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Lisbola - Wort zum Sonntag
So. Was kostet das jetzt?
Finger weg vom Bier!
Text: Pino Loricato Datum: 23.06.2006 Aufrufe: 2529 Verschickt: 1

Jüngst hörten wir am Radio ein paar Schnipsel aus dem Parlament, in denen sich verschiedene Politiker dazu geäussert haben, warum die Bierpreise steigen sollten. Grund: Die Jugendlichen in unserem Land trinken zu viel, saufen und kotzen um die Wette, bis sie ins Spital müssen. Lismal erklärt, warum das gut ist und die Bierpreise besser da bleiben wo sie sind.

Denn sie wissen nicht, was sie tun
Alles was Spass macht wird teurer durch die Mehrwertssteuer. Es geht darum, dass das Geld in die Staatskassen fliessen soll wie Honig, langsam und so dass man es kaum merkt. Die Volkserziehung der Regierung läuft leider zu gerne übers Portemonnaie. So lächeln die Politiker, klopfen im Parlament auf das Pult und sagen: «Jawoll, machen wir das auch wieder übers Portemonnaie. Wir hatten schon das letzte Mal Erfolg damit.» Danke. Die Teenager von heute wissen wohl nicht selber was sie tun, dass man sie mit Reglementen und Vorschriften und Strafen in die Schranken weisen muss. Eben doch.

Prävention für die Füchse
Die Teenager von heute wissen sehr wohl, was sie tun. Heute gibt es Drogenprävention, Alkoholprävention, Tabakprävention, Aids-Prävention, Safersex-Werbung und alles Mögliche an den Schulen. Ein 15 jähriger sollte so weit sein, dass er alles kennt und alles weiss. Er ist ja informiert. Wenn dann so einer mit Freunden nachts im Freien rumhängt, Haschisch raucht und sich mit einem Harass Bier das Gehirn aushölt, die Leber ums fünffache aufbläst und dann explodiert, kann er Ihnen dabei sogar die chemischen Formeln seiner Drogen runterleiern und die biochemischen Prozesse erklären, die in seinem Körper gerade statt finden. Die wissen sehr wohl was sie tun. Wenn sie sich dann genau damit umbringen, haben sie eben keinen Respekt vor sich selbst. Dann sterben sie eben aus, die kleinen Hosenscheisser, wenn sie zu dumm zum Drögeln sind. Aber deswegen wollen wir und alle anderen nicht 30 Rappen mehr für eine Bierdose bezahlen müssen.

Man glaubt in der Politik, dass man mit Information und Prävention soziale Probleme löst. Was heute in der Gesellschaft verloren geht, ist Respekt und Verantwortung. Zudem grassiert die Ignoranz, weil das System uns verblöden und gleichzeitig erziehen will. 90% aller Gestaltung im öffentlichen Raum ist affirmative Verblödungsarbeit an das System. Ist Ihnen das schon mal aufgefallen, oder erzählen wir Ihnen hier Tee von gestern?

Als wir noch Teenager waren, haben wir auch viele Drogen konsumiert. Aber weil im Bewusstsein der Gesellschaft noch der Kontrast zur Drogenszene am Letten und am Platzspitz war, kümmerte das kein Schwein.

Übrigens: Seit wann kümmern sich Politiker um saufende Kinder?
Das ist gezielte Ablenkung von anderen, wichtigeren Problemen. Ein paar Fragen hierzu: Was ist mit den Kampfhunden, wie viele Kinder müssen sie noch fressen, damit sich in Bern was tut? Ist unser Land für die EM 2008 bereit? Ist das Nazigold immer noch am Paradeplatz und warum? Hat sich die Bevölkerung noch immer nicht an die Flugschneise Süd gewöhnt, darf man, müsste man, sollte man vielleicht etwas daran ändern? Kriegen Frauen immer noch weniger Lohn als die Männer und warum? Und was soll jetzt das verdammte Hooligan-Gesetz?

Fazit
Die Politiker haben sehr hohe Saläre. Wir erwarten von ihnen, dass sie dafür arbeiten. Und endlich einmal damit aufhören, ständig das Volk zu geisseln mit Bussen, Geldstrafen und Steuern. Die Kriminalisierung von Jugendlichen, die hie und da mal über die Stränge schlagen, ist auch nicht fördernd für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit.

Zum Schluss noch: Lasst uns doch wenigstens das Bier! Wenn es so weiter geht, wird das Leben in diesem Land bald so attraktiv wie eine Gefängniszelle im Militär. Sauber, ruhig, ordentlich, ein wenig Lektüre (Dienstreglement und Bibel), und nicht mal ein Schnürsenkel, mit dem man sich erhängen könnte.


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