Der Sinn des (Party)-Lebens
Text: Zuzu
Datum: 12.10.2005 Aufrufe: 3032 Verschickt: 2
Gestern war ich mit ein paar Freunden in einem bekannten In-Club in Zürich. Ein lauer Spätsommerabend, wir tanzten, tranken und liessen Petrus weisse Flöcklein schneien. Wir fühlten uns als extrem gutaussehende, höchst eloquente Nobelpreisträger mit der sexuellen Anziehungskraft eines schwarzen Loches. Auf die Andern, die Petrus schlafen liessen, wirkten wir eher wie Christoph Daum, der weisse Puderreste an den Nasenlöchern hat und sich um Kopf und Kragen quasselt.
Aber der Abend fühlte sich nicht perfekt an- ich kam nicht umhin mich zu fragen, woran es wohl liegen mochte. Trug ich die falschen Kollektionen? Wurde meiner neuen Balancia Bag zuwenig Aufmerksamkeit entgegengebracht? Oder schmerzten meine Füsse für meine Verhältnisse nicht genügend?
Und das sind viele Fragen, wenn man durch ein weisses Pulver suggeriert bekommt man sei umwerfend...
Ich spürte eine solche Leere in mir, wie Britney nachdem sie das gigantische Riesenbaby aus dem Bauch gepresst hatte. Also sehr, sehr leer. Die verzweifelte Suche nach Bestätigungen von heiratswilligen Goldküstenanwohnern endete mit einem Absatz einer blonden Tussi in meinem Bauch. Sie hatte es doch eigentlich gar nicht nötig auf dem Tischchen der Lounge zu tanzen, ihren Arsch sah man auch aus 10 km Entfernung. Aber ich wollte mich nicht wegen solch monströsen Nebensächlichkeiten aufregen, ich hatte nach dem Abflussrohr meiner Seele zu suchen, dem schwarzen Loch meiner Freuden. Ich hatte eine Mission.
Der Abend ging langsam zu Neige und der neue Tag brach an. Alles hatte seinen gewohnten Rhythmus gefunden. Ich legte mich regelmässig auf den Boden, weil ich vermutete es könnten Raumschiffe über meinen Kopf hinweg fliegen. Mädchengangs mit weissen Näschen, kleinen Füsschen und grossem Busen traten nach einer Gleichgesinnten, die dem weissen Näschen eine rote Verzierung aufsetzte und nicht mehr atmete- Besser schauen, dass die Schlampe ganz ausgeschaltet ist, stimmts ?
Irgendwo am Boden des Clubs fanden mich meine Begleiter. Wie immer. Die obligaten Wetten über den nächsten Einzug in die Entzugsklinik wurden abgeschlossen und der Abend für beendet erklärt.
Lange lag ich wach. Zum einen wegen den Gedanken die mich noch wach hielten, zum andern wegen des drehenden Betts. Der Spiegel an der Decke zeigte eine verkrümmte Person, die sich krampfhaft an einem Kissen festzuhalten versuchte, damit sie nicht vom Karussell geschleudert wurde. «Erbärmlich», schoss es mir durch den Kopf- aber immer noch besser als der Arsch der anderen Schlampe. So denken wir Chicks mit Prada-Bibel und Gucci-Glaubenssätzen. Jede Frau, sobald sie die gängigen Normen unserer Kaste erfüllt, ist eine potentielle Konkurrenz.
Aber ich hatte meine Mission noch nicht abgeschlossen - woher kam diese verdammte Leere? Ich beschloss meinen Auftrag auf 4 Stunden später zu verschieben; schliesslich findet wohl niemand eine Agentin mit Augenringen geil, stimmts Jungs?
Der Wecker läutete, ich fühlte mich wie Grossarsch in einem Raum voller Miss Sixty Jeans in Grösse 26: verloren. Das Scheissgefühl war noch immer nicht verschwunden. Na ja, wenigstens hatte ich nun einen Grund für das total schwarze Outfit mit den gefährlichen Lederpumps. Agentin SNOW WHITE, oder besser LAVA BLACK. Auf meinem neuen Blackberry hatte ich bereits die Klagen der anderen Mitstreitern vom Vorabend - Kopfweh, Kreditkartenlimit erreicht (und das braucht viel, glaubt mir), etc... Probleme über Probleme. Meine Zungenspitze brannte vom vielen rauchen und Nasenbluten bei der geringsten Erschütterung hatte ich auch, ich fühlte mich schrecklich. Ich kam gegen 10 Uhr ins Büro meines Alten, Alibi einer jeden höheren Tochter ohne Schulabschluss und Zukunftsperspektive. Erzählte meinen Freundinnen vom gestrigen Abend - während ich so vor mich hin sprach, schluckte das verdammte schwarze Loch in mir drin jegliche Freuden weg. Ich hatte doch Spass, oder?!
Und da war die Erkenntnis des Tages, des Monats, des Jahres- Wir wurden von keinem einzigen Partyfotografen ins Visier genommen. Ich konnte niemandem zeigen wie toll, ja ausgesprochen geil, die Party war. Musste die Tatsache verkraften, dass ich diese Nacht nur für «mich» erlebt, ertragen hatte. Na Prost!
Schluss des Seelenschmerzes, tiefgründig ist out. Die Moral von der Geschicht: Party feiern oder nicht, Hauptsache du vergisst den Fotografen nicht.
Cheers ZUZU