Fashion Statements
Text: Carlos Alto-Nivel
Datum: 10.05.2004 Aufrufe: 2201 Verschickt: 0
Es geht nicht darum, was du bist, sondern darum, was du trägst. Schon lange hat dieser prägnante Spruch auch in der Schweiz Einzug gehalten. Von Kiddies in zu breiten HipHop-Marken, über junge Ladies in Designerfetzen bis zu Topmanagern in massgeschneiderten Anzügen, alle wollen zeigen, wohin sie gehören. Wie ginge das einfacher als mit der Kleidung?
Den jungen Grünen zu erkennen ist ganz einfach. Es ist nicht nur, dass er riecht wie ein frisch geerntetes Hanffeld, er trägt es auch auf seiner Haut. Dazu passend ist eine dicke Brille mit Edelholzfassung, aber natürlich nur Greenpeace zertifiziert. Ein weit verbreitetes Trugbild ist jedoch, dass der typische Grüne stets Birkenstock trägt. Vielfach sind an den ungewaschenen Ökofüssen ein paar hypermoderne Sporttreter. Hier kommt es oft zum Zielkonflikt zwischen dem umweltbewussten Denken und der Geschwindigkeit beim Unterschriftensammeln für vier Pfoten. Zum Glück für unsere Natur- und Weltfreunde gibt es noch keine benzinbetriebenen Turnschuhe.
Nirgends gibt es solch grosse Unterschiede, was die Bekleidung angeht wie bei Bankern. Hier lässt sich der richtige Finanzmann vom Möchtegernbanker unterscheiden. Unser Ich-wäre-gern-Martin-Ebner sieht auf den ersten Blick aus wie ein normaler Geschäftsmann. Auf den zweiten Blick lässt sich aber folgendes erkennen: H&M Hemd,
Mersace Hose, die Krawatte war ein Weihnachtsgeschenk der farbenblinden Oma und der Anzug stammt aus der Erbmasse des verstrobenen Grossonkels. Den grössten Teil seines Lohns braucht der Kleinbänkler für den Unterhalt seines BMW's, den Ausgang in den In-Lokalen der vergangenen zwei Jahre sowie für die Miete des Einzimmer-Penthouses und den Unterhaltskosten für die Freundin, die denkt, er besitze wirklich viel Geld.
Der waschechte Banker trägt mit Vorliebe folgende Marken: Yves Saint-Laurent (BNP Parisbas), Ralph Lauren (Chase Manhattan) und Giorgio Armani (UniCredito Italiano), spielt Golf und lässt sich von Lederdamen regelmässig den Arsch versohlen, aber das wissen Sie ja bereits.
Bei jungen Teenagern sind breite, mit grossen, farbigen Schriftzügen verzierte Hosen im Trend. Dies, weil der Junge, obwohl er mit Dreizehn noch in die Hosen scheisst, cool aussehen will. Ebenfalls hoch im Rennen bei den Jüngern sind Strumpfkappen. In diesem Alter soll bewusst die Blutzufuhr zum Hirn verringert werden:
"Ey weisch, dämm chansch so rede wie fiftissssent redat, man. Weisch Fifti isch Gängschta und Gängschta isch imfall voll cool, ey!" Aha! Wieso die Hosen immer häufiger in die Socken gesteckt werden, weiss man noch nicht so genau. Vielleicht hat es etwas mit der Reihenfolge beim Ankleiden zu tun. Zum guten Glück tragen die meisten von den jungen Pischtolenräuber keine Unterhosen, das würde nämlich äusserst
blöde aussehen! Solch verschiedene Kleidungstypen gibt es noch zu Hauf. Da wären zum Beispiel das Girl, welches ihre Kleider auszieht, damit sie später noch teuerere Fetzen anziehen kann oder der Typ, welcher die Kleidung vor allem trägt, um zu zeigen, was er schon alles gegessen, geflickt oder wo er schon gesessen hat. Aber auf diese und andere Spezien wollen wir hier nicht genauer eingehen.
Interessant ist, dass mit Kleidern immer mehr ausgedrückt wird. Früher waren es vor allem politische Gesinnung (braun oder rot), sexuelle Orientierung (der ganze Regenbogen) oder die Religion (orange, weiss oder schwarz), die man mit den Stoffen repräsentierte. Heute zeigt man mit der Kleidung und/oder Accessoirs unter anderem sein
Sternzeichen oder zu was man steht, respektive was man
nicht gut findet. Auch wenn in Sache Fashion-Statements fast alles offen ist und man zeigen kann, was man will, gibt es auch ganz charakterlose Personen:
Die Blüttler.