mier maine rechte!» oder «Strampelhöschen in den Bundesrat» ist auf riesigen Sabberlätzchen zu lesen, während 1000 von politisch unterdrückten Babiess Gerechtigkeit fordern.
Lismal ging in der Menge auf Meinungssuche:
- Kurtli, 5 Jahre: «Ich tu die Äsvaupeh wälen, weil die so ein glattes Sünneli haben.»
- Heideli, 2 Jahre: «Uiiiiiii. Pfffr, spuck, Ugiphu»
- Peterli, 8 Jahre: «Mein Mami sagt immer ich soll die Pfoten vom Stimmzettel lassen, weil Papi den ausfüllen tut.»
- Vreneli, 1 Jahr: «Die Repression des System hat lange genug gedauert. Wir fordern sofortiges Mitbestimmungsrecht oder wir treten in Streik!»