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Kultur - Diverses
Das passiert in Zürich jeden Tag.
Die Zürcher Gastronomie
Text: Pino Loricato Datum: 18.10.2006 Aufrufe: 2455 Verschickt: 0

In letzter Zeit mehren sich wieder Medienberichte über unfreundliche Bedienung in Zürcher Restaurants und Bars. Ein jeder von uns hat schon mal erlebt, was das heisst, wenn man in Zürich nicht nur teuer für alles Mögliche bezahlen muss, sondern auch noch mies behandelt wird. Aber das hat alles seine Gründe, wirklich. Wir können es erklären.

Es herrschen strikte Regeln in Zürichs Ausgangslokalen. So ausgelassen und locker die Atmosphäre in einem Lokal auch immer sein mag, der Schein trügt. Man wird abserviert von den Leuten die im (Ab-)Service arbeiten. Als Begrüssung fliegt Ihnen bereits eine Flasche entgegen die Sie beschimpft und zurechtweist. Wenn es dann zu und her geht wie in einem Psycho-SM-Studio, dann sind Sie richtig. Willkommen in Zürich.

Die Gegenseite
Kennen Sie Leute, die im Service arbeiten? Die hört man die ganze Zeit jammern, wie unfreundlich, arrogant und eingebildet gewisse Kunden seien. Die nerven einen und man sei dann den ganzen Abend schlecht drauf. Sehen Sie! Jetzt wird uns einiges klar. Die schlechte Laune, die das Personal bei den blöden Kunden absorbiert, serviert es bei den nächsten lieben Kunden wieder ab.

Weitere Gründe: Die Spielregeln des Lokals
Manchmal haben die Konflikte aber überhaupt nichts mit zwischenmenschlichen Problemen zu tun, sondern ganz einfach mit den Spielregeln des Lokals, welches das Personal dazu verpflichtet, streng zu sein und der Kundschaft Disziplin beizubringen. Nulltoleranz und so.
Momentan kämpfen die Zürcher Gastrobetriebe vermehrt gegen das Picknicken (wen wundert’s) auf ihrem Hoheitsgebiet. Gegen Picknicker hilft Pfefferspray oder aber man kann sie mit der Hellebarde rauspieken, es kommen sowieso immer wieder neue Idioten herein, die sich gastronomisch vergewaltigen lassen.

Anekdote aus Zürich
Als ich kürzlich mit einem kleinen Stück Brot in einer hübschen, lässigen Bar mit Jazzmusik sass, wurde ich von einer «Polizeischülerin» angeknurrt (Ostschweizer Dialekt) und mit erzieherischem Ton vor die Türe geschickt. Draussen vor der Tür, wo es kalt und dunkel war, ass ich mein Stück Brot fertig und kam nach dreissig Sekunden wieder herein. Dann erst durfte ich mein Bier bestellen, das tat ich aber bei einer anderen Servierdüse, die etwas netter war (aus rechtlichen Gründen kann man wahrscheinlich nichts bestellen, wenn man fremdes Brot in den Händen hält). Otto Sugus ist mein Zeuge, er war dabei und sagte nach dieser kleinen Turnübung zu mir: «Ja. Wir sind halt in der Schweiz. Die haben es gar nicht nötig. Es gibt hier Leute, die kaufen Jeans für 800 Franken.» - Genau. Prost!

Fazit
Frust und Wut wird an den Kunden ausgelassen, die unter Schimpf und Streit ihre Bestellungen konsumieren sollen, die sie am Ende teuer bezahlen müssen.
Man erntet auch einen verwunderten Blick, wenn man kein Trinkgeld gibt, als wäre es selbstverständlich, dass man das immer tut.
Manchmal bezahlt man die Rechnung bloss, weil man zu faul ist um sich blitzartig zu verpissen und die Zeche zu prellen. Wenn man das aber tut, muss man schnell und unauffällig sein, Zürich ist voll mit Bullen gespickt, da läuft der Radetzky-Marsch rund um die Uhr.

Unser Tipp: Essen Sie zu Hause, trinken Sie bei Freunden, willkommen in Zürich.


Nachtrag
Die allerschlimmste Anekdote von ganz bösem Service erlebte ich aber nicht in Zürich, sondern in Paris. Wir waren zu fünft und setzten uns nachmittags draussen an einen Tisch von so einer Brasserie, Bistro oder wie diese Räuberhöhlen dort heissen. Dann kam so ein wildschweingesichtiger Rüpel vorbei, der uns als erstes fragte woher wir kämen. Unsere Boygroup bestand aus den Nationalitäten Schweiz, Italien, Kroatien, Montenegro, klar doch. Wir sagten ihm, dass wir Schweizer seien. Darauf beschimpfte er uns immer wieder lauthals als «Lügner», «Ausländer», «Bastarde» und «Russen», während er uns bediente, so dass sich das ganze Restaurant nach uns umdrehte. Er schüttete Wasser und Kaffee über uns und haute uns seine Delikatessen heftig auf den Tisch, dass von dem Futter noch was aus dem Teller hüpfte. Wir waren vom Vorabend noch genug müde, dass uns dieses Verhalten irgendwie am Arsch vorbeiging, wir lachten sogar darüber. Es war einfach so absurd. Aber das ist dort Alltag. Es wunderte uns dann auch überhaupt nicht, als kurz darauf in derselben Stadt Autos brannten. Die Zeit war dort reif für so was.


Jazzmusik klingt so: http://broadcast.infomaniak.ch/radios/radiojazz_player.html

Die Miss Universum hat uns wieder einmal die Idee zu einem Text geklaut, bevor wir die Idee überhaupt formuliert hatten. Mann, die ist schnell! Hier.

Machen Sie mit bei unserer Umfrage, erzählen Sie uns wie Sie darüber denken!




Das passiert in Zürich jeden Tag. Das passiert in Paris, jeden Tag. Das passiert nicht nur mir. Das "Fhhhölein" hat gewiss recht, aber wie sagt man so schön: «c'est le ton qui fait la musique.» Sehen Sie, es gibt auch böse Gäste. Ach, in Zürich sind eben alle asozial.
Was?! Sogar im Rosso! Man ist nirgendwo mehr sicher. Von Berlin nach Zürich, wir spielen den Ball weiter nach Paris. «Schnell» ist gut, «unauffällig» besser und vor allem in Zürich sehr wichtig.
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