Pimp my Child
Text: Nemo
Datum: 18.01.2007 Aufrufe: 1654 Verschickt: 3
Aktuelle Ereignisse wie Mehrfachvergewaltigungen oder Amokläufe an Schulen werfen immer wieder die Frage nach der richtigen Kindererziehung auf. Im Medienrummel geht aber meist vergessen, wer denn überhaupt für die Erziehung unserer Kinder verantwortlich ist. Lismal zeigt Eltern kurz und prägnant die aktuellen Trends in der Kindererziehung.
Beispiel 1: Kevin (15) Wenn ihr Sohn mittags betrunken aus der Schule kommt, ein Bündel Bargeld bei sich trägt und Blutspuren im Gesicht hat, sollten Sie als Mutter nicht überreagieren. Bleiben sie ruhig, haben Sie Vertrauen in seine Entscheidungen: Er ist 15 und kein Kind mehr, er weiss was er tut und hat das Recht, sein Leben und das seiner Schulkameraden selbst zu gestalten. Lernen Sie ihn so zu verstehen und zu akzeptieren wie er ist. Er hat jetzt andere Bezugspersonen, die ihm sagen wo es lang geht. 50Cent zum Beispiel, oder Bam Margera oder Johnny Knoxville, die sind sowieso viel erfolgreicher als Sie selbst. Die sind Millionäre und arbeiten nicht mal so hart wie Sie, Sie Versager. Seien wir ehrlich, als dritter Aushilfsgärtner einer billigen Wohngenossenschaft oder als Kassierer bei Aldi geben Sie sowieso kein Vorbild ab. Geben Sie es zu, Sie wurden in Ihrer Karriere noch kein einziges Mal angeschossen und man hat Sie im Fernsehen noch nie beim Kotzen gesehen. Aber Sie brauchen sich deswegen keine Sorgen zu machen. Nicht jeder wurde zum Vorbild geboren und als Eltern haben Sie sowieso nur einen geringen Einfluss auf Ihr Kind. In Zeiten von Killerspielen, Musikfernsehen, Gangster-Rap und bulimischen Models haben Sie sowieso nichts zu melden. Halten Sie Ihrem Sohn keine Vorträge, denn Sie haben gar keine Message, nicht so wie 50Cent, Mann. Gehen Sie abends lieber bowlen oder in den Swingerclub, während die
trendy MTV-VJs die Erziehung Ihrer Brut übernehmen. Ihnen bleibt lediglich noch der Hoffnungsschimmer, dass Ihr Sohn Karriere als Rapper macht und Sie danach durchfüttert, weil Sie Ihre klägliche Rente im Swingerclub verjubelt haben.
Beispiel 2: Jennifer (13) Wenn Ihre Tochter wie eine Prostituierte rumläuft, sollten Sie ihr deswegen auf keinen Fall Vorwürfe machen, denn sie unterstützt damit die Volkswirtschaft:
Tangas in Kindergrösse brauchen wenig Stoff und zudem halten die hohen Preise die Wirtschaft in Schwung. Ändern können Sie daran sowieso nichts, oder wie wollen Sie gegen eine millionenschwere Werbeindustrie ankämpfen? Sie, Kassiererin bei Aldi, haben bloss einen Grundschulabschluss, und heissen nicht Heidi Klum, aber vielleicht wird aus Ihrer Tochter ja irgendetwas. Was sollte sie denn von Ihnen schon lernen. Waschmittel verkaufen etwa? Haben Sie Verständnis dafür, dass Ihre Tochter sich für Sie schämt und bei nächster Gelegenheit ohnehin mit einem Besserverdienenden von zu Hause abhaut. Helfen Sie mit, den Ruf Ihrer Tochter zu bewahren und bringen Sie die Familienpackung Toilettenpapier selber vom Aldi nach Hause. Damit würde das Prinzesschen nicht gut aussehen und gemobbt werden. Geben Sie Ihrer Tochter deshalb die Chance auf eine Zukunft indem Sie ihrer Modelkarriere nicht weiter im Wege stehen.
What you can do Falls Sie mit der Entwicklung Ihres Kindes trotz allem weiterhin Mühe haben sollten, dürfen Sie deswegen keinesfalls die Fassung verlieren. Viele unverbesserliche Mütter und Väter glauben immer noch sie müssten die Kindererziehung aus der Verantwortung der Konzerne, Behörden und Medien nehmen und ihr Kind ab und zu mit den eigenen Händen verprügeln. Das ist falsch. Ihre Möglichkeit liegt vielmehr darin, Leserbriefe der Entrüstung an Zeitungen zu schicken und mit Unterschriften Werbeverbote zu erwirken. Andernfalls können Sie auch mit Transparenten vor das Hallenstadion stehen und ein bisschen demonstrieren oder zusammen mit dem Elternverein die Absetzung eines Lehrers bewirken. Sie werden bei keinem Ihrer Anliegen auch nur die geringste Chance haben, aber immerhin gibt es Ihnen etwas zu tun und hält Sie von Ihren Kindern fern.
Wenn Sie sich trotzdem aufrichtig dafür interessieren, ob ihr Kind das Zeug zum cholerischen Konzernchef oder hyperaktiven Medienstar hat, dann vergleichen Sie sein Verhalten mit dem von
diesem Jungtalent .
Wahrscheinlich fällt der Vergleich enttäuschend aus. Falls Sie es wirklich gut mit Ihrem Kind meinen, dann kaufen Sie ihm halt hin und wieder ein bisschen Crack ab, (so wie früher die Schoggitaler) aber rauchen Sie diese gestreckte Scheisse keinesfalls.