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Lisbola - Hall of Shame
Ich erinnere Sie nochmal daran: Das sind erwachsene Männer, die sich solche Hüte aufsetzen und dann voller Stolz um einen Schnemann reiten.
Mein Hut der hat drei Ecken
Text: Jürgen Brandstifter Datum: 18.04.2006 Aufrufe: 2086 Verschickt: 2

Zürich hat viele dumme Anlässe: Streetparade, Züri-Fäscht, Knabenschiessen, Züri-Lauf, Stadtratswahlen. Trotzdem fällt einer ganz besonders auf: das Sechseläuten. Das ist nämlich ein richtiger Scheissanlass. Wir sagen Ihnen, warum.

Das Sechseläuten besteht eigentlich aus drei Anlässen: Dem Umzug der Zünfte, dem Verbrennen des Böögs und dem namensgebenden Läuten um 6 Uhr. Gleich drei Feste mussten also zu einem einzigen verbraten werden, ohne dass dabei etwas rechtes herausschaut – Zürich, du weißt wirklich, wie man feiert!

Bimm, Bamm
Nun aber zum eigentlichen Sechseläuten. Dieses rührt daher, dass früher bei Frühlingsbeginn zum ersten Mal um 6 Uhr die Feierabendglocke geläutet wurde. In der Winterzeit wurde nämlich einfach bis zum Eindunkeln, also bis etwa um fünf Uhr, gearbeitet. Im Frühling, wenn es länger hell ist, musste der Arbeitsschluss mit dem Läuten um 6 Uhr angekündigt werden. Die Zürcher mussten also mit Frühlingsbeginn eine Stunde länger Arbeiten, was sie aber nicht weiter zu stören schien. Stattdessen feierten das die Zünfter, diese dummen, arbeitwütigen Spiesser, indem sie sich gegenseitig in ihren Spiesserstuben aufsuchten und ihr mit zwinglianischem Fleiss erarbeitetes Geld versoffen.

Raus aus der Zunftstube
Im 19. Jahrhundert fanden die grössenwahnsinnigen Zünfter dann, das Saufen in ihren dunklen Stuben wäre nicht genug. Sie wollten ihre teuren Hüte, schmierigen Perücken und die hübschen Anzüge der ganzen Stadt zeigen. Sie rotteten sich also zusammen und stolzierten in Reih und Glied durch die Stadt. Das mag im 19. Jahrhundert ja auch ganz passabel ausgesehen haben, aber zweihundert Jahre Später ist der Anblick eines Fasnachtsumzuges nicht mehr ganz so imposant.

Kurze Geschichte der Zünfte
Noch heute gockeln die Zünfter voller Stolz durch die Strassen – Stolz worauf eigentlich? Seit 1798 haben die Zünfte keinen politischen Einfluss mehr. Nach ihrem Einmarsch lösten die Franzosen die Zunftregierung auf, weil sie die kommunistischen Züge der Handwerkerdiktatur erkannten. Also mal im Ernst: möchten Sie wirklich von Metzgern regiert werden?
Über 400 Jahre zuvor waren die Zünfte durch die Handwerkerrevolution an die Macht gelangt und hatten die Ratsherren der Stadt verjagt und gemeuchelt (Sie haben’s erraten: die Metzger hatten damit zu tun). Ihr Anführer Rudolf Brun machte sich zum Herrscher der Stadt und führte die Zunftverfassung ein. Als in Zürich die Pest ausbrach, machte er die Juden für die Seuche verantwortlich, sie wurden aus der Stadt gejagt oder ermordet. Die Synagoge wurde zerstört und Rudolf Brun kümmerte sich um die zurückgebliebenen Gelder der Juden. Doch, doch, da ist allerhand, worauf die Zünfter stolz sein können.

Konsequente Gottesfürchtigkeit
Der dritte Anlass, der das Sechseläuten ausmacht, ist das Verbrennen des Böögs. Heidnische Buben verbrannten in den Strassen Zürichs Puppen aus Stroh. Ursprünglich eine rituelle Hinrichtung, wurde daraus dann das symbolische Verbrennen des Winters. Das Verbrennen des Böögs ist also ein heidnischer Brauch, den die guten Christen Zürichs kurzerhand übernahmen. Das ist etwa so, als würden Sie als Christ ab sofort Ramadan feiern. Nicht das mich das stören würde, aber das würde irgendwie schon etwas über die Qualität der Feste ihrer eigenen Religion aussagen.

Das Sechseläuten ist ein Scheissanlass
Sie sehen also: Das Sechseläuten ist wirklich ein Scheissanlass. Machen Sie deshalb nicht mit, und wenn Sie eine Frau sind: seien Sie froh, dass sie nicht mitmachen dürfen. Es gibt viele Bereiche, in denen Frauen unfair behandelt werden, dieser ist wahrscheinlich nicht der allerwichtigste. Kämpfen Sie deshalb für gleiche Löhne und nicht dafür, mit einer dummen Mütze hinter verkleideten Bonzen herzustolzieren.



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Der Böög, kurz bevor er umfällt. Die Zürcher sind berühmt für ihre ausgelassenen Feste. Würdevolles Altern. Rudolf Brun trug die Haare sehr kurz.
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