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Kultur - Diverses
Teilen Sie Ihren Freundeskreis auf und observieren Sie wichtige Ecken in Ihrem Viertel, hier am Beispiel der Zürcher Innenstadt. Spionieren ist wieder IN.
Die Rückkehr der Privatdetektive
Text: Pino Loricato Datum: 12.10.2006 Aufrufe: 2803 Verschickt: 0

Der Kalte Krieg ist vorbei, die Mauer gefallen, die SU aufgelöst. Niemand hat mehr Angst vor Russland, die Fichenkarteien wurden verbrannt, Spione und Privatdetektive sind sinn- und arbeitslos geworden oder haben seit den Neunzigern eine Anstellung als Taxifahrer oder Hauswart gefunden. Privatdetektive sind völlig aus der Mode gekommen? Nein, sie sind zurück.

Polizei und Armee genügen nicht
Da eben ein neues Angstzeitalter angebrochen ist, nämlich das des globalen Terrorismus, braucht es wieder Schnüffler, die Gewissheit schaffen, die aufpassen, ermitteln, die ungesunde Elemente in unserer Gesellschaft aufspüren und den Ordnungshütern zuspielen.
Nein, niemand will noch mehr Polizisten oder Soldaten in der Stadt verteilen, die nützen nichts. Die Angst geht um auf dem ganzen Globus, deshalb sind Spione und Privatdetektive wieder IN. So sind sie wieder gefragt: Stümperhafte, scharfsinnige Schlaumeier, die den Durchblick haben und sich auf ihre Intuition verlassen, mit Mantel und Hut, darunter eine Knarre und ein paar unschöne Abhör-, Ablausch- und Nachtsichtgeräte. www.spionagemarkt.de

Der Strategische Nachrichtendienst schläft
Warum denn das? Misstrauen, Argwohn und Intoleranz haben sich wieder breit gemacht, weil kein Mensch auf dieser Welt noch sicher ist, und das mit gutem Grund: Terroristen könnten in Ihrer Nachbarschaft den „Brand von Rom“ oder die „Zerstörung von Paris“ vorbereiten. Aber garantiert! Während Terroristen in Brixton sitzen und den „Untergang von Spreitenbach“ planen oder bereits Sprengsätze am Sihldamm deponiert haben, sitzen unsere Bundesbeamten am runden Tisch und diskutieren über zivile Sprengstoff-Schnüffelhunde für die EM 2008.

Diese oberkrassen Terroristen sind sehr unscheinbar, sie tragen weder Kopftücher noch Bärte wie Osama Bin Laden, auch sind sie nicht mit einem "Ich bin auch ein Terrorist"-T-Shirt im mittleren Orient unterwegs. Allein deshalb ist Krieg die falsche Antwort auf die üblen Schurken, die den Weltuntergang herbei schwören. Es könnte auch der Filialleiter des Lebensmittelgeschäfts in Ihrer Nähe sein, die grinsen immer so eigenartig aus ihren Plakaten heraus.

„Wenn sich jeder um sich selbst und seinen Nachbarn kümmert, ist für alle gesorgt.“ B.K. Burkner, 1975

SD und SVP bringen nichts
Um den wahren Terroristen und Delinquenten in dieser Gesellschaft aufzulauern und sie den Ordnungshütern zu übergeben reicht es nicht, SVP oder SD zu wählen. Beides Parteien, die uns versprechen, sie würden alle „Sozialschmarotzer“ und „Kriminaltouristen“ (vor denen wir uns ja so fürchten, weil darunter bestimmt einige Terroristen sind, die gerade ein Netzwerk aufstellen) zurück ins Elend befördern wo sie hergekommen sind. Es nützt auch nichts, gegen den Bau von Minaretten zu wettern und scharfe Asyl- und Ausländergesetze aus dem Hause Blocher zu befürworten, es trifft nämlich die Falschen.

Auch Zeitung lesen und Nahkampfausbildung reichen nicht
Es genügt nicht, die 20 Minuten Zeitung zu lesen und den Kopf zu schütteln, nein, man muss mehr tun. Zum Beispiel den Scharfblick schulen, Fahndertechniken lernen, sich ausrüsten mit hochtechnologischen Geräten.
Lautlos töten, Fallen stellen und die ganze Arglist des Krieges haben wir im Militär schon gelernt, aber das nützt nichts um die Hexen und Brunnenvergifter von heute zu ermitteln.
Dieser ganzen wachsenden Zunft von Delinquenten in unserem Land stehen Bürger gegenüber, die Sudokus lösen, Vibratoren testen, Promi-Klatsch-Hefte studieren, Lotto spielen, arbeiten, Steuern zahlen, rechts wählen. So verlieren wir den Krieg, meine Damen und Herren!

Rüsten Sie auf, oder...
Die einzige Möglichkeit etwas zu tun: Lassen Sie sich zum Privatdetektiven ausbilden! Besuchen Sie die Detektivschule auf www.sao-nat.ch und wählen Sie Ihren Ausbildungslehrgang: Informant (4 Lektionen, 1 Monat, 185.- Franken), Beobachter (6 Lektionen, 3 Monate, 295.- Franken) oder Privatdetektiv (30 Lektionen, 6 Monate, 1410.- Franken) oder den speziellen Privatdetektivlehrgang der über 4000 Franken kostet. Die Ausbildung ist nicht umsonst, aber günstig ist sie allemal. Wenn Ihnen das immer noch zu teuer ist, dann warten Sie ab. In ein paar Jahren erhalten Sie denselben Kurs viel billiger bei der Migrosklubschule.

Da haben wir die Lösung. Vorbei die Zeiten, als Sie vor dem Fernseher gesessen haben und über die Fähigkeiten und den Mut der FBI-Spezialagenten Mulder und Scully gestaunt haben, jetzt sind Sie dran!

Kaufen Sie zusätzlich Geräte ein bei Klang und Kleid oder direkt bei der SAO (Schweizerische Agenten Organisation) und beginnen Sie damit, den Teenager in Ihrem Nachbarhaus zu beobachten, wenn er draussen mit seinen Freunden spricht und notieren Sie alles was er sagt. Belauschen Sie Ihre Nachbarn, spionieren Sie in deren Garten, auch nachts mit dem RLV, füllen Sie Fichen aus und schicken Sie diese paketweise nach Bern.

Schnüffler von Beruf und aus Leidenschaft
Dieser Job ist vielfältig. In der neuen Position werden Sie ganz neue Erfahrungen machen: Sie werden einem Mann beweisen und erklären können, dass ihm seine Frau untreu war, in Bild und Ton. In der Freizeit können Sie aber auch Ihrer Nachbarin die Bilder anonym zuspielen, auf denen das Auto des Ehemannes vor dem Bordell parkiert ist. Erzählen Sie der Rentnerin in ihrem Wohnviertel, wo sich ihre Katze nachts rumtreibt. Verwanzen Sie eine Studenten-WG und bringen Sie in Erfahrung, ob dort umstürzlerische Pläne geschmiedet werden. Und beobachten, entlarven, ja denunzieren Sie Schwarzarbeiter und illegale Menschen.

Fazit
Wenn Ihre Freunde mit Feldstecher, Nachtsichtgerät und einer Armbanduhr mit integrierter Kamera rumlaufen, wird es Zeit, entweder aufzurüsten um mit dem neuen Trend mitzuhalten, oder solche Freundschaften sofort zu kündigen. Der Autor empfiehlt Letzteres. Oder meinen Sie, auswandern sei eine Lösung? Wenn ja, wohin?

Machen Sie bei unserer Umfrage mit. Wir wollen wissen, wie die Einstellung unserer Leserschaft zu diesem sehr heiklen, komplexen Thema ist.




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