Die Sommerloch Revue
Text: Jürgen Brandstifter
Datum: 12.08.2005 Aufrufe: 2264 Verschickt: 1
Wir alle kennen die Situation: man war mal wieder ein paar Wochen am Strand um die Solariumbräune etwas aufzufrischen. Und dort gabs natürlich keinen Sonntags-Blick, sondern nur die internationale Ausgabe der NZZ. Und die kann man wegen dem ganzen Restalkohol vom Vorabend nicht lesen, weshalb man zwar perfekt gebräunt zurückkehrt, aber keine Ahnung hat, worüber die anderen so reden.
Aber da helfen wir gerne nach. Wir haben nämlich alle Zeitungen gelesen und fassen nun für Sie zusammen, was in den vergangenen Wochen so passiert ist. Schliesslich ist es eine gängige journalistische Arbeitsweise, im Sommer einfach das abzuschreiben, was die anderen so schreiben.
Die Bärenschande Kaum zu übersehen war da natürlich der Aufschrei, der nach dem 1. August durch den Blätterwald hallte. Einige Glatzköpfe hatten nämlich
Sämi Schmid bei seiner Ansprache auf dem Rütli einen Halb-Bundesrat geschimpft, worauf dieser mit den Tränen kämpfte. Blick vertrat vehement die Ansicht,
dass Nazis böse sind. Aber noch ein ganz anderer gab der ausländerfeindlichen Bewegung mächtig Aufwind. Nämlich sorgte ein illegaler Einwanderer für Aufruhr, der über die grüne Grenze in unser Land gekommen ist. Der
Braunbär, wir nennen ihn mal etwas dümmlich "Meister Petz" (wie alle anderen auch), geriet sofort in Konflikt mit den Behörden. Und wie bei jedem anderen Ausländer fragten sich diese, wie nun vorgegangen werden soll: die Schafzüchter wollten den lieblichen Teddy kurzerhand erschiessen, die Polizei wollte ihm mit Gummischrot zu Leibe rücken. Während
Jürg Ramspeck im Blick
kalauerte, dass man vor lauter Lachen kotzen möchte, hielt die Sonntags-Zeitung den Bären für einen entlaufenen
slowenischen Zirkusbären. Sollte das Abkommen über die Personenfreizügigkeit nun angenommen werden, müsste der Bär dank der EU-Osterweiterung in der Schweiz geduldet werden. Die SVP möchte ihn deshalb noch vor der Abstimmung erschiessen.
Ungewaschene Hippies In Zürich musste sich die SVP unterdessen mit ganz anderen Sorgen herumschlagen. Ungewaschene Hippies hatten am Sihlufer nämlich einfach so, ohne zu fragen, ein paar
Baracken errichtet. Und wieder einmal sah nur einer die Gefahr, die vom linken Gesocks ausging, das sich an diesem gänzlich ungenutzten Flecken breitgemacht hatte:
Mauro Tuena. Er reichte einen
Vorstoss beim Gemeinderat ein, der eine Erschiessung bzw. eine Intervention mit Gummischrot nahelegte. Neben besagter linksradikaler Gefahr suchte ein weiterer Freidenker die Schweiz heim: Der
Dalai Lama vermochte allerdings bloss einige fundamentalistische Freikirchler zu erzürnen, der Rest der Nation überbot sich bei seinem Besuch gegenseitig an Toleranz und Mitgefühl. Und strömte zahlreich ins
brandneue Hallenstadion. Stadien und andere Langweiler Denn nicht nur über den Dalai Lama, sondern auch über das neue Hallenstadion haben sich alle mächtig gefreut. Da sind jetzt nämlich Polstersitze drin, aber davor steht immer noch die Skulptur von Kurt Laurenz Metzler. Weil die Eishockeyspielerfigur nicht so multifunktional ist wie das neue Stadion, will die städtische Kunstkommission das Ding einschmelzen. Kunst ist nämlich multifunktional. Oder so.
Auch Bern hat ein neues Stadion: das
Stade de Suisse. Samuel Schmid warf nach einer flammenden Rede und einem energiegeladenen Auftritt (bei dem der Bundespräsident laut Augenzeugen mit den Tränen kämpfte) Hakan Yakin einen Ball zu. Anschliessend verlor Hakan mit YB vor 150 Zuschauern 3:0 gegen GC.
Und was wir daraus gelernt haben Damit dürften Sie, liebe Urlauber, wieder so in etwa auf dem Laufenden sein. Hoffentlich war ihr Urlaub besser als diese langweiligen Seitenfüller. Gelernt haben Sie dabei ja wohl kaum etwas. Wir jedenfalls mit Sicherheit nicht.
Weiterführende Literatur Sommer- und andere Arschlöcher: Lismal und das Sommerloch.