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Die Welt, aus weiter Ferne betrachtet.
Lismal erklärt die Welt - Teil II
Text: Nemo Datum: 14.06.2003 Aufrufe: 1615 Verschickt: 0

Die momentane Weltlage könnte einen aussenstehenden Beobachter beunruhigen: Am G-8 Gipfel nehmen sich immerhin ganze acht Staaten die Mühe, das Schicksal der restlichen Welt zu bestimmen. Und dennoch können die fadenscheinigen Bündniserklärungen zwischen Amerika und Europa den bereits während dem Irak Krieg angereichteten Scherbenhaufen auch nicht richtig kitten.
Doch nicht alle Staaten machen auch tatsächlich das, was ihnen von den acht "Grossen" vorgeschrieben wird. Denn Nordkorea hat die Lehre aus dem Irak Krieg gezogen («Ein menschenverachtendes Regime, das KEINE Massenvernichtungswaffen besitzt, wird in absehbarer Zeit vom bzw. in den Erdboden gebombt») und entwickelt sein atomares Programm daher munter weiter.
Die U.S. Generäle frustet dies natürlich etwas, da sie jetzt nicht sofort in Korea einmarschieren können. Denn nicht einmal der rauhbeinige Präsident möchte einen atomaren Krieg lostreten, denn damit würde das Image der «Guten Nation» schon etwas in Mitleidenschaft gezogen, und die Achse des Bösen würde unter Umständen in bedenkliche Nähe zu Washington rücken. Daher lenken sich diese Führungskräfte etwas ab mit der Einsatzplanung im Iran. Eine solche Einsatzplanung erfordert nicht nur viel Material, sondern auch etwas Hirnschmalz (gewöhnliche Leute lösen dafür Kreuzworträtsel) und ein Sieg - egal wo - stärkt das Ego der Supermacht.

Doch möglicherweise wäre ein aussenstehender, zeitloser Beobachter gar nicht beunruhigt, sondern vielmehr amüsiert. Vielleicht hat er die Menschen schon seit Urzeiten betrachtet, als sie sich auf der Suche nach dem Feuer noch die Pfoten verbrannt haben. Er hat gesehen, wie sich die Menschheit vor ihrer Mutter, der Natur, bei jedem Blitz und Donner fürchtete. Wie sie langsam heranwuchs und mit der Zeit grösser und selbstbewusster wurde. Dieser Beobachter hat auch mitbekommen, wie die Menschen Städte bauten, Tempel errichteten, einer Religion nach der anderen anhingen, um auch dem Vater, welchen sie "Gott" nannten, zu huldigen. Um jetzt bei ihm Zuflucht zu suchen, nachdem sie von der Natur ausgeschlossen waren, da sie diese bekämpften und (scheinbar) unterwarfen.
Mit zunehmendem Alter wuchs auch das Vertrauen in die Fähigkeiten, und die Menschheit begann, sich selbst bewusst zu werden. Dadurch entzauberte sie zwar die mythische Umwelt, der sie bisher schutzlos ausgeliefert gewesen war, aber machte sich gleichzeitig deren Kräfte zunutze - ohne jedoch ganz zu begreifen, was denn diese Kräfte überhaupt sind. Mathematik, Physik und Chemie blühten auf, und brachten der idealistischen Menschheit ein neues Selbstbewusstsein, neue Fortbewegungsmittel und einen blinden Fortschrittsglauben, der erst einhundert Jahre später mit der Explosion von zwei Atombomben über Hiroshima und Nagasaki sein Ende fand.

Und damit ist die Menschheit in die schwierigste Phase ihres bisherigen kurzen Lebens eingetreten: Die Kindheit mit ihrem naiven Glauben ist endgültig vorbei. Wir durchleben denjenigen Lebensabschnitt, den die meisten Menschen zwar nicht missen möchten, aber auf keinen Fall nochmals leben wollen: Die Pubertät.
Wir rebellieren gegen alles Höhere, und negieren alles ausser uns selbst. Wir kennen zwar unsere potentiellen Möglichkeiten, aber überschätzen diese gleichzeitig masslos.
Wir haben die Kraft, die Erde zu vernichten, aber sind noch nicht bereit, diese Verantwortung überhaupt zu tragen. Denn Verantwortung ödet uns an.
Und daher schlagen wir uns gegenseitig die Nasen blutig. Oder wir berauschen uns am wunderbaren Wohlstand um uns herum, wobei uns alles andere egal bleibt.

Doch die Hoffnung besteht: Vielleicht lernen wir auch diese Lektion noch, wenn auch langsam. Und wer weiss, vielleicht ist die Menschheit eines fernen Tages tatsächlich nicht nur alt geworden, sondern auch weise.



Lesen Sie dazu auch den ersten Teil von MadHatter:
Lismal erklärt die Welt


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