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Kultur - Diverses
Von wegen "einfach verbunden". Wenn die pubertierende Mistgöre der Familie Beck mal wieder über den süssen Neuen in der Schule plappern muss, nervt das alle. Vater Beck: "Da könnt' ich ihr das Scheisstelefon echt in die Schnatterluke stopfen, also echt!"
Einfach verbunden: Episode 1
Text: Pryce Projectile Datum: 16.08.2007 Aufrufe: 3462 Verschickt: 0

Ja, ich weiss, Ihr habt mich vermisst, doch hier bin ich wieder. Nach gut drei Monaten Arbeit für dümm-dü-dümm! dümm-dümm-dümm!* hatte ich meinen ersten grösseren Ausfall: Akute Gastritis. Mein Wochenende war zum Kotzen. Doch in den drei Monaten sind auch andere lustige Dinge passiert. Deshalb führe ich nun Resümee in dieser ersten vollen Episode meiner neuen Serie.

Anmerkung: Dies ist die echte, volle Textversion. Sorry, Leute, die alte hab' ich zu früh zur Publikation freigegeben. Das war ein Fehler von meiner Seite. Aber wir sind ja alle nur Menschen - gut, einige sind auch McDonald's-Verkäufer. Aber jetzt lest den Text!

*) Phonetisch niedergeschriebene Version des altbekannten Swisscom-Werbejingles. Mit ein bisschen Fantasie wären Sie da also auch selbst drauf gekommen.


Kennen Sie Beck&Bondi ? Die sind der Renner. Als Family-Soap verpackte Swisscom-Werbung im (Bluewin-)TV. Krass, oder? Mit allem, was Herr und Frau Schweizer so treiben: Häusliche Gewalt, Drogenexzesse unter den Jugendlichen, Fremdgehen, und so weiter. Wenn Sie denken, Ihr Leben ist scheisse, sehen Sie sich mal das der Familien Beck und Bondi an. So. Das musste mal gesagt werden.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen an einen neuen Arbeitsplatz. Sie werden bei der Swisscom arbeiten, unserem helvetischen Stolz betreffend Telekommunikation (die Cablecom gehört ja jetzt den Yanks, hä, den Amis da drüben). Schicke Hemden mit "Blu Win" Aufdruck haben Sie bereits erhalten, sogar genau in Ihrer Grösse. Da gehen Sie in den Shop, hochmotiviert, der beste Bluewin-Promoter aller Zeiten zu werden, und was passiert? "Hm, ja, also im Shop haben wir keinen Platz mehr für Dich. Warte, ich hol dir ein Bartischchen, dann stellen wir Dir den Laptop da drauf. Im kleinen Eingangsraum." Dass es im kleinen Eingangsraum konstant 40 Grad warm ist, interessiert niemanden. Ausser mich, denn mich betrifft's. Yeah, baby, yeah.
Und dann? Verkaufen, verkaufen, verkaufen. Läuft gar nicht so schlecht, bin ja auch der geborene Verkäufer: Charmant, gutaussehend, zuvorkommend . "Ich bin Swisscom", darum bin ich stolz und glücklich, diese Arbeit zu verrichten. Dies äussert sich dann natürlich auch in meiner Verkaufsweise . So läuft das Geschäft also meist sehr gut. Ausser wenn's draussen schifft und pisst und regnet, dann verirrt sich keiner in den Swisscom Shop.
Mein Arbeitsplatz hat aber auch negative Seiten. Ich muss mich teilweise arg diffamierenden Kommentaren und Verhaltensweisen aussetzen. Klar, die meisten meinen's freundlich und so, aber nach dem zwanzigsten Mal regt's echt auf, Man! Dann ist's nicht mehr so lässig (yeah, baby, yeah). Hier also die denkwürdigsten Kommentare von Kunden:

  • "Huch, jetzt haben SIE mich aber erschreckt! Ich dachte glatt, sie wären eine Puppe!"
    What the fuck? Welche Firma, die etwas auf sich hält, stellt im Eingangsbereich Puppen vor Laptops?

  • "Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?" - "Ja, ich habe Probleme mit meinem Natel." - "Oh, tut mir leid, da kann ich nichts machen, ich bin nur fürs Festnetz da. Aber bitte, gehen Sie hinein, da werden Sie schnellstmöglich bedient!" - "Ebä ja, wieso halten Sie mich dann auf, hä?"
    ... hätte ja sein können?

  • "Guten Tag, mein Name ist SoUndSo*, ich habe mein Auto da hinten parkiert und komme wegen einem Speicherchip."
    Steht hier irgendwo "Anmeldung" oder "Auskunft"? Wie gross soll ich denn noch Bluewin an den Tisch schreiben?

  • "Hui, haben SIE's aber heiss hier."
    Ja, scheiss ins Bett! Hätten Sie das jetzt nicht gesagt, es wäre mir gar nicht aufgefallen! Danke!

  • "Ich schau' ja immer so gern Beck&Bondi."
    Siehe Textanfang.

  • Und viele mehr.


Sie sehen hoffentlich, es ist die Hölle. Einmal hab' ich aber zurückgeschlagen. Da kam so eine doofe Alte mit ihrem verpickelten, präpubertären Etwas von Sohn daher und sagt, sie habe keine Installations-CD für Bluewin erhalten. Kann aber nicht sein, denn die ist im Starter-Kit enthalten, und fest eingepackt und verschweisst. Ich kann's kaum glauben, und frage nach; da schreit sie 'rum und sagt: "Nein, jetzt hören Sie gopfertammi nochmal zu, ich sagte, ich habe KEIN MODEM bekommen!" Nun gibt es drei Möglichkeiten, mit solchen Leuten klarzukommen:

  • "Halt doch die Fresse, du hässliche Vogelscheuche! Dein Scheissmodem interessiert mich nicht! Frag doch deinen grenzdebilen Sohn, der programmiert Dir die Scheiss-Treiber bestimmt in einem Tag in BASIC ! Blöde Kuh!"

  • "Äh, ja, entschuldigung, da habe ich Sie doch falsch verstanden. Mein Fehler!"

  • "Sehen Sie, es gibt nun zwei Arten, wie's weitergeht: Entweder, wir reden miteinander wie zwei erwachsene Menschen, höflich und lösungsorientiert, oder sonst hat der Schreiner extra ein Loch in der Wand gelassen, welches Ausgang heisst."


Und stellen Sie sich vor, werte Leser, Nummer drei hat tatsächlich gewirkt! Von da an lief alles ganz, ganz lieb. Wer hätte das gedacht?
Sogar als Bluewin-Promoter muss man sich nicht alles gefallen lassen! Yeah, baby, yeah.

Mein Chef, der M.**, der ist ziemlich streng. Der ist eigentlich nie zufrieden mit meinen Verkaufszahlen, auch wenn die richtig gut sind! Aber meine Mitarbeiter sind auch nicht mit ihm zufrieden. Da wird gemotzt und gelästert. Vier Angestellte haben schon wegen ihm den Shop gewechselt! Krass, oder? Aber ich bleibe lässig hinter meinem Tischchen und sage "yeah, baby, yeah". Der Schteevau (Stellvertreter, Sie Phohophob) ist aber richtig cool, und seit er weiss, dass ich in der Schweizer Armee den Rang "Soldat" habe, will er zum Spass militärisch mit mir umgehen, denn er ist Hauptfeldweibel. Das find' ich aber nicht so lässig, und darum mach' ich eigentlich nicht mit. Ich sage nur beiläufig "yeah, baby, yeah" und zeige ihm die kalte Schulter. Oh scheisse, nächste Woche ist ja WK. Mist.

Dann, um 18:30 Uhr, ist mein Arbeitstag zu Ende, und ich freu' mich auf mein Bett. Nur werde ich statt von Dossiers schmeissenden Cheeseburgern nun von Handy's schmeissenden Bluewin-TV-Welcome-Kits verfolgt. Doch ein richtiger Bluewin-Promoter nimmt's lässig hin und sagt nur... na, was sagt er? Richtig: "Yeah, baby, yeah".

Lesen Sie bald: Einfach verbunden: Episode 2, gerade weil Sie wissen wollen, wie's weitergeht! Da chlöpft's und tätscht's dann wieder vor lauter lustigen Kunden und mürrischen Chefs. Die ADSL- und Bluewin-TV Abos haben Sie sich grade noch knapp erspart, aber wenn Sie den nächsten Text nicht lesen, kann ich Ihnen immer noch welche anmelden, so wird's auch dann noch teuer. Also, hopp!

*) Name dem Autor nicht mehr so geläufig.
**) Name... wenn ich Euch DEN sage, bin ich meinen Job los.


PS: Sollten Sie ebenfalls in meinen Berufsstand einsteigen wollen, PM an mich oder Kommentar inklusive E-Mail-Adresse schreiben. Wir suchen wieder junge, dynamische und grossbrüst-, ich meine, stark motivierte Leute!


Achtung, nicht weitersagen: Das dürfte ich eigentlich gar nicht. Aber weil mein Laptop so eine schöne integrierte Cam hat, konnt ich's nicht lassen. Prächtig, oder? Mir ist immer noch etwas schwarz vor den Augen. Das ist wohl noch die Gastritis. So läuft mein Arbeitstag in etwa ab. Und das knappe 15-mal am Tag. Den Rest der Zeit steh' ich dumm 'rum. Aber hey, nicht ernst nehmen. Bluewin ist wirklich richtig gut! Das in meiner Hand ist ein formschönes Bluewin-TV-Welcome-Kit.
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