Ein Euphemismus und ein Unwort
Text: Pino Loricato
Datum: 16.03.2007 Aufrufe: 1711 Verschickt: 1
Lismal stellt ihnen heute zwei Worte aus dem Feierabendblatt «heute» vor, die Fragen aufwerfen. Das eine Wort ist ein Euphemismus, der aus einer Waffe ein Werkzeug macht und das andere ist ein Wort, das von Fantasielosigkeit zeugt.
Der Euphemismus: Mehrzweckstock In der faschistischen Gemeinde ***Wallisellen, wo mittlerweile die «zehn Verbote» rasch und sauber wie ein **Suppositorium eingeführt worden sind, gibt es neuerdings eine SS, äh `tschuldigung ESS* neben der Gemeindepolizei, die schneller und effizienter an Übeltäter rangeht. Anders als im Nationalsozialismus in Deutschland formt sich diese Einheit nicht aus freiwilligen Begeisterten des Führers (den es hier nicht gibt), sondern aus gut ausgebildeten, trainierten, gut bezahlten Sicherheitsleuten irgendeiner Sicherheitsfirma (zeitgemäss).
Diese teure und kostenpflichtige ESS* konkurriert so mit der Gemeindepolizei (herkömmlicher „Freund und Helfer“) aber nicht wirklich. Denn festnehmen darf die Parapolizei ESS* jeden, nur verhaften darf sie niemanden, dafür muss sie selbst die Polizei rufen. Der Walliseller Spiessbürger hat nun die Wahl, ob er die Nachtruhestörung durch jugendliche Ausländer vor seinem Haus der Gemeindepolizei oder direkt der ESS* denunzieren will. Vor dieser Qual der Wahl stehen täglich italienische Bürger, da es dort die Polizia und die Carabinieri gibt, die sich in zivilen Einsätzen auch schon gegenseitig Schiessereien geliefert haben.
Jedenfalls wird in der Zeitung die ESS* beschrieben und es wird erwähnt, dass diese Herren in zivil mit Schusswaffe (Bleispritze) und Mehrzweckstock (Schlagstock, Prügel, Tonfa) unterwegs seien. Ein Mehrzweckstock? Ja wenn das ein Mehrzweckstock ist, ein Stock, mit dem man verschiedenes und einiges und mehr erledigen kann, warum kann ich dann so einen Mehrzweckstock nicht auch im Jumbo oder im Migros Do it yourself kaufen? Schlagstock heisst das Ding, fertig schluss. Es ist eine Waffe. Damit verteidigt man sich vor gewalttätigen Übergriffen und kann nach eigenem Ermessen auch ganz praktisch austeilen, wie man es im Fernsehen immer sieht.
Na gut, zugegeben, man kann damit auch anderes machen. Zum Beispiel kann man als Polizist oder ESS-Mann den Mehrzweckstock auch einem Penner unters Kinn halten und ihn freundlich, aber unmissverständlich bitten, die Sitzbank freizugeben. Oder auch fehlbaren Fahrradfahrern den Stock in die Speichen halten, dann kommen sie nicht mehr weit. Und natürlich kann man sich damit am Rücken kratzen wenn es juckt. Viele von Ihnen werden jetzt denken, dass wir vorschlagen, man könnte den Mehrzweckstock auch für gruselige Sexspiele mehrzweckentfremden, aber das werden wir nicht tun. Oder
doch. Das Unwort: Vogel-Rauswurf Rahmengeschichte: Der Trainer der schweizerischen Nationalmannschaft Köbi Kuhn wirft Johann Vogel aus der Mannschaft aus diversen, schleierhaften Gründen. Vogel sei arrogant und böse, meinen die einen, andere glauben an eine Verschwörung, er werde gemobbt, da sind noch alte Schuldzuweisungen wegen den verschossenen Elfmetern in Deutschland, die uns weltweit zum Gespött machten. Diese Endlosdiskussion überlassen wir den Medien.
Tatsache ist, dass die Schweizer Nati aus einem Haufen Weicheiern besteht, die zusammen die «Harmonie» suchen und der Trainer achtet darauf, dass die «Chemie» stimmt, ein bisschen wie in einer Esoteriker-Selbsthilfegruppe. Was der Schweizer Fussball braucht ist ein Blockwechsel im Nati-Kader. Die sollen alle weg.
Würde die Schweiz nämlich damit beginnen, starke, schnelle und muskulöse Afrikaner einzubürgern, hätte sie sehr bald eine fast so effiziente und siegreiche Mannschaft wie Frankreich. Die meisten Schweizer sind an grossen Turnieren nämlich jedes Mal Frankreich-Fan, wenn die Schweiz nach Hause gefahren ist. Na also, da hat der Slotzower* ein Modell wie er es machen soll und reagiert nicht, eine Pfeife halt.
Zurück zum Thema, zum Unwort: Vogel-Rauswurf. Das steht auf der Front-Seite von «heute»:
Rettet Köbi eigenen Kopf mit Vogel-Rauswurf? Das Wort ist blöd, weil wenn man etwas oder jemanden von irgendwo rauswirft, dann fällt er/sie/es zu Boden. Ein Vogel nicht, wer einen Vogel aus einem Fenster wirft, wird staunen, aber ein Vogel fliegt weiter. Weil der Vogel fliegen kann, ist doch logisch. Vogel-Rauswurf ist ein sehr blödes Wort. Dem Erfinder dieser Wortkomposition sollte man einen Mehrzweckstock quer hinten einführen, und anschliessend in den Arsch treten.
Fazit Wenn Sie ein neues Wort kennen lernen, überlegen Sie sich, ob das Wort gut ist oder nicht. Es gibt schlechte Worte, die in Mode kommen und wieder verschwinden. Danach schämen sich alle, die es verwendet haben.
Links http://www.20min.ch/news/zuerich/story/14123264 Glossar *ESS = Euro Security Service
** Suppositorium = Zäpfchen
*** Die zehn Verbote von Wallisellen = Die jüngste aller Sagen aus der bünzligen Mythologie. Und die geht so: Es ging ein Spiesser durch Wallisellen und langweilte sich herrlich. Doch dann sah er Jugendliche, die Dreck produzierten, rauchten, spuckten, auf den Boden kackten und einander vergewaltigten. Das gefiel ihm gar nicht, dem Spiesser. Er wanderte auf den Berg und suchte eine Antwort. Da begegnete er einem brennenden Abfalleimer, der zu ihm sprach: "Was eure Gemeinde braucht ist eine anständige Verbots- Buss- und Strafpolitik, werter Herr." Und der brennende Abfalleimer speihte Flammen, welche zehn lustige Verbotsgrafiken auf zwei Verbotstafeln brannten (je fünf), mit denen der Spiesser vom Berg herunterkam und sie dem Bürgermeister überreichte. Zusammen freuten sie sich so sehr ob dem Wunder, dass sie sofort heftigen Analsex miteinander hatten und die Verbote als beschlossene Sache absegneten.