Phone Booth
Text: ZaphodBeeblebrox
Datum: 21.08.2003 Aufrufe: 1464 Verschickt: 0
Trunken durch Amsterdam flexend geht die Welt nicht mehr auf (oder doch), jedenfalls verlässt Zaphod Beeblebrox, sich selbst und alle damit verbundenen Risiken verachtend, den Pfad der Tugend für den treuen Lismal Kunden und zieht sich einen Joel Schumacher Film rein....
Wie jeder aufrichtige schweizer Kinokonsument verfolge auch ich gerne während dem Zappen den einen oder anderen Kinotrailer (auf Star TV, wo sonst). So kam mir unschuldigem Beispiel an Unterhaltungsgeilheit in weitem Vorfeld zu dem nun von mir zu beschreibenden Ereignis(nämlich dem Betrachten des von mir kritisierten Films) der Trailer für Phone Booth (siehe Titel des Textes) unter. Reflexartig klappte mein Kopf nach hinten und ich fiel in Sekundenschlaf (zum Glück gibt es keine Joel Schumacher Autobahnplakate oder Joel Schumacher-Gedächniskreisel). Als ich wieder zu mir kam, hatte ich einerseits eine natürliche Ablehnung gegen das Fernsehen im Allgemeinen und zudem eine vorgefertigte Meinung zu Phone Booth entwickelt. Voller Ueberzeugung dass dieser Film wiedereinmal so eine "wir- schaffens-dann-doch-den-bösen-aber-hochintelligenten-Superterroristen-dank-unserer-Integrität-und-pa-patriotischen-(phonetisch dargestelltes stottern)Idealvorstellungen-zur-Strecke-zu-bringen-dabei-noch-eine-geile-Frau-abschleppen-und-Ehrenmedaille-von-der-NY-Polizei-erhalten Thriller"-Riesenscheisse.
Dann stolperte ich (im wahrsten Sinne des Wortes) irgendwie doch in diesen Film. Obwohl sich mein Gehirn mit meiner Lunge zusammen noch vor Filmbeginn verdrücken wollte, kann ich die Story doch noch wie folgt rekapitulieren:Der Film beginnt mit einer kleinen Dokumentation über das Telefonieren (Theatralischer Vorspann, über das Aussterben der Telefonzellen in New York, welche durch Handys oder öffentliche Wandapparate ersetzt werden.....bla bla, aber eine Telefonzelle gibts noch und zwar steht die am Time Square).
Der Film dreht sich um diesen (abgebildeten) Pseudo-PR-Agent-Yuppi namens Stu (Collin Farell), der zumindest im Gehirn seine Ehefrau Kelly (Radha Mitchell) mit der "noch-nicht-ganz-Schauspielerin" Pam (Katie Holmes) betrügt und zwar folgendermassen: jeden Mittag so um zwölf betritt er die erwähnte Telefonzelle legt seinen Ehering ab und kontaktiert seine "noch-nicht-ganz-Schnalle" (welcher er eine Filmkarriere verspricht), diese Vorgehensweise wählt unser Protagonist, weil seine Handy-Telefonate von seiner Frau kontrolliert werden. Er hält sich für sehr schlau.
Das Problem ist nur, dass sich ein um einiges schlauerer Mensch hinter einem der knapp 1000 Fenstern rund um Stu befindet und mit einer grosskalibrigen Präzisionsfeuerwaffe auf dessen Hinterkopf zielt. In der anderen Hand hält dieser schlauere Mensch, nennen wir ihn mal "den Killer", einen Telefonhörer unter Zuhilfenahme desselben er Stu in der Telefonzelle anruft und Dinge von ihm verlangt. Das wäre die Ausgangslage, respektive Handlung und Schauplatz des gesamten Films, was ich dem Film übrigens hoch anrechne (also keine Explosionenzeitlupenkacke). Mehr noch, dieser Umstand (dass der Film keinen eigentlichen Schauplatzwechsel hat) macht den Film sehenswert. Intensiviert wird dieser Effekt durch die Tatsache, dass der Zuschauer den Film (obwohl er sehr kurz ist) eigentlich in Echtzeit erlebt. Die 80 Minuten, die der Film dauert, könnten sehr gut der Zeitspanne entsprechen, welche die Handlung effektiv in Anspruch nimmt, dies muss natürlich fast so sein, da die gesamte Handlung im eigentlichen durch den Anrufer bestimmt wird. Also was der "Killer" befiehlt, geschiet, also geschiet, was geschiet während der Dauer eines (relativ langen) Telefonats.
Gut durchdacht ist der Charakter des Killers (der wirklich immer einen oder mehrere Schritte(e) voraus ist), welcher auf Stus Charakter trifft (der schon froh sein kann, wenn ihn sein eigener nächster Schritt nicht vollends aus dem Konzept wirft, sofern er eins hat). Was die Darstellung betrifft, glänzt Collin Farell durch seine einerseits sehr realitätsnahe (d.h. man nimmt ihm den Stress wirklich ab), andererseits leicht humoristische Darstellung, Forest Whitacker leistet für seine Fähigkeiten nichts spezielles (hat auch nicht wirklich Möglichkeit dazu), kommt aber als charismatische Persönlichkeit daher und verleiht dem Bild eine gute Würze. Katie Holmes hingegen spielt wie in Dawsons Creek, muss ja nicht schlecht sein, aber das ewige "huh die Welt überrollt mich mit so einer lethargischen Melancholie" Getue geht mir angesichts der differenzierten Darstellungen von Stu ( Farell) und Kelly (Radha Mitchell) ziemlich auf die Eier.
Dieser Film erhält 4 von 7 Pangalaktischen Donnergurglern und eine Weissweinschorle
Empfohlenes Attribut: Roter Libanese oder schwarzer Afghane (je nach Gusto).