Mord und Totschlag
Text: Hubert Weiss
Datum: 31.08.2003 Aufrufe: 2394 Verschickt: 0
Noch zwei Wochen und wir sind richtige Soldaten! Dieser Tag wird der erfüllteste meines Lebens - vor allem was Alkohol angeht. In der Armee 21 kriegt sogar ein einfacher Soldat ein Abzeichen und die Korporäle werden Wachtmeister heissen. Diese grundlegenden Änderungen werden die Verteidigungsfähigkeit unserer Armee markant verbessern
Totschlagen Hier in der Armee schlagen wir diverse Dinge tot. In Kriegszeiten natürlich Frauen, Kinder und den Böfeind. Wir haben aber zurzeit Frieden und deshalb schlagen wir nur Stunden, Tage, Wochen, Monate und ab und zu mal eine Küchenschabe tot. Das ist ein gutes Training für den Ernstfall und sollte Krieg wirklich so sein, wie wir ihn simulieren, dann glaube ich, dass viele Adaisten (Sie wissen jetzt, wer die sind) vor Langweile umkommen würden. Wenn die Medien dann nicht zensiert wären, stünde im Blick:«Achse des Zeitlichen! Kampf gegen den Terror!». So ein
Bild könnte man z. B. daneben abdrucken.
Stellungsbezug Diese Woche haben wir gelernt, wie man einen Warteraum bezieht. Im Kriegsfall muss man dort bis zu sechs Monate auf den Einsatz warten, sich tarnen und ständig
Wache halten. Ich bewachte mit ein paar Kollegen die Lastwagenladefläche. Um uns wirklich gut zu tarnen, stellten wir uns schlafend und schnarchend. Mit diesen Methoden holten wir ein «Hervorragend» – der Krieg war gewonnen und der Tag gerettet. Interessanterweise stand im Abstellschuppen neben dem Puch ein lustiges Gefährt: eine alte
Heinkel. Heinkel hat im 2. Weltkrieg für den Böfeind (den wirklich existierenden bösen Böfeind) Bomber hergestellt.
Ausgang Am Mittwoch war ich im Ausgang. Ein Mal in der Woche möchte ich ja schliesslich anständig essen. Wissen Sie, wen ich gesehen habe? Den SVP-Kahlschlag
Mauro Tuena! Er hat sich ziemlich obszön verhalten. Ab und zu schrie er laut «scheisse» und andere Sachen, die ein anständiger Politiker nicht sagt, wenn der Match nicht zu seinen Gunsten lauft. «Wir sind immer mehr die Neger», hat er nicht gesagt, er ist ja von der SVP Zürich und nicht von der Toni Brunner Sektion.
Inspektion Wie an anderen Orten gibt es im Militär Inspektionen. Der Mäjdschär (phonetische Aussprache, sollte ein bisschen englisch klingen) mit Analstab Sanatorium (der geneigte Leser kennt ihn noch aus der ersten Woche) kam höchstpersönlich vorbei und begutachtete uns. Diverse Sachen waren natürlich nicht in Ordnung. So waren bei der Kompaniepräsentation nicht alle Kragen der Tenues gleich (gottohgottohgottohgott!!) und ein Rekrut hatte im Zimmer den Rucksack offen (uiuiuiuiuiuiuiuiuiuiuiu!). Dies wurde uns in einer halbstündigen Powerpoint Präsentation im Millionenbau AMITI (Ausbildungszentrum für Militärische Führungs- und Informationsleitsysteme und Informatik) erklärt. Der Mäjdschär könnte nach der Pensionierung sicher ein kompetenter Mc Clean Filialleiter werden. Weil wir so schlecht geschossen haben, wollte der Mäjdschär uns noch zu einem Nachschiessen am Samstag verdonnern. Glücklicherweise konnten ihm gewisse Offiziere diese irrwitzige Idee austreiben.
Merksatz nach Walder: