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Text: Jürgen Brandstifter
Datum: 24.06.2005 Aufrufe: 2075 Verschickt: 0
Wer hat hier behauptet, die Saison sei vorbei? Unsere Fussballmannschaft trat dieses Wochenende jedenfalls noch ein letztes Mal an, um ihre Ehre zu beweisen. Nach den eher durchschnittlichen Leistungen im Vorjahr konnte es nun nur ein Ziel geben: den Pokal. Und zwar den des Grümpelturniers Leimbach.
Aber zuerst musste nach dem kläglichen Scheitern
letztes Jahr auf personeller Ebene gehandelt werden. Der Vereinsvorstand entliess unter lautem Schimpfen den alten Trainer und setzte auf einen erfahrenen Mann: Carlos Alto-Nivel (vormals Nationaltrainer von
Amerikanisch-Samoa ) musste gleich als Trainer, Assistenztrainer, Mannschaftsarzt und Captain ran.
Und die Verhältnisse, die der neue Trainer vorfand, waren alles andere als vielversprechend: Stürmer-Star und Goalgetter Pino Loricato musste verletzungsbedingt ausfallen, der Mannschaftsarzt diagnostizierte in der gesamten Mannschaft eine höchst bedenkliche Lungenkapazität und ausserdem war der Verein hoffnungslos verschuldet. Und als ob das alles noch nicht schlimm genug wäre, musste
die Mannschaft ausserdem unter dem dümmlichen Namen „lismal.ch Pimps“ antreten. Trotz dieser Schwierigkeiten konnte der Trainer einige interesante Neuzugänge verpflichten, die das Team zum Sieg führen sollten.
Und die
riskanten Umstellungen, die der Trainer sogleich vornahm, schienen sich zu bewähren: Die erste Partie gegen die körperlich stark unterlegenen Moppel von „Züri United“ gewann das Team leichtfüssig und verspielt mit 4:0. Zur Belohnung liess der Trainer sämtliche darauf folgenden Trainingseinheiten ausfallen, damit die Spieler sich kurz
auf ihren Lorbeeren ausruhen konnten.
Eine Entscheidung, die der Trainer schon bald bereuen sollte. Die siegessicher und überheblich auftretende Mannschaft verlor die beiden anschliessenden Spiele kläglich und konnte gar nur einen einzigen Treffer erzielen. Der Stürmer Dominik Hutter
verletzte sich beim zweiten Match ohne jegliche Feindeinwirkung und musste in einem
Ponstan bedingten Dämmerzustand am Spielfeldrand zurückgelassen werden.
Trotz dieser Blamage konnte die Vorrunde als Gruppendritter abgeschlossen werden und eine direkte Qualifikation für die Achtelsfinals erreicht werden. Dennoch reagierte der Trainer heftig auf die beiden Niederlagen. Er warf noch am selben Tag gut die Hälfte der Mannschaft über Bord und machte sich selbst zum Torhüter. Zu behaupten, dass die darauf folgende 5:0-Niederlage mit dieser Entscheidung zu tun hat, wäre eine vermessene und unangebrachte Lüge, meint der sympathische Sklaventreiber im Interview. Jedenfalls mussten nach dieser Niederlage gegen den späteren Turniersieger alle Hoffnung auf den Pokal begraben werden.
In einem anschliessenden Interview zeigt sich der Trainer frustriert und schlechtgelaunt:
Lismal: „Herr Alto-Nivel, wie fühlen Sie sich?“
Carlos Alto-Nivel: „Ich fühle mich gut. Ich habe klasse gespielt. Ich habe gut trainiert. Ich habe mich
voll reingehängt. Mein Ballzauber war einfach ein Traum. Dass alle andern in meinem Team versagt haben, macht mich jedoch wütend.“
L: „Wie beurteilen Sie die Leistung der Mannschaft insgesamt?“
C.A: „Die Leistung war herz-, kopf- und schwanzlos, wäre ich nicht gewesen, hätte man wohl keinen einzigen Ballkontakt gehabt.“
L: „Welche Konsequenzen werden Sie nun aus dem Schlamassel ziehen?“
C.A: „Ich nehme mir eine Auszeit. Das nächste Jahr werde ich nicht dabei sein, da ich auf Spielersuche in Zentral- und Südamerika sein werde.“
L: „Wie steht der Verband zu Ihnen als Trainer? Ist ihre Position noch unumstriten?“
C.A: „Meine Position ist stets unumstritten, da ich als Diktator, erm, ich meine Trainer und Mannschaftsführer die nötige Macht, erm, ich meine Fähigkeiten besitze, werden allfällige Einwände mit Blei, erm, ich meine natürlich Diskussionen beigelegt.“