Lost In La Mancha
Text: Jürgen Brandstifter
Datum: 07.09.2003 Aufrufe: 1476 Verschickt: 0
"Making of" einmal anders: Anstelle einer Aneinanderreihung der üblichen "Die Stimmung am Set war einfach super"-Interviews, die man täglich auf Star-TV sieht, zeigt der Dokumentarfilm "Lost In La Mancha" das Scheitern des Regisseurs Terry Gilliam bei seiner „Don Quichote“-Verfilmung.
Terry Gilliam, ehemaliges Monty-Python-Mitglied und Regisseur von „Brazil“, „12 Monkies“ und „Fear And Loathing in Las Vegas“, beschäftigt sich seit 10 Jahren mit dem Stoff von „Don Quichote“. Im verrückten alten Mann aus Cervantes Roman, der sich selbst für einen Ritter und Windmühlen für Riesen hält, hat der Regisseur einen Bruder im Geist gefunden. Beide sind grenzenlose Phantasten, deren umwerfende Visionen zeitweise etwas zu sehr den Bezug zur Realität vermissen lassen. Deshalb hat Gilliam in langjähriger Arbeit ein Script verfasst und in Europa das bisher grösste Filmbudget ohne Hollywood-Beteiligung gesammelt.
Doch bereits in der Vorproduktion läuft nicht alles nach Plan. Trotz allem sind das Budget zu klein, der Drehplan zu knapp bemessen und die Schauspieler nicht vor Ort. Doch die Beteiligten wissen, dass Gilliam ein Chaot ist, und dass alles besser wird, sobald die Kamera einmal läuft. Und schliesslich erscheinen dann doch die Schauspieler Jean Rochefort (Don Quichote) und Johnny Depp (als Werbefachmann, der in die Vergangenheit versetzt wird und dort von Don Quichote mit dessen Knappen Sancho Pansa verwechselt wird).
Doch bereits am ersten Drehtag läuft alles schief, was nur schief laufen kann: Die Nato jagt ein paar Düsenjets über das Set und ein Unwetter schwemmt die halbe Ausrüstung davon. Als in den folgenden Drehtagen auch der Hauptdarsteller gesundheitlich Probleme hat und ausfällt, muss Gilliam das Projekt aufgeben. Gilliam scheint zwar ein hervorragender Filmemacher zu sein, im Umgang mit dem Filmgeschäft ist er aber offensichtlich weniger geübt. Oder, wie er am Ende resigniert feststellt: „Die Windmühlen der Realität wehren sich“.
Der Dokumentarfilm von Keith Fulton und Louis Pepe zeigt, wie Gilliam sein äusserst vielversprechendes Projekt zugrunde gehen sieht: Auch wenn er das Ganze mit Galgenhumor erträgt, was dem Film viel Witz verleiht, ist die sich breit machende Enttäuschung nur zu gut spürbar. Der Film ist unterhaltsam erzählt (beispielsweise bedient er sich stellenweise bei Gilliams Trickfilmtechniken) und lässt den Zuschauer doch enttäuscht zurück: hier hätte Gilliam einen grossartigen Film geschaffen.
Offizielle Homepage Der Film läuft zur Zeit im
Kino Riff-Raff