Badly Drawn Boy «One Plus One Is One»
Text: Carlos Alto-Nivel
Datum: 16.07.2004 Aufrufe: 2006 Verschickt: 1
Bereits bei seiner Namensgebung zeigte sich der britische Musiker Damon Gough alias Badly Drawn Boy äusserst kreativ. Alleine schon sein nicht ganz alltäglicher Künstlername gibt die Berechtigung, dass wir näher auf den jungen Herrn mit der Wollmütze und dem ungepflegt wirkenden Bart eingehen.
Um die Musik auf dem Album näher zu beschreiben, muss man sich als erstes mit dem Begriff
Pop auseinandersetzen. Da die Klangkulisse von Badly Drawn Boy zumindestens bei uns alles andere als populär ist (und dies auch, wenn er den Soundtrack für
«About A Boy» schrieb), dürfte man seine Sounds am ehesten als Anti-Pop-Songs bezeichnen. Das heisst, er spielt die Musik, die ich gerne im Radio als Popsong hören würde, aber trotzdem nie bei einem unseren ganz coolen Privatsender gespielt werden wird. Ich muss mir eindeutig Kabelradio zu tun und
couleur3 hören!
Doch Wörter bleiben Wörter und Beschreibungen sowie Schubladisierungen können nur für schlechte, gesichtslose Musik gelten. Gesichtslos gibt sich
Damon Gough keineswegs. Er zelebriert einfache Musik, die nie den Anspruch erhebt, unter die Haut gehen zu müssen. Auf seinen Klangteppichen schreckt er auch von Querflöten und Kinderchören nicht zurück, was dieses Album auch zu einem guten Einschlaf-Soundtrack für den kleinen Cousin macht.
In England hat der schlecht gezeichnete Junge bereits
Kultstatus erreicht, doch grosse Töne zu spucken scheint ihm trotzdem nicht zu liegen. Lieber bastelt er melodiöse Soundcollagen, auf die er seine unscheinbare, aber nie nervende Stimme legt.
Auch wenn immer wieder neue Klänge in den Liedern dazustossen, verliert man nie die Sicht auf die Grundstruktur, die durch Klavier und
Akkustikgitarre aufgebaut wird. Sehr speziell und das grosse Plus bei Badly Drawn Boy ist sein Umgang mit der Musik und dem Einbauen von unkonventionellen Breaks, die den Liedern einen schon fast magischen Charme einhauchen.
Wem der Sound am Radio langsam aber sicher die Nerven getötet hat, dem sei diese Scheibe an's Herz gelegt. Und auch für die Andern gilt, reinhören kann nicht schaden. Zumindest kann man danach sagen, dass man seinen Horizont erweitert habe.
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