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Lisbola - Weltgeschehen
Da ist er jetzt.
Integration für die Füchse
Text: Pino Loricato Datum: 03.10.2005 Aufrufe: 1943 Verschickt: 1

Zürich hat offensichtlich ein Integrationsproblem, schuld daran sind die vielen Füdlibürger, die alles Fremde verdächtigen und nur auf die Fehler anderer schauen. Seit es jedoch verboten ist rassistisch zu sein, beginnen die Spiesser alle Tiere zu hassen. Besonders den Fuchs. Warum? Ist der Fuchs gut oder böse? Soll er, darf er bei uns leben oder das auf keinen Fall?

Medienberichte über den Fuchs
In Zeitungen wird immer wieder von Füchsen berichtet, die Friedhöfe schänden, in Hasenkäfigen oder Hühnergitter einbrechen und die Kuscheltiere reissen. Bravo! Unter anderem brechen sie noch in Zoos ein und fressen hie und da einen Flamingo. Wissen Sie, eigentlich ist es ganz gut, dass wir Füchse in der Stadt haben.

Der Fuchs - Das Vorzeigewild in jeder Stadt
Im Stadtleben nehmen die Füchse eine sinnvolle Funktion wahr, sie bejagen dort Kaninchen und tragen auch dazu bei, die Rattenpopulation etwas zu reduzieren sowie sie als Aasfresser im Straßenverkehr verendete Stadttauben beseitigen (Informationen von Wikipedia).
Und doch wird er stiefmütterlich behandelt wie ein Sans-Papier (kein Mensch ist illegal!).

Füchse sind wunderschöne Tiere
Poeten und Naturfreunde freuen sich immer wieder, wenn sie welche in der Stadt antreffen und sagen ihren Freunden: "Schau, da, ein Fuchs! Oh." Da gibt es aber auch die anderen. Die Spiesser, Hauswarte, pensionierte Gärtner und Hobbypolizisten, Autofans und Marderhasser, die notorischen Reklamateure und Pfeffersprayträger, Wurfstern-in-der-Schublade-Besitzer, Neonazis und Freunde der Schulpflege, Freunde der Hausordnung, SVPler und Schuhsohlenbürster, Feinde des Kaugummis und der Seifenblase: Sie alle hassen den Fuchs.

Panik
Ähnlich wie bei der Panik vor Immigranten reagieren diverse Bürger bei der Stadt-Zuwanderung der Füchse mit Skepsis, Missmut und Reklamationen. So auch in meinem Quartier. Es hängt schon seit Tagen ein Informationsbrief in allen Treppenhäusern der Wohngenossenschaft Ackerhof* der vor Füchsen warnt und jegliche Solidarität mit dem Fuchs verbietet.

Warnung
Der offene Brief hängt da mit Reissnägeln an einer Korkenwand, neben ihm hängen Blätter auf denen Worte wie "Verbot“, "Ordnung", "Regeln" und so stehen. Ab und zu, so in der Sommerzeit, hängt dort auch ein farbiger Zettel auf dem steht: "Kuchenplausch" oder "Grillplausch". Wenn ich mir das nur vorstelle, wie das wohl wäre, mit diesen Genossen zu dinieren, an einem organisierten "Plausch" teilzunehmen, der "nur bei schönem Wetter!" abgehalten wird, dann wird mir elend.

Die Genossen
Trotz der Berührungsängste mit meinen Mitgenossen bin ich wegen dieser Fuchsgeschichte am Sonntag ausgerückt und habe mit ihnen geredet. Natürlich will niemand wissen, wer reklamiert hat und bei wem die Füchse in den Garten gebaut haben, aber doch kommen gewisse Aussagen ans Licht, die eine klare Stimmungsmache gegen Füchse bestätigen. Lesen Sie die Zitate, die aus den Gesprächen hervorgegangen sind.

"Füchse sollte man an die Leine nehmen oder für immer aus der Stadt vertreiben!"

"Füchse passen einfach nicht in unser Quartier. Sie sind nachtaktiv und sie stinken. Meine beiden Kinder (ca. 11 und 12) haben nachts Angst davor, von ihren HipHop-Parties nach Hause zu kommen. Man weiss ja nie, ob diese Tiere Tollwut haben oder nicht. Deshalb müssen wir sie immer abholen, wissen Sie, mein jüngerer Sohn ist DJ."

"Hauskatzen benutzen Katzenkistlein, Hunde verwenden Robidog, warum können das Füchse nicht auch?"
(Dann müsste man eben Robifox erfinden, oder?)

"Einmal habe ich nachts auf meinem Kontrollspaziergang vier Füchse gesehen, die auf der Kinderspielwiese herumgelegen haben und gähnten. So eine Frechheit, am liebsten hätte ich das Gewehr geholt und die "Schiissviecher!" abgeschossen."

"Da ist so ein Fuchs, der kommt immer nachts vorbei und hat mir schon drei mal in den Garten gepisst. Jetzt wachsen mir Gladiolen, die ich immer schneiden muss!"

"Wissen Sie, ich habe ja nichts gegen Füchse. Früher ist es ja noch gegangen, da war einfach einer, der da seine Runde machte. Aber jetzt: Hat der seine ganze Familie mitgenommen und lebt unter meinem Haus!"


Massnahmen
Ich koche für die Füchse ein Fisch-Fleisch-Gemisch und verteile es nachts überall im Quartier.
Nachher lanciere ich die Volksinitiative „Integrationsprogramm für Füchse und Füchsinnen“ darin geht es um die Budgetierung von Kunstfuchsbauten im Stadtgebiet mit 15 Mio. Franken. Diese wertvollen Zeitgenossen dürfen uns das kosten, plus jährliche Impfstoffköder-Streuung im Stadtgebiet. Ja, natürlich hat das keine Chance. Die Gegenparteien würden die Stadt mit ihren Plakaten eintapezieren.

Fazit
Dank den Stadtfüchsen haben wir kein Rattenproblem, so sparen wir tonnenweise Rattengift und Füchse arbeiten gratis. Der Fuchs ist ein Rebell auf vier Pfoten. Wenn wir ihn jetzt unterstützen, untergräbt er bald eine ganze Stadt und bringt sie noch zu Fall. Füdlibürger hoi!


*(Name geändert; es heissen doch alle irgendwie Hof- Acker- Garten- Rain- Müli- Matt- Wiesen- Weid- setzen Sie es sich zusammen wie Sie wollen, wenn ich eines Tages eine Wohngenossenschaft eröffnen sollte, werde ich sie „Irrgarten“ nennen, finden Sie das nicht wundervoll?)



Wie denken Sie über diese Sache? Sagen Sie es uns und nehmen Sie an der Ummfrage teil:





So, alles klar? Ist nicht so schwierig. Wir können sie ja dann "Fuchswohnungen" nennen. In meinem Garten habe ich schon einen errichten lassen. Wir leben in einem Land, wo ein Taubenfütterungsverbot existiert. Wer füttert denn diese Tiere, wer tut so was? Bald braucht es noch ein Fuchsfütterungsverbot. Dann kann man ins Gefängnis kommen wegen Fuchsfütterei. Haben wir keine anderen Probleme? Das ist der Tollwutimpfköder. Ist nicht so teuer. Aber gefährlich, fassen Sie das Zeug nicht an, vor allem nicht wenn es kaputt ist. Sie könnten krank werden. Dann beissen Sie noch ihren Chef.
Da, so schnell gehts. Und dann ist wieder die ganze Stadt voll damit. Promis mit Füchsen für ein Ja. Keine Chance, leider.
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