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Die Volksschule in der Schweiz bröckelt, zerfällt, ist staubig und wird saniert. Oder privatisiert?
Gedanken der Woche: Privatisierung der Schulen
Text: Pino Loricato Datum: 04.05.2007 Aufrufe: 2296 Verschickt: 0

Die Volksschule in der Schweiz kommt in eine Krise. Von uns war jeder in der Volksschule, in dieser nüchternen, anstrengenden Bildungsinstitution mit miesen Lehrern, staubigen Interieurs und dem selben Schulmaterial wie alle Kinder des Landes. Soll sie privatisiert werden, wird dann alles besser?

Erinnern Sie sich an die Volksschule
Das beste waren die Pausen. Man musste raus, in den Korridoren zu bleiben war verboten. Pausenaufsichten, 13 oder 14jährige Oberstufenschüler, bewachten immer zu zweit ein Stockwerk und prügelten mit den Bändeln auf solche ein, die sich aus irgendwelchen Gründen noch drinnen aufhielten. Draussen auf dem Pausenplatz spielten wir Basketball, prügelten uns, quatschten, oder wir verliessen ihn um in einem Versteck zu rauchen.
Und alles war verboten und immer gab es Strafen und die Strafen waren immer dieselben, unsinnigen: Hausordnung abschreiben, Sportregeln abschreiben, dem Abwart helfen und dergleichen.

Man hätte nie einen von uns dazu gekriegt zu sagen: "Ich liebe meine Schule" oder "Meine Schule ist exzellent". Wenn das jemand bei uns gesagt hätte, dann hätten wir ihn garantiert in den Arsch getreten. Mit aller Kraft.

«Ich liebe meine Schule, meine Schule ist exzellent»
Ein Jugendlicher, der so etwas sagt, hat entweder viel Kohle dafür erhalten, wurde vom System massiv bedroht oder er hat eine Hirnwäsche gekriegt. Oder seine Schule ist privatisiert. Was für uns noch so klingt wie die Utopie eines Wahnsinnigen, ist in grossen, kapitalistischen, westlichen Ländern bereits Gegenwart. Als Beispiel beschreiben wir Ihnen die Werbung einer katholischen Schule aus Australien, die im Internet mit einem Flashfilmlein auftritt.

Das Werbefilmlein
Beginn. Eine Teenagerin mit einem begeisterten Gesicht sagt:
what do I like about my catholic school? come and see!

Im Hintergrund beginnen jetzt für den ganzen Film runde, verschiedenfarbige Kreise auf und zuzugehen und darin sieht man Szenen aus dem Schulalltag, untermalt mit friedlichen Pausenplatzgeräuschen. Im Vordergrund treten abwechslungsweise Kinder oder Jugendliche auf, welche positive Stichworte nennen, als Aufzählung, was ihre Schule alles bietet.

Ein eleganter junger Mann mit Krawatte sagt:
there's knowledge!

Ein rothaariges Mädchen zieht ihre Augenbrauen leicht an:
faith!

Ein rothaariger Bub grinst:
technology!

Kleines Mädchen mit Zöpfen rudert mit den Armen, holt Luft und sagt dann:
my friends!

Strahlender Bub mit weissen Zähnen:
imagination

Ein schwarzes Mädchen, überglücklich:
diversity

Ein eleganter Bub mit Locken, zufrieden:
my school's excellent

Während grosse und kleine Schüler miteinander plaudern, kommt die Werbestimme
wie sie von Banken oder Versicherungen eingesetzt wird und sagt:
you're welcome to contact your local catholic school now to see learning in action
or visit the website


Zahnloses Mädchen mit Mittelscheitel:
catholic schools

Eleganter Bub mit gestylter Kurzhaarfrisur:
faith in our future

Teenagerin mit reifer Stimme, roten Lippen und einem gesunden Lächeln:
learning for life

Überzeugen Sie sich selbst.
Link: http://www.ceo.parra.catholic.edu.au/Default.aspx
(Wenn das Video nicht gleich losgeht, einfach ein paar Mal refreshen. Die Adresse stimmt schon. Es lohnt sich.)

Absurd oder einfach gewöhnungsbedürftig
Man mag davon halten was man will. Eigentlich ist es traurig. Aber finden Sie das auch so lustig, wenn man sich die gesamte Werbung mit denselben Aussagen auf schweizerdeutsch vorstellt? Das wäre absurd. Das würde keinen Sinn ergeben, das würde auf uns wirken wie die Werbung für eine Sekte. Stellen Sie sich vor, das Militär würde auf diese Weise um Rekruten werben, das Gefängnis um Insassen und das Parlament um Politiker. Ach, wir werden uns daran gewöhnen müssen.

Apropos
Das jüngste Kind der Amerikanisierung unserer Stadt ist das Hooters am Helvetiaplatz. Das ist auch so etwas Absurdes. Wer will denn zum Essen von jungen Frauen bedient werden, die rumlaufen wie Säue in orange und weiss? Das ist noch verfaulter und dümmer als Starbucks und McDonalds zusammen. Was kommt denn noch?


In Thun, einer Kasernenstadt, erstaunte uns ein Hooters nicht. Das ist das Logo der Schule. Sieht aus wie etwas Unanständiges.
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