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Forum Übersicht -> Offtopic -> KÖNIGSHÄUSER


Autor Beitrag
aloysius

Anmeldungsdatum:
27.06.2003

Beiträge: 429

Verfasst am: 28.02.2005 um 21:23

Als halbwegs kritischen in einer Demokratie lebenden Bürger mag man es kaum glauben, aber es ist wahr: In Europa gibt es immer noch sieben bedeutende Königshäuser, an denen die Bevölkerung scheinbar ihre helle Freude hat. Angesichts der Tatsache, dass diese Monarchie-Popstars unser Erspartes verprassen, ist dies eigentlich mehr als verblüffend…

Spanien, Dänemark, Belgien, Holland, Norwegen, Schweden und Grossbritannien habe auch im 21.Jahrhundert noch immer ihre Könige und Königinnen, Prinzessinnen und Prinzessen, zig Butler und sonstigen Blingbling. Diese halten sich auch nicht zurück, mit stets neuen, bizarren und skandalösen Geschichten Schlagzeilen zu machen und ziehen jährlich mehrere Tausend Touristen an. Gleichzeitig werden jedes Jahr Millionen an Steuergeldern an diese Königshäuser transferiert. Ermöglicht wird somit diesen ohnehin schon Wohlbetuchten ein äussert pompöses und sorgenfreies Leben. Auch die Ärmeren dieser Länder dürfen kräftig mitfinanzieren – und scheinen dies auch noch gerne zu tun. Besonders fragwürdig ist dies vor dem Hintergrund, dass zu mindest in einigen dieser Nationen die sozialistischen Parteien eine klare Mehrheit in der Regierung bilden und dies eigentlich schon Bedingung genug wäre, sämtliche Monarchen mit einem kräftigen Tritt über die jeweiligen Landesgrenzen zu befördern.

Die Frage scheint berechtigt, was denn diese Leute für das gemeine Volk Tolles geleistet haben, dass sie so beliebt sind. Klar, sie spenden ab und zu auch mal was, halten Schlösser und Museen im Topzustand und liefern reichlich Stoff für die Klatschpresse. Aber wenn selbst die Schweizer Tagesschau als erste Meldung um halb acht die Nachricht bringt, dass der Charles jetzt doch seine Camilla heiratet, dann ist ein bestimmtes Mass nicht nur voll, sondern überschritten (fünf Minuten später folgte dann doch noch die Mitteilung, dass Nord Korea nach eigenen Aussagen jetzt die Atombombe besitzt...). Und in Japan ist der Druck auf Kaiserin Michiko, mal endlich einen Thronfolger zu liefern, schon so gross geworden, dass sie sich kaum mehr in der Öffentlichkeit zeigt und mit psychischen Problemen zu kämpfen hat.

Angesichts der Tatsache, dass es den unteren sozialen Schichten der jeweiligen Gesellschaften nicht gerade hervorragend geht und auch die Zukunft nicht besonders rosig aussieht, kann die Konsequenz eigentlich nur lauten, dass den Monarchen von heute auf morgen der Geldhahn zugedreht werden muss. Das gesparte Geld könnte dann für weit sinnvollere Dinge ausgegeben werden. Vielleicht würden dann auch mal ein Prinz Charles einem ordentlichen Job nachgehen. Für zusätzliche Einnahmen könnte er immer noch in einer Reality Show à la „Simple Life“ auftreten. Da hätten alle mehr davon.
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Pino Loricato

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Anmeldungsdatum:
12.12.2003

Beiträge: 450

Verfasst am: 01.03.2005 um 00:05

Mit dem monarchischen Kult ist es wie mit der Religion. Nicht totzukriegen. Schau nur:

In Österreich zum Beispiel gibt es immer noch Menschen, die dem österreichisch-ungarischen Kaiserreich nachtrauern und dem ganzen Pomp huldigen, indem sie Adelswappen und -Familien auswendig lernen und zuhause pseudomonarchische Kitschgegenstände ansammeln. Zudem kommt alljährlich Sissi I, Sissi II und Sissi III im ORF1 und alle sehen sich das an.

Solche Leute gibt es in der Schweiz auch. Die sagen zum Beispiel voller stolz Dinge wie: "Im Flugzeug habe ich neben einem Baron gesessen" oder "meine Urgrossmutter war eine Gräfin!" oder "zuhause habe ich Besteck und Geschirr, das einst einem Fürsten gehörte". Sie gehen an den Debütantinnenball, essen im Zeughauskeller und hoffen, eines Tages einen Zünfter zu heiraten.

Das Volk ist dumm, es will im Kreis tanzen um einen goldenen Phallus, der mit Edelsteinen geschmückt ist. Gibt man dem Volk aber Demokratie, ändert nichts an seiner Neigung nach Brot zu schreien, jedoch seine dicksten Bäuche zu wählen.

Die französische Revolution hat in Frankreich statt gefunden, nicht in England und nicht in Spanien. Stell dir vor, man könnte die Monarchie verbieten. Wollen wir die Monarchie verbieten?

Beispiel Italien (als Prinzen noch verboten waren...)
1945: Die Faschisten verlieren den zweiten Weltkrieg, das Land ist am Boden. Die Kommunisten ergreifen die Macht und verbieten die Monarchie. Ausländische Adelige dürfen nach Italien zu Besuch kommen und wieder gehen. Italienische Adelige haben nur noch den Nachnamen, den Stolz und ihren Reichtum. Nicht aber das Recht, sich König oder Prinz zu nennen.
Deshalb mussten die armen Savoia ca. 60 Jahre lang exiliert in ihren Villen am Genfersee leben und hatten in Italien Landesverbot. Sie wären die Thronfolger von Vittorio Emanuele III gewesen. Prinz Filiberto unternahm manchmal abenteuerliche Ausflüge in seine verbotene Heimat und riskierte verhaftet zu werden wegen Monarchie.

Die Italiener haben aber Berlusconi gewählt. Der hat das Gesetz geändert. Die Savoia dürfen wieder ins Land. Italien hat also wieder einen König, nur sitzt er nicht auf dem Thron um die Milliarden der Arbeiter zu fressen, darum kümmern sich schon andere. Übrigens hat das Volk die Rückkehr der Savoia herzlich gefeiert. Frag mich nicht warum, Aloysius.

Seit medientechnisch alles zu sehen und zu hören möglich ist, hat der Monarchenkult groteske Formen angenommen. Prinz Charles sitzt zu Hause und zählt seine Hoden? Alle wollen Details davon.
Die Prioritäten des Schweizer Fernsehens können wir nicht beeinflussen. Das machen bereits die anderen.


MAKE SPAGHETTI, NOT WAR!

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aloysius

Anmeldungsdatum:
27.06.2003

Beiträge: 429

Verfasst am: 02.03.2005 um 20:30

Pino Loricato, leider hast du mit fast allem recht, was du schreibst. Das mit Italien wusste ich nicht, ist noch interessant. Mit den Religionen sehe ich es etwas anders. Die Religionen sind in ihrer Natur weder gut noch böse, sie haben auf jeden Fall ein Potenzial Gutes zu bewirken, in 99% der Fälle kommt aber wohl Negatives dabei raus, aber das nichts mit den Religionen an sich, sondern damit zu tun, was aus ihnen gemacht wird. Sie werden seit Jahrtausenden missbraucht, am extensivsten vermutlich derzeit im Christentum und Islam. Ich bezweifle, dass die Welt ohne Religion und ohne jeden Glauben tatsächlich besser wäre. Viele der Prinzipien und Werte, die darin vertreten werden, gelten auch heute noch und beeinflussen unser Verhalten ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Aber zurück zu den Könighäusern: Ich verstehe trotzdem immer noch nicht, was die Faszination ausmacht und worauf diese Begeisterung aus der Bevölkerung zurückzuführen ist. Liefern die Hollywood Stars nicht genug Skandale und Gesprächsstoff und lassen wenigstens die einen von uns von einem glamourösen, prunkvollen Leben träumen ? Reicht dies nicht schon mehr als völlig aus ? Und wozu brauchen wir diese Monarchen ?
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Pino Loricato

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Anmeldungsdatum:
12.12.2003

Beiträge: 450

Verfasst am: 03.03.2005 um 00:52

Eben zu nichts! Die Monarchen braucht es heute überhaupt nicht mehr. Die sind nutzlos, überflüssig, vorbei, die kann man einstampfen und Seife daraus machen.

Nein, die Welt wäre nicht besser ohne Religionen, sondern schlechter. Immerhin haben wir noch den Samstag und den Sonntag. Stell dir vor, es gäbe keine Religion mehr. Reiche Führungspersonen in der Wirtschaft würden meinen: "rentiert das, wenn ein Arbeiter nur an fünf von sieben Tagen arbeitet, und was soll der Scheiss von wegen 'am siebten Tage sollst du ruhn' heissen?" Wir würden nur noch arbeiten, 7 Tage die Woche.

Die Religionen geben dem einzelnen Menschen Halt und Hoffnung im Glauben. Das ist nicht schlecht. Und ein Mensch, der sich für einen Glauben als Kamikaze gegen Ungläubige opfert ist genauso gefährlich wie ein Mensch, der sich für eine Fahne opfert. Da muss man wirklich aufpassen.

Jedoch die Begeisterungen an sich, sei es die für eine unsichtbare Gottheit oder die andere für eine sichtbare, fassbare "Gottheit", können sich die Hand geben.
Das Streben der Masse, das laute Jubeln und das Strecken ihrer Arme im Kollektiv, das ist nun mal menschlich. Und dumm.

Kehren wir die Frage mal um: "Wir haben schon die Monarchen, wozu denn der ganze Hype um die Privatsphäre der Hollywood-Schauspieler?"


MAKE SPAGHETTI, NOT WAR!

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pilocka

Anmeldungsdatum:
11.07.2011

Beiträge: 5

Verfasst am: 18.07.2011 um 16:16

das in dänemark habe ich mir mal angeschaut. bin über diesen link hier http://www.ferienhaeuserdaenemark.org auf dänemark aufmerksam geworden. seitdem sind wir absolute dänemarkfans! wirklich eine reise wert!
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