Eine Jeansgeschichte
Text: Carlos Alto-Nivel
Datum: 19.05.2003 Aufrufe: 2527 Verschickt: 1
Was haben Buffalos, Levi's Hosen, Nike Air Max und Adidas Trainerjacken gemeinsam? Sie waren alle mal extrem trendy. Die Betonung liegt hierbei auf WAREN. Denn in unser schnelllebigen Welt hält selten ein Trend solange an, bis alle auf ihn aufspringen können.
Dieses Phänomen hat nun jedoch ein Produkt geschafft: Die Miss Sixty Jeans.
Eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art.
Zugegeben, sieht man zum ersten Mal eine Miss Sixty Jeans auf dem Auslageregal im Kleidergrossverteiler, erscheint sie einem nicht sehr auffallend, noch weniger anziehend.
Doch kennt man die Entstehungsgeschichte dieses Textilfabrikanten, staunt man nicht schlecht.
Gegründet wurde Miss Sixty von Magda Buscan, einer gebürtigen Ungarin, die in Litauen Textil- und Agrarökonomie studiert hat. Als sie in Taiwan ein Lager voller fehlfabrizierten und zudem eingegangenen Wrangler-Jeans zu einem Dumpingpreis kaufte, war ein neuer Stern am Hosenhimmel geboren.
Doch zum Kassenschlager war es noch ein weiter Weg. Die Jeans mussten mit dem Schiff nach Ecuador transportiert werden, wo in einem Arbeitslager für sozial Benachteiligte die Labels, das Kernstück dieses Textils, sorgfältig auf den Stoff aufgenäht wurden. Von dort aus wurden die Jeans, wieder mit dem Schiff, ins weltweite Miss-Sixty-Verteilzentrum nach
Orebro verfrachtet und dem Verkauf stand nun nichts mehr im Weg.
Über verschiedene Zwischenverteiler, die den fetten Braten wohl früh gerochen hatten, gelangte nun die ersten Exemplare in die Läden. Dank grosszügiger Werbemaschinerie von verschiedenen Printmagazinen wie der «Görl», der «Tierwelt» der «Annette» und «Unsere Freundin» schossen schon in den ersten Wochen Scharen modebewusster Teenies, sowie einige verwirrte Twens in die Einkaufstempel und kauften den ersten Bestand an Miss Sixty Jeans leer.
Das Buschtelefon der Mundzumundpropaganda verfehlte seine Wirkung nicht und so waren auch die nächsten Lieferungen binnen wenigen Wochen restlos ausverkauft. In
Baku wurde das zweite Miss Sixty Verteilzentrum eröffnet, so konnte nun einiges schneller ausgeliefert werden und Frau Buscan war endgültig eine Ikone.
Zu den wohl bedeutendsten Innovationen der damals noch jungen Firma zählen die verschiedenfarbigen Label an der Gesässtasche, die Einheitsgrösse, welche jeden Po so rüberbringt, wie er auch in Natura aussieht, sowie das nochmalige Waschen der Wrangler Restbestände, welche dadurch eine schon fast unverschämte Enge zeigten.
Gleichzeitig stieg Miss Sixty auch in den Sponsoringbereich ein. So finanzierte die Firma die Miss Bulimie wie auch die Miss Fett-Arsch Wahl aber auch einige lokale Events, wie das
Oberländische Turnfest. Einziger Wermutstropfen in der sonst so glorreichen Geschichte der Unternehmung war der Einstiegsversuch in die Welt der Männermode. Die Kollektion mit dem vielversprechenden Namen
Mister Forty war ein Flop auf ganzer Linie. Die Abschreibungen, die die Firma dadurch zu tätigen gezwungen war, beliefen sich auf mehrere Millionen.
Da nun auch die Hinterletzten aus den hinterletzten Käffern bereits einige Exemplare von Miss Sixty besitzen, wird zur Zeit das Unternehmungskonzept neu überarbeitet. Zwar gilt es als strenggeheim, doch Lismal.ch verrät Ihnen einige dieser vielversprechenden Pläne; die Miss Sixty Labels sollen in noch auffallenderen Farben gedruckt werden (Giftgrün, Pink, Purpur und Stabilo-Boss-Gelb), neben Wrangler- sollen nun auch Lee Restbestände ins Sortiment aufgenommen werden, Sponsoring der
Feministischen Partei Hamburg , Eröffnung des ersten Miss Sixty Friss & Kotz-Restaurant in Kassel.