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Lisbola - Wort zum Sonntag
Die Spielregeln
Das Parlamentarier-Quartett
Text: Pino Loricato Datum: 16.09.2007 Aufrufe: 2522 Verschickt: 1

An einem frischen, spätsommerlichen Sonntagmorgen spazieren ein paar von uns im Lederhändler-Outfit durch den Bahnhof und bekommen doch glatt eine NZZ am Sonntag geschenkt. Das muss sich um eine Spezialausgabe handeln, denken wir erst und merken dann, so ist es auch! Die NZZ am Sonntag schenkt uns ein Quartett mit allen Parlamentariern, zum Selberausschneiden! Was für ein Spass!

Das Parlamentarier-Quartett kann man spielen wie das Autoquartett. Am Spiel können zwei oder mehr Personen teilnehmen. Zum Beispiel sechs.

Spielregeln
Die Karten werden gemischt und gleichmäßig unter die Spieler verteilt. Jeder Spieler hält seine Karten zu einem Päckchen gestapelt so in der Hand, dass nur das oberste Blatt – und zwar nur für ihn – zu sehen ist.

Der Spieler links vom Geber nennt nun ein technisches Datum von seiner Karte, bei einem Autoquartett z. B. Anzahl der Zylinder, Motor-Leistung in kW, Höchstgeschwindigkeit, maximale Drehzahl oder Beschleunigung. Beim Parlamentarier-Quartett heissen die Werte Präsenz (d.h. die Anwesenheit im Rat bei den namentlichen Abstimmungen in %), Voten (Anzahl Wortmeldungen), Mit Fraktion (wie oft ein Parlamentarier gleich stimmt wie die Mehrheit seiner Fraktion in %), Mit Mehrheit (Wie oft ein Parlamentarier gleich stimmt wie die Mehrheit des Nationalrats, ebenfalls in %) Erfolglose Vorstösse (Anzahl der abgelehnten oder abgeschriebenen Postulate, Motionen und parlamentarischen Initiativen).

Die Mitspieler nennen nun die entsprechenden Daten auf ihren obersten Karten, und der Spieler, der den höchsten Wert besitzt, gewinnt den Stich. Er erhält die obersten Karten seiner Mitspieler und legt diese zuunterst zu seinem Päckchen.

Besitzen zwei oder mehr Spieler Karten mit demselben höchsten Wert, so legen alle Spieler ihre obersten Karten in die Mitte, und die Spieler mit dem höchsten Wert spielen eine Entscheidungsrunde. Der Spieler, der zuvor angesagt hat, nennt wiederum ein technisches Datum und der Sieger dieser Runde gewinnt zusätzlich zu den Karten aus der Stichrunde die Karten aus der unentschiedenen Runde.

Als nächstes beschreiben wir ein paar Fallbeispiele, damit Sie sich vorstellen können, wie man so etwas spielt:

Erste Runde
Spieler 1 hat von seinem Stapel Christoph Mörgeli gezogen. Auf den ersten Blick ist klar: Präsenz ist scheisse, Voten arm, und als SVPler ist er auch nie in der Mehrheit. Die Fraktionstreue ist gross aber 94% ist auch kein sicherer Wert. Da Unruhestiftung keiner der fünf geltenden Werte sind, spielt der Spieler 1 auf die Anzahl erfolgloser Vorstösse...
Spieler 2 hat eine liberale Genferin mit nur einem Vorstoss.
Spieler 3 kommt mit Peter Spuhler, der fast nie im Parlament ist und auch nur einen Vorstoss aufzuweisen hat.
Spieler 4 hat auch nichts,
Spieler 5 hat Bignasca aus dem Tessin mit null Vorstössen,
einzig Spieler 6 kommt mit so einem roten Genfer dem Mörgeli etwas näher, immerhin drei Vorstösse und auch ein Schreihals, aber eben.
...und Spieler 1 gewinnt diese Runde. Illustration

Zweite Runde
Spieler 1 hat die Runde gewonnen und darf gleich nochmals. Diesmal zieht er einen grünen Waadtländer, Recordon Luc. Er sieht aus wie ein Zauberer, hat eine hohe Fraktionstreue von 96% und ganze 211 Voten! Er wird ja auch als Lang- und Vielredner beschrieben. 96% ist zwar eine hohe Fraktionstreue, aber 211 Voten sind eine nur selten erreichte Zahl. Spieler 1 spielt auf die Voten...
Spieler 2 hat einen grünen Parteikollegen aus dem Aargau gezogen, der auch eine beachtliche Anzahl Voten hat, ganze 103, aber im Vergleich zum Zauberer ist es weniger als die Hälfte.
Spieler 3 hat eine Frau, Tessinerin, CVPlerin und ebenfalls Viel- und Langrednerin mit enorm vielen Voten, nämlich 163, Chiara Simoneschi. Aber das reicht auch nicht.
Die Spieler 4 und 5 haben zwei bekannte SVP-Nationalräte ins Spiel gebracht, die beiden Ueli Giezendanner und Maurer, allerdings liegen die mit ihren Voten ganz enttäuschend im Durchschnitt, da sie im Parlament oft fehlen.
Spieler 6 kann seinen Politiker geschmeidig über den Tisch schlittern lassen, mit dem (rechts-) Aussenseiter und Schweizer Demokraten Bernhard Hess ist nichts zu holen, der hätte im Falle der Fälle nicht mal eine Fraktionstreue gehabt, weil er gar keine Fraktion hat.
...und Spieler 1 gewinnt auch diese Runde. Illustration

Dritte Runde
Spieler 1 ist schon wieder dran und grinst, weil sich sein Parlament langsam füllt. Diesmal zieht er wieder einen SVPler, nämlich den jungen Toni Brunner aus Sankt Gallen. Scheiss-Voten, Scheiss-Mehrheit, hohe Fraktionstreue und ganze vier erfolglosen Vorstösse. Spieler 1 erinnert sich, dass er mit Christoph Mörgeli auch durch die erfolglosen Vorstösse eine Runde gewonnen hat und glaubt an die Glückssträhne. Er spielt mit Toni Brunner auf die Erfolglosen Vorstösse...
Spieler 2 präsentiert einen Fragen stellenden Sankt Galler Landsmann von der FDP, Walter Müller, der nur halb so viele erfolglose Vorstösse mitbringt, nämlich zwei.
Spieler 3 ärgert sich, dass er die junge Ursula Wyss, Fraktionschefin der SP Bern aufgrund nur eines erfolglosen Vorstosses an Toni Brunner verlieren muss.
Spieler 4 hat mit seinem Mario Fehr, SP ZH und null erfolglosen Vorstössen nichts auszurufen.
Spieler 5 ärgert sich, dass er seine Basler SP-Frau Silvia Schenker jetzt abgeben darf, die Mit Fraktion und Präsenz ein grosser Trumpf gewesen wäre.
Jetzt lächelt aber Spieler 6 und hämmert seine Karte auf den Tisch; die baselländer SP-Frau Susanne Leutenegger Oberholzer ist ein richtiges Ass. Neben 11 erfolglosen Vorstössen (das ist genau so viel wie SVP-Gitarrist und Pissoir-Poet Oskar Freysinger auf die Reihe kriegt) hätte sie noch ganze 263 Voten parat gehabt.
...und somit geht die Runde an Spieler 6. Illustration

Nach einer gemeinsam festgesetzten Spieldauer sortiert jeder Spieler seine Karten zu Zauberformeln. Wer am meisten siegreiche Zauberformeln zusammengestellt hat, gewinnt das Spiel. Fünf Zauberformeln sind möglich; Man stellt sie zusammen nach den fünf Kriterien und sucht sich dazu die rekordverdächtigsten Politiker aus.
Sehen Sie sich hier fünf ideale Zauberformeln an, die wir für Sie vorbereitet haben, damit Sie wissen, wie so eine siegreiche Zauberformel aussieht.

Die Mit Fraktion-Zauberformel
Die Mit Mehrheit-Zauberformel
Die Präsenz-Zauberformel
Die Erfolglose Vorstösse-Zauberformel
Die Voten-Zauberformel

Lismal wünscht Ihnen eine schöne Woche! Wenn Sie auch so eine NZZ am Sonntag geschenkt bekommen haben, dann schauen Sie auf Seite 30 nach, es ist alles bereit, Sie müssen es nur noch ausschneiden! Voll geil, und das kurz vor den Wahlen!


Erste Spielrunde Zweite Spielrunde Dritte Spielrunde Die Fraktionstreue-Zauberformel. Setzen Sie hier auf die Genossen, die weichen nie ab!
Die Mehrheiten-Zauberformel: Suchen Sie sich dazu sieben Politiker, die so oft wie möglich mit dem Strom schwimmen. Die Präsenzen-Zauberformel: Stellen Sie diese sieben hardcore Nesthocker zusammen, so haben Sie eine unschlagbare Präsenzen-Zauberformel. Die erfolglose Vorstössler-Zauberformel: Obwohl das erfolglose Vorstösseln eine SVP-Disziplin zu sein scheint, ist der erfolglose Vorstoss-König in diesem Fall ein Ultralinker. Die Voten-Zauberformel: Finden Sie in Ihren Karten die Politiker, die im Parlament am meisten aufstrecken, dann haben Sie die beste Kombination.
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