Arbeitswelt - Hans-Peter M.
Text: Emma Kalaschnikow
Datum: 25.08.2007 Aufrufe: 1628 Verschickt: 1
Das Abenteuer zwischen Verpflegungskarte und Businesslunch geht in die dritte Runde. Erfahren Sie geheimnisvolle Details aus Hans-Peter M.'s Arbeitsalltag. Ein Büro-Angestellter wie er nie im Kinderbuch zum Ausmalen stehen würde.
Hans-Peter M. ist etwas pummelig. Hans-Peter M. hat Hunger. Ein richtiges Loch im Bauch. Er wurde seit letzter Woche von seiner Frau auf eine Low-Carb-Diet gesetzt. D.h für ihn, keine Brötchen mehr, keine Teigwaren mehr und auch die Rösti wurde vom Speiseplan
gestrichen. Er steht mit der Nase gegen die Scheibe des Verpflegungsautomaten gepresst da und schaute hungrig auf die Salami-Semmel. Er checkt sein Guthaben auf der Verpflegungskarte: CHF 105.75. Ja, soviel hat wohl sonst niemand in diesem Drecksladen auf seiner Verpflegungskarte.
Er kratzt sich am Hinterkopf und spuckt heimlich auf den Boden. Da steht plötzlich Frau K. hinter ihm. Ganz Gentleman lässt er sie natürlich vor und glotzt ihr auf den Arsch während sie ein Schoggi-Gipfeli aus dem
Automaten fischt. War auch schon mal kleiner, denkt er.
Frau K. flieht zurück in ihr Büro und Hans-Peter M. steht wieder alleine im Pausenraum mit seinem Problem. Drecksäcke, denkt er. Alle zusammen. Er will essen. Sofort.
Mit seiner Verpflegungskarte lässt er 20 Sandwichs und 5 Marsriegel, dazu noch einige Schokodrinks raus. Noch an Ort und Stelle reisst er das Papier von der Nahrung und schlingt innert fünf Minuten alles in sich hinein.
Mit seinem schokoverschmierten Mund kehrt er in die 4. Etage zurück und brüllt der Frau E., die gerade in einen
Apfel beisst, durch die offene Bürotüre zu: “Während der Arbeitszeit wird nicht gegessen! Legen sie den Apfel weg oder suchen sie sich einen neuen Job!“