«Les triplettes de Belleville»
Text: Nemo
Datum: 30.10.2003 Aufrufe: 1527 Verschickt: 1
Europäische Animationsfilme sind eine Seltenheit. Um so grösser ist die Freude, wenn es dennoch ein solcher Trickfilm in die Schweizer Kinos schafft.
«Les Triplettes de Belleville» ist eine Französisch - Belgisch - Kanadische Coproduktion, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Die Geschichte des Films
«Les Triplettes de Belleville» ist schnell erzählt: Der Waisenjunge Champion wächst bei seiner Grossmutter auf. Doch womit ihn die alte Dame auch aufheitern will - Fernseher, Hund oder Eisenbahn - begeistern kann sich der Junge für nichts. Ein Dreirad erweckt den kleinen Jungen dann jedoch aus seinem Dämmerzustand, und freudig beginnt er, seine Runden im Dorf zu drehen.
- Es folgt eine Zeitblende, in der wir sehen, wie sich das friedliche Dorf in eine triste Vorstadt verwandelt (wobei der Zug - zur Freude des Hundes - nun stündlich am Fenster des Hauses vorbeifährt). Auch Champion ist inzwischen gross geworden, und trainiert fleissig für die Tour de France. Unterstützt und gecoacht wird er dabei nach Kräften von seiner energischen Grossmutter.
Am grossen Rennen selbst geht dann aber einiges schief: Champion wird von der französischen Mafia entführt und nach «Belleville», einer New York nachempfundenen Grosstadt, verschleppt. Weshalb die französische Mafia unbedingt Radrennfahrer braucht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Jedenfalls macht sich Oma mitsamt Hund und Pedalo auf, ihren Champion wieder zurückzuholen...
In der Grosstadt Belleville angekommen, trifft sie dann auch auf das «Triplette» ein Gesangstrio von drei alten, etwas seltsamen Damen, die ihre beste Zeit bereits hinter sich haben.
Sie findet beim Trio Unterschlupf und beginnt, ihren Plan zur Befreiung von Champion in die Tat umzusetzen...
Verantwortlich für diesen Film zeigte sich der französische Comiczeichner Sylvain Chomet. Fünf Jahre habe er in diesen Film investiert, wusste die Basler Zeitung zu berichten. Gelohnt hat sichs.
Denn die Bilder in diesem Film sind grossartig, und bilden einen wohltuenden Kontrast zu den gängigen Disney - Hochglanzfilmen.
Obwohl der Computer vermutlich häufig eingesetzt wurde, merkt man es dem Film nicht an, so geschmeidig fügen sich die Spezialeffekte in den optischen Gesamteindruck des Filmes ein. Technische Tricks, wie raffinierte Überblendungen, sind gekonnt umgesetzt.
Teilweise ist der Humor etwas grotesk, und manchmal ziemlich schwarz. Dies tut dem Filmvergnügen jedoch keinen Abbruch.
Der Film - in dem übrigens beinahe nie gesprochen wird, und der somit auch ohne Untertitel auskommt - lebt von den Details, welche in Überfülle vorhanden sind: So werden Champions schmerzenden Waden schon mal von Grossmutter mit dem Mixer traktiert, oder der Rücken mit dem Rasenmäher massiert. Auch in Sachen Dynamitfischen kann einem der Film noch einiges lehren. Oder darin, wie man aus Fröschen ein leckeres Dessert zubereitet. Und was ein Hund für Alpträume hat.
Ach ja: Wer den Film im Kino RiffRaff betrachtet, kommt zusätzlich noch in den Genuss eines ungewöhnlichen Vorfilms
(«Tomatenköpfe»), in dem tatsächlich die Welt kopfsteht. Allein dieser Vorfilm rechtfertigt beinahe den Preis für den Eintritt.
Und am Ende des Hauptfilms lohnt es sich, sitzenzubleiben, bis der Abspann vorbei ist. Denn dann folgt nochmals eine Ultrakurzsequenz, die es in sich hat.
Der Film ist momentan im Kino RiffRaff zu sehen.