Die Garde
Text: Hubert Weiss
Datum: 25.08.2003 Aufrufe: 2434 Verschickt: 0
Nahkampf, unter feindlichem Beschuss eine Informatikzentrale aufbauen, sich durch feindliche Linien zum HQ zurückschlagen, durch Minenfelder robben, ethnische Säuberungen und Psyops um den Gegner zu demoralisieren.
Das hat auch diese Woche nicht stattgefunden. Zum Glück, ich bin ja nicht lebensmüde. Nein, diese Woche war wieder einmal mehr ein Lückenfüller. AGA (Allgemeine Grundausbildung) meiner Meinung nach höchstgradig GAGA. Diese Woche hatte ich zudem die einmalige Gelegenheit, in der Küche hinter die Kulissen zu sehen. Eindrücklich! Ich wusste gar nicht, dass man fast einen ganzen Tag braucht, um gut 2'000 abgelaufene Joghurts das Spülbecken hinunterzuleeren. Nun ja, sie waren eh von Nestlé. Das sind die Bösen, die in Afrika den Armen Milchpulver verkaufen, damit die dann aus dem schmutzigen Wasser Milch herstellen.
Slang Nach der AGA ziehe ich die LÜGA aus und mache PD/ID, bevor ich aber die Waffe ablege, mache ich noch eine PSK, gegen 22.00 ist dann LILÖ. Verstehen Sie nichts? Eben, ich auch nicht und dass kann nach 6 Wochen zu Komplikationen führen, weil alle meine Kameraden schon recht gut mit den Abkürzungen zu recht kommen.
Sponsoring Interessant finde ich das «Product Placement» in der Armee. So sind beim Hindernislauf die Fähnchen mit ZKB beschriftet und auffällig oft findet man in einer interessanten Theoriestunde ein
RUAG Kugelschreiber. GSOA oder SP Filzstifte habe ich noch keine gesehen, wahrscheinlich sind die von minderer Qualität. RUAG ist übrigens die Firma, welche Munition für das STGW 90 herstellt. Eine solche Patrone flitzt mit 905 m/s aus dem Lauf (ja, sowas lernt man im Militär). Bei dieser Geschwindigkeit muss man nicht mal richtig treffen, um zu töten, ein Streifschuss reicht auch schon. Auch sonst haben sie interessante Spielzeuge im Sortiment. Die Splitter HG wurde so konzipiert, dass sie auf einer kleinen Fläche möglichst viel Schaden anrichtet - sich aber nicht zu weit verstreut bei der Zündung. Dies alles wird unter dem marketingtechnisch ausgefeilten Namen «Defence Products» verkauft.
Die Krankenabteilung betreibt eine subtilere Art des «Product Placement», so kriegt man in 99% der Fälle Ponstan oder Voltaren. Sämtliche Symptome, ausgelöst durch psychische Leiden oder banale Knieverletzungen, kann man mit Ponstan unterdrücken. Eigentlich sollte jeder Soldat eine Notration Ponstan erhalten.
Gotteskrieger Diese Woche bin ich auf eine lustige Broschüre gestossen: «Ich werde Schweizer Gardist» heisst sie. Eigentlich das nächstbeste zu einem Mujaheddin. Man muss sich «mit Leib und Seele für die Sicherheit des
Papstes einsetzen», vorgängig empfiehlt sich wohl ein Praktikum in einem Altersheim für Demente oder einem Trainingscamp in Afgahnistan. Ideal für alle, die in der RS vom Kadi noch nicht genug angeschrieen wurden, gerne Hellebarden schwingen (z.B. vor und auf Touristen) und Teletubbie Kostüme tragen.
Ficken Als Rekrut wird man im Militär viel gefickt. Deshalb waren wohl auch im Soldatenpäcklein drei Kondome der Expo 02 enthalten. Leider haben die besagten Kondome nichts genützt, als die ganze Kompanie eine halbe Stunde Ertüchtigungsübungen machen durfte, weil wir nicht richtig über den Kasernenplatz gelaufen sind. Wie in
Leni Riefenstahls Filmen marschierten etwa 200 Mann im Gleichschritt über unseren AV-Platz. Leni! Was hätte das nur für Bilder geben können und das noch an Deinem 101 Geburtstag!
Merksatz nach Walder:
- (Hat zwar nichts mit dem Schweizer Militär zu tun).
Ein Wortspiel: Kindersoldaten in Afrika kämpfen in der Infantilerie.
PS: Leider habe ich meine SmartMedia Karte vergessen, deshalb gibt es diese Woche nur das Bild vom schlafenden Rekruten.