Photoserie: «Spiderman lost his right arm»
Text: Pino Loricato
Datum: 08.08.2006 Aufrufe: 1743 Verschickt: 1
Liebe Freunde des Lismal Magazins! Seit Mitte Juni stecken wir im Sommerloch fest, der Schreibfluss in unserer Redaktion scheint in der Sommerhitze ausgetrocknet zu sein. Wir nehmen Eure Kritik (659 Protestmails!) ernst und beenden die grosse Pause mit einer Photoserie aus den Ferien: «Spiderman lost his right arm»
In Süditalien gibt es keine Mülltrennung wie hier, es gibt manchmal nicht einmal Mülleimer. So wird vieles einfach irgendwohin weggeworfen. Manches wird sogar sehr schnell einmal in die Umwelt hinaus entsorgt, bloss weil es etwas schmutzig oder ein bisschen defekt ist.
Wer ist Spiderman? Spiderman ist ein Superheld, ein sehr akrobatischer Kerl. Jeden Tag hangelt er sich Hochhäusern entlang und kämpft gegen übernatürliche Bösewichte. Das ist ein gefährlicher Job.
Die Tragödie Als ich ihn antraf, sass er traurig am Strassenrand, obdachlos, dreckig, es fehlte ihm der rechte Arm. Gibt es für einen invaliden Helden keine Rente, kein Sozialnetz, nichts? Kaum invalide, hat man ihn wohl aus dem Autofenster geworfen, um am Markt einen neuen Batman oder sonst was zu kaufen. Schade.
Der Sinn des Lebens Das gab uns von der Redaktion sehr zu denken, wir haben lange darüber diskutiert und haben im Gespräch herausgefunden, dass unsere Spielzimmer voll waren von vernarbten, havarierten Helden, zerkratzten und zertrümmerten Autos und verschlissenen Helikoptern. Das gehört einfach dazu. Spielzeug ist nicht dazu da, um schön auszusehen und Staub zu fangen. Vor allem nicht die kleinen Superhelden aus Plastik, die müssen viel Dreck fressen, von Balkons runterfliegen, Treppenhäuser runterpurzeln, durchs Feuer gehen, Tiefseetauchen, in zerschlissenen Autos hundertmal gegen die Wand fahren, das gehört zu ihrem Beruf. Man soll ihnen dann auch ansehen, dass sie gestandene Helden sind, so verdienen sie Respekt und Anerkennung. Wie dieser Spiderman, dem der rechte Arm fehlt.
So, und jetzt kommt die Kunst Die Photoserie geht der Frage nach, wie Spiderman wohl seinen rechten Arm verloren haben könnte. Für einen Helden wie ihn, der überall herumklettert und sich durch alle möglichen Räume hangelt, gibt es viele Möglichkeiten.
- Nummer 1 : Er verlor seinen Arm in einer Feuersbrunst, als er vor einem riesigen Untier fliehen musste. Am nächsten Tag erwachte er auf dem Kohlenhaufen und konnte sich an nichts mehr erinnern.
- Nummer 2 : Als er auf einem Baum herumkletterte, wurde er von einer Baumratte angegriffen, die ihm den Arm abbiss, daran erstickte und vom Baum fiel, während er lange Zeit bewusstlos auf dem Ast liegen blieb.
- Nummer 3 : Beim Hochklettern am Hühnergitter blieb er hängen, was ein Huhn gnadenlos ausnutzte, um ihm den Arm abzureissen.
- Nummer 4 : Auf einer Spezialmission musste er unbemerkt ein Fahrrad verfolgen, sass auf, hatte dann jedoch Pech und geriet mit dem rechten Arm in die Speichen.
- Nummer 5 : In einem wahr gewordenen Alptraum musste er einen Strohhalm im Nadelhaufen finden, als dann jedoch eine gemeine Türfalle zuklappte und ihn am Arm festhielt. Jede Hilfe kam zu spät.
- Nummer 6 : Er wohnte in einem Baum, der von einem rücksichtslosen Gärtner gefällt wurde. Nun sitzt er auf dem Strunk und hat alles verloren.
- Nummer 7 : Hat er sich das womöglich selber zugefügt? Er muss vom Balkon mit dem Arm voraus in diesen Kaktus gefallen sein, dann hielt er die Schmerzen nicht mehr aus, amputierte ihn also gleich selbst mit der rostigen Schere, die da lag.
- Nummer 8 : Wegen seiner blasphemischen Geste mit der linken Hand wurde er von der heiligen Inquisition verhaftet und verhört. Nach 48 Stunden der Befragungen liess man ihn wieder frei, nachdem er zugeben musste, dass die Erde eine Scheibe ist und dass es Spiderman nicht gibt.
Fazit Erst durch Narben und Frakturen erhält eine Spielzeugfigur einen Charakter und erzählt auch eine Geschichte. Glänzend und frisch ab Verpackung ist eine Figur noch seelenlos, wie ungeboren, erst durch die Abenteuer haucht man ihr Leben ein. Ach, und manchmal, da hat man in den Ferien einfach nichts zu tun.