Grillabend für Öko-Terroristen
Text: Pino Loricato
Datum: 26.09.2006 Aufrufe: 2453 Verschickt: 1
Die Sommerzeit Grillzeit ist vorbei. Es wird in unserem christlichen Abendland wieder kalt, feucht und grau. Ziehen wir Bilanz und denken ein wenig über den Grillsommer nach, wie grilliert wird, was das Feuer bedeutet und warum manche so viel Grillzubehör besitzen, um ein Feuer zu entfachen und womit sie es anschliessend wieder ausblasen.
Es gibt verschiedene Arten zu grillieren. Man kann einen Grill aufstellen, zu dem man einen Sack voller Kohle besitzt, den
Kugelgrill, oder noch herziger, den Grill mit Gaszufuhr, den
Barbecue-Hokuspokus. So zu grillieren ist etwa so niedlich, wie wenn man einen Schirm trägt wenn es regnet. Das ist etwas für Touristen und Patienten. Man bleibt damit im Garten, auf dem Balkon oder auf der Dachterrasse, und kriegt Ärger mit den noch niedlicheren Nachbarn.
Es gibt die andere Art, die ursprüngliche, rustikale, richtige Art, wie man grilliert. So geht man in den Wald, sammelt Holz, feuert mit Kleinholz an und legt ständig dickeres Holz drauf, bis ein grosses Feuer besteht, das mit der Zeit wieder etwas zusammenfällt und die schöne, natürliche Glut hervorbringt. Darin soll man das Fleisch grillieren, amen. Dazu muss man aber fähig sein. Viele können ohne Sonderhilfsmittel aber gar kein Feuer machen, weil in unserer modernen Gesellschaft eben die meisten Menschen alle Probleme mit Mausklick, via Fernbedienung oder mit dem Handy lösen wollen. So ist vielen Leuten der echte Grillplausch vergönnt.
Virilitätsprüfung und Suizidgefahr Ein Feuer hinzukriegen ist ein Zeichen von Männlichkeit, das ist nicht wissenschaftlich erwiesen und kein Experte hat je in dasselbe Horn geblasen wie ich jetzt. Aber achten Sie sich mal drauf, wenn eine Frau ein schönes Feuer hinkriegt und ein erschöpfter Mann daneben steht, dem das vorher nicht gelungen ist, aber die ganze Zeit niemand anderes ran gelassen hat um es zu probieren. Der ist kastriert. Der ist am Ende. Zeigen Sie mit dem Finger auf ihn, verhöhnen Sie ihn, verspotten Sie ihn, und er bringt sich am selben Abend noch um.
Deshalb gibt es Männer, die Angst davor haben, zu versagen. Sie haben Angst davor, nicht in der Lage zu sein, ein Feuer im Wald hinzukriegen und vor den Augen der Grillgemeinschaft als Versager dazustehen. Es sind solche Männer, die sich organisieren und nötiges, industriell hergestelltes Brennmaterial in den Wald transportieren, um das Feuer zu erzwingen und es anschliessend zu dominieren. Die Flamme, das Feuer zu beherrschen macht jeden Mann zum Teufel und Höhlenbewohner, er zeigt damit, dass er der Magier ist, der diese Kraft, diese Energie, hervorrufen und wieder verschwinden lassen kann.
Cervelat-Terrorismus als Krönung des Grillsommers So habe ich jüngst einen Mann erlebt, der zum Grillfest im Wald lud, der hatte wirklich alles im Griff. Der transportierte sogar die Steine mit dem Auto da hin, um sie im Kreis anzuordnen. In die Mitte leerte er einen ganzen Sack voller Zündwürfel und einen ganzen Sack voller Kohle aus. Dann übergoss er diese Mixtur mit Benzin, und mit einem Streichholz war auf «Teufel komm raus» ein Feuer da, das lange und gut brannte. Nach etwa einer Viertelstunde begannen die Gäste damit, dickes Holz drauf zu werfen. Es gab ein grosses und kräftiges Feuer, das bis in die Nacht hielt, um zahlreiche Würste zu
grillieren. Irgendwann, nach etwa sieben Flaschen Bier, sagte er: «So. In zehn Minuten gehen wir.» Das Feuer war aber immer noch sehr mächtig und bevor man den Wald verlässt, ist das Feuer auf jeden Fall zu löschen, und zwar komplett. Ich schaute ihn fragend an und zeigte auf die Feuerstelle: «Und das da?» Er zuckt mit den Schultern und wiederholte murrend meine Frage: «Ja. Und das da.» Er verschwand im Dunkeln der Nacht und kam tatsächlich mit einem Feuerlöscher zurück, mit dem er eine weisse Staubwolke über alles drüber schoss, dass das Feuer nachher tot war und die Hälfte der Grillfreunde heftig hustete. Ich auch. Aber sobald mein
Hustenanfall vorüber war, kriegte ich einen Lachanfall.
Jetzt stellen Sie sich einmal vor, das würden alle so machen. Wie nennt man dann diese Art zu grillieren? Das ist ja kriminell dekadent und verschwenderisch, so was. Und schon gar nicht umweltfreundlich. Deshalb nenne ich es den Grillabend für Öko-Terroristen. Aber wenigstens, ja, so sagte das noch mancher der Grillfreunde dort, ja wenigstens hat alles geklappt, gell.
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Lesen Sie
hier Diskussionen von Steinzeitaktivisten, wie man Feuer ohne irgendwas macht. Das sind garantiert alles Männer.
Wenn Sie das Thema nicht interessiert, weil Sie sowieso immer zu Hause bleiben, dann haben wir
das für Sie im Google gefunden.