Geschlossene Werkstatt
Text: Hubert Weiss
Datum: 18.08.2003 Aufrufe: 2614 Verschickt: 1
Das Ganze hier wird eine Repetition der vorherigen Wochen. Dennoch findet man immer lustige Sachen und Broschüren, über die man berichten kann. Diese Woche steht der Chemieangriff im Mittelpunkt.
Chemie Eigentlich sollte man über Chemiewaffen keine Witze machen, doch nachdem ich gesehen habe, wie das Militär mit ihnen umgeht, musste ich schon ein bisschen schmunzeln. Es gibt so lustige Aufklärungsfilme, die im Stil einer Nachrichtensendung gestaltet sind. Mich persönlich erinnern sie an eine
Monty Python Nachrichten Parodie. Zumal noch die Rede ist von der UDSSR. Die
Broschüre dazu ist von grafischer Filigranität und dichterischer Höchstleistung geprägt. Nun könnte man natürlich sagen, der militärische Filmdienst neige dazu Witzfilme zu produzieren, doch die grosse Masse der Militärs nehme das Thema ernst. Wieder falsch. Laut schulinternen Weisungen liegt im Moment eine ABC Normalbedrohung vor, d.h. man rechnet jederzeit mit einem ABC-Angriff. Deshalb müssen wir immer diesen dämlichen Anzug mitschleppen. Meiner Meinung nach müsste aber jemand die Leute in der Umgebung von Kloten darauf aufmerksam machen, dass das Militär (unser Stützpfeiler der Nation, unser Sicherheitsapparat und die Institution schlechthin) jederzeit mit einem ABC-Angriff rechnet. Schliesslich könnte man so meinen, das Militär kümmere sich nur um sich selbst und die Zivilbevölkerung sei wieder mal zweitrangig. Also: «Hallo Blick!! Hast du das gelesen?? Super Sommerlochfüller!».
Mit Waffen und so Diese Woche haben wir uns wieder mal auf etwas Traditionelles zurückbesonnen: der klassische Waffenlauf. Ich persönlich nenne ihn den Waffen-SS Lauf (Waffen Sprint Sport, was dachten Sie? Doch nicht etwa..? Sie Schwein!). Ich bin gerannt wie Mischa Ebner und landete schliesslich auf dem 25 Platz (von fast 200 Teilnehmern) - habe aber niemand umgebracht. Ist eine tolle Sache so ein Waffen-SS Lauf, gut für die Fitness und so ein Pimmelersatz im Rucksack gib Rückhalt.
Ebenfalls diese Woche konnten wir wieder mal so richtig ballern. Auch eine tolle Sache! An einem Morgen haben wir für 8'000 Fr. Munition verschossen. Das Highlight war: Serienfeuer - eigentlich verboten, doch die Leutnants meinten, dieses Feeling müssten wir auch mal haben. Gesagt, getan! So haben wir aus 7 Meter Entfernung auf eine körperähnliche Zielscheibe gefeuert.
Material Mit Schrecken stellte ich fest, dass gewisse
Schuhputzbürsten in Blindenwerkstätten hergestellt werden. Das finde ich nicht in Ordnung, denen kann man ja alles angeben. Sehr wahrscheinlich hat man sie im Glauben belassen, sie würden diese Bürsten für ein Kinderhilfswerk herstellen oder so - schrecklich. Anfangs Woche kamen übrigens drei Berufsinspektoren vorbei. Sie kontrollierten die Kaserne und schauten, ob auch wirklich alles sauber geputzt war. Wir haben ein «Gut» erhalten und hätten ein «Sehr Gut» nur knapp verfehlt. Schlimm, stellen Sie sich das mal vor: Drei erwachsene Männer gehen durch die Kaserne, fahren mit ihren Fingern über unsere Kommoden (wie in der Putzmittelwerbung) ziehen dann eine ernste Miene und füllen ihre Formulare aus. Das sind wohl die bestbezahlten Passivraumpfleger der Nation.
Merksatz nach Walder:
- Rennen wie Mischa Ebner, Geld verbraten wie Martin Ebner - die Schweizer Armee.