Das Wunder von Leimbach
Text: Jürgen Brandstifter
Datum: 29.06.2004 Aufrufe: 1383 Verschickt: 1
Während Herr und Frau Schweizer zuhause vor dem Fernseher sassen und die europäische Spuckmeisterschaft beobachteten, traf sich in Leimbach die Elite des lokalen Fussballs, um sich in den drei paralympischen Paradedisziplinen Korbwurf, Seilziehen und Fussball zu messen. Auch Lismal stellte ein kleines, aber exklusives Team, welches auf seinem Weg zur Weltherrschaft dieses Turnier gewinnen sollte.
Bereits am frühen Morgen hing ein feiner Duft von Bratwürsten über dem Feld beim Schulhaus in Leimbach. Als erstes spuckten sich die
Spieler von Lismal zur Abhärtung gegenseitig ins Gesicht. Perskindol und Opiumpfeifen wurden herumgereicht und eine verhaltene Euphorie machte sich in der Umkleidekabine breit. Mit dem festen Willen, die Anweisungen unseres Trainers Vudi Röller (der hat übrigens einen
Futzpimmel , 'tschuldigung natürlich einen Putzfimmel) zu missachten, marschierten wir auf das Spielfeld. Ziel dieser ersten Begegnung war es, die Gegner zu schlagen oder zumindest zu verwunden. Schlussendlich, nachdem wir unser Ziel nicht einmal mit Spucke erreicht hatten, mussten wir uns damit begnügen, unsere Gegner mit einem Unentschieden beim Ballwurf zu demütigen. Die
Analyse der Videoaufzeichnung ergab Folgendes: Fouls gut, rechte Haken und Uppercuts genial,
Ballkontrolle und fussballähnliche Anzeichen null. Nun war es an der Zeit unsere Geheimwaffe ins Spiel zu bringen: David Beckham. Leider verursachte die
SMS , welche wir ihm schrieben, keine Siege für uns, sondern nur einen weiteren Ehekrach.
So konnte es natürlich nicht weitergehen und deshalb entschied sich der Teamchef kurzerhand für eine ungewöhnliche Massnahme:
Training . Dieses trug bereits im nächsten Match Früchte. Mit einem atemberaubenden Offensivfeuerwerk und herrlichem Kurzpassspiel konnten wir das gegnerische Team dominieren. Das Resultat fiel mit einem 1:0 dementsprechend deutlich aus. Einziger Makel am überwältigenden Gesamteindruck ist das juristische Verfahren wegen
Spuckens , das noch hängig ist. Der Lismal-Verband möchte dazu jedoch keine Stellung beziehen. Vom Opium und dem Sieg beflügelt gewannen wir auch das anschliessende Seilziehen. Aus Mitleid liessen wir unsere lächerlichen Gegner wenigsten das Ballwerfen gewinnen und gingen direkt zum Bier über.
Die fetzige
Guggenmusik mit ihrer ausgefallenen Kleidung heizte die Stimmung weiter an. Nun dachten wir bereits ans Finale und fühlten uns unbesiegbar, wie die Franzosen. Trotz gutem Nahkampf (Spucken, Testikeldehnung) war unsere Mannschaft physisch unterlegen und unsere Kräfte liessen in der zweiten Halbzeit (ab der siebten Minute) merklich nach. Als unser Starverteidiger Shrub “Francesco“ Dealer gegen Ende wegen eines rüden (an einem Rüden (nicht Van Nistelrooy)) Fouls vom Platz gestellt wurde, bäumte sich nochmals so etwas wie Teamgeist auf und der Schiedsrichter wurde kollektiv bespuckt. In der Zwischenzeit schoss der Gegner drei Tore und setzte all unseren Träumen ein Ende. Dank der dargebotenen Hand beschlossen wir den Suizid zu Gunsten der Teilnahme am Trostturnier aufzugeben.
Auf der vom Samstag schon kaputt gekämpften Wiese, welche dank des sauren Regens und der giftigen Spucke keine mehr war, starteten wir unser trostloses Trostturnier. Der
Sumpf verschlang unsere Füsse und Mücken griffen die Mittelfeldspieler an. Die Unsportlichkeiten unter all den frustrierten, verkaterten Freizeitalkoholikern nahmen zu. Unsere eigenen Kräfte waren schon ziemlich verbraucht, so wurde der Kampf immer härter, dass wir kraft unserer Knochen nur noch ein erbärmliches Unentschieden gegen den FC International (Der Name war Programm) erreichen konnten. Die Schlacht ging in den Kabinen weiter, wo sich am Boden das frische Blut mit schalem Bier, Schlamm und natürlich mit Spucke mischte.
Jetzt da auch die letzten wieder aus dem Spital entlassen worden sind und die Lismal-Delegation, nach den erledigten Gerichtsverfahren, in Leimbach die Heimreise angetreten hat, ist es Zeit Bilanz zu ziehen.
1. Der Ball ist rund.
2. Mit Gewalt lässt sich kein Turnier gewinnen.
3. Diese Drogen brachten nichts.
4. Guggenmusik tötet.
5. (Spuck-)Training ist unerlässlich.
Interview mit Karl, dem gescheiterten Ethnologiestudenten, Alkoholiker und Fussballexperten.
Daniel Wyler: „Die Leserinnen und Leser von Lismal sind absolut enttäuscht und drohen mit Selbstmord. Sie fordern die sofortige Entlassung des Trainers Vudi Röller (der übrigens einen Futzpimmel hat) und eine Erklärung. Warum hat das Lismal-Team die Finalrunde nicht erreicht? Warum?“
Karl: „Das ist, weil wir am Samstag zu wenige Tore geschossen haben.“
Daniel Wyler: „Welche Änderungen müssen im Team noch vorgenommen werden, damit es sich auch im nächsten Jahr wieder für das Turnier qualifizieren kann?“
Karl: „Sie müssen vorne mehr Tore schiessen und hinten weniger bekommen.“
Daniel Wyler: „Finden Sie nicht auch, dass ich ein wenig wie Beni Turnheer klinge?“
Karl: „Ja, aber deine Witze sind etwas flacher, du Nutte
. “
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