Der Mann im Klo
Text: Hukbald Klötzli
Datum: 05.11.2004 Aufrufe: 2024 Verschickt: 6
Wie funktioniert eigentlich die automatische WC-Spülung in öffentlichen Pissoirs? Danach gefragt, antworten viele mit „durch Infrarot“, „mit einem Laser“, „machen das die Illuminati?“ oder ähnlichen Blödsinn. Lismal ist für Sie der Frage nachgegangen und hat die verblüffende Wahrheit aufgedeckt. Spülen tun nicht die Illuminati, sondern der Mann im Klo!
Jeder Mann kennt die Prozedur: Hosenstall öffnen, sich möglichst treffend erleichtern, abschütteln, Hosenstall zu, weglaufen. Gespült wird automatisch. Doch kaum jemand weiss, wie viel Arbeit hinter dem automatischen Spülen steckt. Dabei ist dafür praktisch die ganze Sippschaft
Geberit nötig. Vielfach, gerade in öffentlichen Toiletten, sind 24-Stundenschichten angesagt. Und obwohl ganz offensichtlich ein
Sehschlitz angebracht und mit einem Namensschild versehen ist, denkt niemand darüber nach, wer denn eigentlich die Spülung betätigt.
Das geschieht nicht einfach durch Zauberei, sondern ganz normal durch Drücken eines Knopfes. Dieser ist allerdings nicht vorne am Urimat angebracht, sondern dahinter. Betätigt wird er durch den Mann im Klo, meistens ein Angehöriger der Familie Geberit. Diese sitzen in der Wand hinter dem Pissoir, beobachten durch obengenanntes Fensterchen den WC-Raum und betätigen die Spülung, sobald jemand fertig ist. Die gängige Meinung, es handle sich beim Auslöser um einen Laser ist ebenso abstrus wie beleidigend für die Familie Geberit, deren harte Arbeit niemand anerkennt geschweige denn angemessen würdigt. Lismal hat ein Mitglied der Familie zu seiner Arbeit befragt:
Lismal: Wie sieht ihr durchschnittlicher Arbeitstag aus?
Geberit: Ich stehe um drei auf, denn ich muss schon um fünf in der Wand stehen. Dort stehe ich dann bis 23:00 Uhr. Pausen gibt’s keine. Ich muss also auch in der Wand essen. Aber schliesslich könnte sich ja jederzeit jemand erleichtern wollen. Danach gehe ich nach Hause und lege mich sofort schlafen.
Lismal: Das ist hart. Wahrscheinlich sehen und riechen sie nicht nur appetitliche Dinge?
Geberit: Manchmal pissen sogar Leute an den Sehschlitz. Also da könnte mir schon der Appetit vergehen. Aber meistens ist’s nicht so schlimm.
Lismal: Sie haben in der Zwischenwand hinter dem WC wohl nicht sehr viel Platz. Haben sie noch keine Haltungsschäden?
Geberit: Ach bis jetzt geht’s. Nur manchmal schmerzen die Füsse. Ich muss ja den ganzen Tag stehen, denn zwischen der Isolation ist’s schon recht eng. Und im Sommer ist es manchmal ein wenig warm.
Lismal: Sind sie bei der Arbeit schon mal angesprochen worden?
Geberit: Einmal wollte ein Betrunkener einen Brief in den Sehschlitz einwerfen, er dachte es sei ein Briefkasten. Ansonsten werde ich kaum wahrgenommen.
Lismal: Also auch keine Probleme mit Leuten die sich beobachtet fühlten?
Geberit: Bisher nicht. Aber ich schau auch gar nicht hin.
Lismal: Sie sind ja im Bahnhofs-WC stationiert. Kommt da ab und zu ein bekanntes „Gesicht“ vorbei?
Geberit: Eher selten. Manchmal kommt der eine oder andere Bundesrat, die ich übrigens alle an ihrem, sie wissen schon, erkenne. Ja und einmal kam David Bowie. Eigentlich dachte ich ja der benütze die Damentoilette, aber ich sage ihnen, der hat vielleicht…
Lismal: Danke, wir wollen es gar nicht wissen. Noch eine letzte Frage: Wie kommt man zu einem solchen Beruf?
Geberit: Ich wurde da richtiggehend hineingeboren. Das ist halt so eine Familientradition bei uns.
Lismal: Vielen Dank für das Interview.